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Ein Jazzer, der viele neue Türen öffnet: Schlagzeuger Tobias Schirmer kommt mit Konzert in alte Heimat zurück

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

SCHLÜCHTERN - Schlagzeuger Tobias Schirmer (33) wuchs in Schlüchtern auf und studierte zunächst klassisches, dann Jazz-Schlagzeug in Würzburg. Am Freitag, 20. Mai, kommt er im Jan-Luley-Trio als Begleiter der Jazzsängerin Brenda Boykin zurück in seine alte Heimat.

Von unserem Mitarbeiter Hanswerner Kruse

Mit tiefer Stimme singt die US-Amerikanerin Brenda Boykin vom Swing bis zum Funk meist stark rhythmische Songs, die ihrem Publikum heftig in die Beine fahren. Dazwischen haucht sie rauchige Blues-Stücke oder wagt vokale Improvisationen. „Mit Brenda macht das Spielen riesigen Spaß“, meint Tobias Schirmer im Gespräch unserer Zeitung. „Sie ist spontan und hat eine Riesenenergie.“

Vor wenigen Tagen spielte der Drummer im Frankfurter Jazzkeller wilden Bebop in einem anderen Trio, das dort den legendären Saxophonisten Ernie Watts begleitete. Watts blies sich die Seele aus dem Leib und provozierte spannende musikalische Duelle mit seinen Mitspielern. „Musikalische Behauptungen aufstellen und hören, wie der andere reagiert“, nennt Schirmer solche „Dialoge.“ Derzeit tourt das Ensemble durch Spanien.

Reise durch Europa

Schirmer ist sehr beschäftigt und an diversen experimentellen Projekten beteiligt, aber er macht auch reine Unterhaltungsmusik. „Ja, im Moment läuft’s ganz gut“, meint er, „ich genieße die Freiheit und Vielseitigkeit meiner Arbeit.“

Bereits als er in Schlüchtern aufwuchs, trommelte er in etlichen Formationen und erhielt, mit nur 20 Jahren, den Kultur-Förderpreis des Main-Kinzig-Kreises. Von Würzburg aus reist er mit vielen kleinen Gruppen durch Europa, neben den unterschiedlichen Jazz-Trios spielt er etwa bei den Classic Affairs „verjazzten Chopin.“ Musikalisch engagierte er sich in einem afrikanischen Theaterprojekt mit Aufführungen in Burkina Faso. Unter dem Titel „Die Zeit ist aus den Fugen“ inszeniert er Texte von Heiner Müller zusammen mit einem Schauspieler, den er mit Geräuschen und Tönen begleitet.

Doch das ist noch längst nicht alles. Ende Mai will sich der Bayrische Kulturpreisträger mit anderen Schlagzeugern zu einem 66-köpfigen Ensemble in Hannover formieren und Teil einer Konzert-Installation im riesigen Großen Garten der Stadt werden. Im Gegensatz zu diesem gigantischen Spektakel steht das Projekt „Der Blaue Eumel“, das der Musiker gemeinsam mit seiner Freundin, einer Klassik-Pianistin, ins Leben rief. „Die Aufgabe der Kunst besteht darin, Türen zu öffnen wo sie keiner sieht“, heißt die Devise der Kulturschaffenden aus verschiedenen Bereichen. Von einem Lastwagen aus präsentieren sie teils geplant, teils spontan, hochwertige Kulturstücke und erreichen Menschen auf der Straße, die normalerweise nicht mit diesen Künsten vertraut sind.

Immer auf der Suche

Schirmer ist Dozent an der Würzburger Musikhochschule – und sich nicht zu schade, daneben zwei nicht-professionelle Big Bands zu begleiten. „Solche Bands sind vom Aussterben bedroht“, sagt er über das Engagement. Ihm mache sowohl die musikalische Leitung der einen als auch das Mitspielen in der anderen, „echt coolen“ Gruppe großen Spaß.

Natürlich hat Schirmer im Studium nicht nur Drumset gelernt, sondern auch das Spielen mit Holz- und Metallstäben auf der Marimba und anderen Instrumenten. „Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Inhalten und neuen Herausforderungen“, sagt der vor Kreativität sprühende Musiker. „Ich habe noch so viele Ideen, die nach Umsetzung suchen.“ In seiner Werkstatt experimentiert er mit selbst gebauten Klangkörpern aus Holz und Metall, denen er neue Klänge entlocken will. Für den Winter plant er ein Solokonzert, in dem er damit die klangliche Bandbreite des traditionellen Schlagwerks sprengen will. Vielleicht wird er dieses Experiment ja auch irgendwann bei einem Heimspiel in Schlüchterns KulturWerk vorstellen.

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