Fotos: Volker Nies; Karikatur: Alfred Kafka

Jetzt ist es amtlich: Rothmund ist neuer Rathauschef

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Eichenzell - Jetzt ist es amtlich: Johannes Rothmund (CDU) ist neuer Eichenzeller Bürgermeister. Der Wahlausschuss der Gemeinde hat das Abstimmungsergebnis der Stichwahl gestern Abend offiziell bestätigt.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

SPD-Bewerber Lutz Köhler unterlag zwar, aber ihm war etwas Sensationelles gelungen: Er hatte den Rückstand aus dem ersten Wahlgang aufgeholt – auf den Punkt genau. Vor zwei Wochen stimmten 1831 Wähler für ihn – 737 weniger als für Rothmund. Diesen Rückstand holte Köhler auf: Im zweiten Wahlgang legte er um genau 737 Stimmen zu. Das reichte dennoch nicht, denn auch Rothmund gewann mit nicht nachlassendem Einsatz gegenüber der ersten Wahl noch ein wenig hinzu – exakt 90 Stimmen.

Machten die Friedrich-Wählter den Unterschied?

Dass Rothmund am Ende vorn lag, hing auch mit der sinkenden Wahlbereitschaft im Kernort zusammen – Köhlers Hochburg. Hier ging die Wahlbeteiligung nach dem ersten Wahlgang stärker zurück als in den Ortsteilen, in denen Rothmund vorne lag. Das könnte daran liegen, dass im Kernort in der ersten Runde das Lager von Harald Friedrich (BLE) besonders stark war und dass mancher Harald-Friedrich-Fan jetzt zuhause blieb, obwohl die Bürgerliste eine Wahlempfehlung für Köhler abgegeben hatte und diese Empfehlung am Samstag vor der Wahl per Flugblatt in alle Haushalte brachte.

Bürgermeister bereits am Montag im Einsatz

Vor der Sitzung des Wahlausschusses gestern hatte Wahlleiter Marco Schlender die Meldungen der Wahllokalen auf Plausibilität geprüft. Er fand keine Fehler. Die Kontrolle war mehr als eine Formalie: Nach dem ersten Wahlgang am 26. Januar hatte die Prüfung ein Plus von 44 Stimmen für Köhler erbracht.

Diesmal ergab sich keine Änderung. Der Wahlausschuss, der aus Vertretern der Parteien besteht, votierte einstimmig für die Gültigkeit der Wahl: Demnach hat Johannes Rothmund die Wahl mit 50,85 Prozent gewonnen.

Der neue Bürgermeister war gestern ab 8 Uhr schon wieder unterwegs. Für den CDU-Mittelstand nahm er am Deutsch-Kroatischen Wirtschaftsforum in Frankfurt teil.

Freude über glückliches Ende

Den Wahlabend hatte er im Bürgerhaus Welkers abgeschlossen – mit einer Party für Helfer und Wegbegleiter. Als er mit Frau und Kindern aus dem Schlösschen kommend in Welkers eintraf, wurde er mit langem Beifall begrüßt. Dem Wahlsieger traten Tränen der Rührung in die Augen. Von den 150 Feiernden verschwanden plötzlich 20 Feuerwehrleute, weil sie zum Sturm-Einsatz mussten.

„Wenn ich verloren hätte, dann hätten wir uns trotzdem getroffen – dann zum Trösten, nicht zum Feiern. Das war ich meinem Team schuldig“, sagte Rothmund. Er freute sich noch gestern über das glückliche Ende des Wahlkrimis. „Zur Freude und Erleichterung kommt jetzt zunehmend das Gefühl der Verantwortung. Ich weiß, dass viel Arbeit auf mich zukommt – und ich denke an Lutz Köhler. Ich kann mich gut in ihn hineinversetzen.“

Im Juni beginnt Rothmunds Amtszeit

Köhler hatte am Montag-Vormittag frei. „Ich bin enttäuscht, aber ich versinke nicht im Elend“, sagte er. Am Wahlabend standen seine Unterstützer im Schlösschen bis halb neun zusammen, ehe sich die Gruppe auflöste. Trotz seiner Niederlage blickt Köhler zufrieden auf den Wahlkampf zurück: „Begonnen haben wir mit einem kleinen Team. Viele kamen von sich aus dazu, um zu helfen. Das tat gut.“ Platz 2 im ersten Wahlgang habe seinem Lager zusätzlichen Rückenwind gegeben. Nach den zum Sieg fehlenden Stimmen zu suchen, das sei müßig.

Rothmund blickt jetzt nach vorn. Am 28. Mai wird Bürgermeister Dieter Kolb (parteilos) verabschiedet, am 1. Juni beginnt Rothmunds Amtszeit. „Ich versuche, bis dahin in möglichst Dinge hineinzukommen, damit ein reibungsloser Übergang möglich wird“, sagt Rothmund.

Kreistagsmandat wird beibehalten

„Zu allen wichtigen Sitzungen, auch die des Gemeindevorstands, werde ich Johannes Rothmund ab sofort einladen“, erklärte Kolb. „Das hat Bürgermeister Rudolf Breithecker vor zwölf Jahren auch so gemacht, als ich neu gewählt wurde.“ Rothmund gibt sein Amt als Vorsitzender der Gemeindevertretung in Hofbieber nach der nächsten Sitzung ab, auch seine Beteiligung an der Anwaltskanzlei Dr. Leinweber & Partner gibt er bis 1. Juni ab. Sein Kreistagsmandat behält der CDU-Mann.

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