Papst Johannes Paul
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Am 16. Oktober wird Karol Wojtyla im achten Wahlgang von knapp 100 der 111 zum Konklave versammelten Kardinäle zum Papst gewählt. (Archivbild)

100. Geburtstag

Jesus Christs Superstar - Papst Johannes Paul II war für eine ganze Generation das Gesicht der katholischen Kirche

Friedensstifter, Superstar, Visionär: Für eine ganze Generation war Johannes Paul II. das Gesicht der Kirche. Er regierte zweieinhalb Jahrzehnte und noch heute ist für viele Menschen der Region Osthessen sein Besuch in Fulda unvergessen.

Rom/Warschau - Mehr als 26 Jahre lang leitete er die katholische Kirche und führte sie ins neue Jahrtausend: Die Amtszeit Papst Johannes Paul II. (1978-2005) war die zweitlängste der 2000-jährigen Kirchengeschichte. Zudem war der Pole mit bürgerlichem Namen Karol Wojtyla der erste nichtitalienische Papst nach 455 Jahren und beeinflusste viele Priester und Bischöfe, wie Dr. Michael Gerber, in ihrem Wirken.

Wojtyla, 1920 in Wadowice bei Krakau geboren, war tief von seiner polnischen Heimat, ihrer Geschichte und Kultur geprägt. Als junger Mann erlebte er den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Besatzung, arbeitete im Steinbruch einer Chemie-Fabrik und studierte im Untergrundseminar. Danach erlebte er im Kommunismus das andere totalitäre System.

Feines Händchen mit Matchhabern

Als junger Priester, als Theologieprofessor und vor allem als Erzbischof und Kardinal in Krakau bewies Wojtyla Stehvermögen im Umgang mit totalitären Machthabern und Funktionären. Der Papst aus Polen erwies sich als begnadeter Kommunikator, der mit pastoraler Kreativität die Kirche förderte, ihr Ansehen und ihren Einfluss in Welt und Gesellschaft stärkte – und von den Medien als „Superstar“ gefeiert wurde.

Stationen seines Lebens

Am 16. Oktober wird Karol Wojtyla im achten Wahlgang von knapp 100 der 111 zum Konklave versammelten Kardinäle zum Papst gewählt. Der Pole ist damit der erste nicht aus Italien stammende Papst seit mehr als 450 Jahren. 1522 wurde der aus den heutigen Niederlanden stammende Hadrian VI. zum Oberhaupt gewählt.

Am Fatima-Gedenktag, dem 13. Mai, feuert ein türkischer Rechtsextremist in Rom zwei Schüsse auf den Papst ab. Dieser wird schwer verletzt, Ärzte retten in einer mehrstündigen Operation sein Leben. Der Papst vergibt dem Attentäter schon auf dem Krankenbett und besucht ihn später im Gefängnis.

Bei seiner ersten Deutschlandreise besucht Johannes Paul II. im November 1980 unter anderem Fulda. Sieben Jahre später ist der Pontifex in elf Städten zu Gast. 1996 besucht er neben Berlin noch die Bischofsstadt Paderborn – in dem Jahr, in dem Heinz Josef Algermissen dort zum Bischof geweiht wird.

Johannes Paul II. leidet an einer Reihe körperlicher Beschwerden, denen er zeitlebens trotzt. In seinen letzten Jahren leidet er an Parkinson. Ende März spendet er noch – bereits schwer gezeichnet – stumm den Ostersegen am Fenster, am 2. April um 21.37 Uhr verstirbt er wenige Stunden nach der Krankensalbung.

Der neue Papst pflegte einen neuen Stil, schaffte Tragsessel und majestätisches „Wir“ ab, fuhr in seiner Freizeit weiter Ski. In seiner Antrittsrede appellierte er an Kirche und Welt: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus. Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme für seine rettende Macht.“

Härtere Gangart gegenüber Kommunisten

Johannes Paul II. startete viele spektakuläre Initiativen. Er berief 15 Bischofssynoden ein, lud die Weltreligionen zum Friedensgipfel nach Assisi, empfing 890 Staats- und Regierungschefs und proklamierte 1800 Heilige und Selige. Er verfasste 14 Enzykliken, eine Fülle von Lehrschreiben und Botschaften, hielt pro Jahr 900 Ansprachen. Frieden und Gerechtigkeit, Menschenrechte, Freiheit und Solidarität wurden zu den starken Themen seines Pontifikats.

Er stoppte die bisherige, auf Kompromisse ausgerichtete „vatikanische Ostpolitik“ und schlug eine härtere Gangart gegenüber den Kommunisten an. Mit Forderungen nach einer sozialen Marktwirtschaft, nach freien Gewerkschaften sowie später nach einer solidarischen Globalisierung entwickelte er die kirchliche Soziallehre weiter.

Überlebtes Attentat im Mai 1981

Johannes Paul II. war ein „politischer“ Papst. Das zeigten besonders seine 104 Auslandsreisen in 129 Länder, bei denen er 1,2 Millionen Kilometer zurücklegte. Sie wurden zu einem Führungsinstrument seines Pontifikats. Er redete Diktatoren wie Chiles Augusto Pinochet und Kubas Fidel Castro ins Gewissen.

Dank seiner robusten Konstitution überlebte er das noch immer nicht aufgeklärte Attentat des Türken Ali Agca vom 13. Mai 1981. Die Drahtzieher werden hinter dem Eisernen Vorhang vermutet. Johannes Paul II. trug entscheidend zum Fall der Mauer und dem Ende von Ostblock und Sowjet-Regime bei.

Dialog mit anderen Religionen

Der früherer Kreml-Chef Michail Gorbatschow bescheinigte ihm einen maßgeblichen Beitrag zum Sturz des Kommunismus in Europa. Noch einmal vor dem Golfkrieg 2003 wurde der Papst zur gefragten Anlaufstelle für Spitzenpolitiker aller Lager – auch wenn er, bereits schwer von seiner Krankheit gezeichnet, den Krieg nicht verhindern konnte.

Brücken hat Johannes Paul II. in der Ökumene und im Dialog mit den anderen Religionen gebaut. Manche Erfolge wie Rückschläge verzeichnete er bei der Aussöhnung mit dem Judentum. Als erster Bischof von Rom besuchte er die Synagoge der Ewigen Stadt und begrüßte dort die „älteren Brüder“. Bei seiner Heilig-Land-Reise 2000 ging er an die Klagemauer und zu einer bewegenden Gedenkzeremonie in die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Verzeihung der Fehler von Katholiken

Geistlicher Höhepunkt seiner Amtszeit war das Heilige Jahr 2000. Johannes Paul II. hatte sich zum Ziel gesetzt, die Kirche ins dritte Jahrtausend zu führen. 30 Millionen Rom-Besucher durchschritten die Heilige Pforte im Petersdom. In einer Vergebungsbitte, dem „großen Mea Culpa“, bat der Papst um Verzeihung für Fehler und Versäumnisse von Katholiken in 2000 Jahren Kirchengeschichte. Auch im Rückblick scheint es unmöglich, den Wojtyla-Papst in ein Schema zu zwingen. Progressiv oder konservativ, rechts oder links – die Schablonen passen nicht.

So gefeiert er zu Pontifikatsbeginn und in seinen letzten Amtsjahren war, so revolutionär neue manche Öffnungen und Gesten schienen, so sehr wurde er ab den 90er Jahren auch für konservative Positionen kritisiert. Seine letzte Lebensphase war von Krankheit und Leiden geprägt. Schon im Mai 2011 wurde der Papst aus Polen selig- und im April 2014 heiliggesprochen.

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