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Jörg Schuhej steigt aus dem Rallyeauto – „In 38 Jahren ein Häuschen verfahren“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Der Rallyesport in Osthessen ist ganz eng mit einem Namen verbunden: Jörg Schuhej. 38 Jahre war der 56-Jährige auf den Rennstrecken und bei Rallyes in ganz Deutschland unterwegs. Jetzt steigt er aus seinem Einsatzauto aus.

Von unserem Redaktionsmitglied Laurenz Hiob

Zwei Mitsubishi Lancer hatte Schuhej zuletzt, quasi einen für die Rallye und einen fürs Training. Den Evo 7 hat er bereits verkauft, der neuere Evo 9 steht zum Verkauf.

„Aber ich habe da keinen Druck“, sagt der Automobilverkäufer mit MTA-Ausbildung in der Radiologie. Und vielleicht wäre es gar nicht schlimm, wenn er den Evo 9 nicht verkauft. „Ich habe schon noch Lust auf Showfahrten und Legendenrallyes“, räumt Schuhej ein, der dann sein eigenes Einsatzfahrzeug mitbrächte.

Seit dem 4. Mai ist Schluss

Zeitenjagd gibt es bei Vater Schuhej allerdings nicht mehr. Seit genau 4. Mai ist damit Schluss. Er absolvierte noch einige Rallyes als Vorauswagen und um sich von den Fans zu verabschieden: Im Juli war er beispielsweise mit seiner langjährigen Beifahrerin Tanja Timmer bei der Main-Kinzig-Rallye in Wächtersbach unterwegs, im November mit Steffen Reith im Hessischen Bergland in Melsungen.

Schwerer Unfall in Thüringen

Ein schwerer Unfall seines Sohns Marcel war Auslöser für Jörgs drastischen Entschluss. Beide waren beim Rallye-Race Gollert in Eisenach am Start, Jörg im Lancer, Marcel im Honda Civic Type R. In einem verflucht schnellen Waldstück der legendären Wartburgprüfung kam Marcel nach einer Sprungkuppe zu weit nach rechts, im angrenzenden Wald gelang es ihm nicht, den hüpfenden Honda unter Kontrolle zu kriegen und prallte mit vollem Tempo frontal gegen einen Baum.

Die Verletzungen waren schwer, Amputationen drohten, zehn Tage lag er im Koma, drei Monate saß er im Rollstuhl. Noch heute, mehr als ein halbes Jahr nach dem schweren Crash, ist die Beweglichkeit seiner linken Hand eingeschränkt, weitere Operationen geplant. Vergleichsweise glimpflich kam Beifahrerin Leonie Kraft aus Dautphetal davon. Darüber sind die Schuhejs froh. „Und darüber, dass ihr damals unserer Bitte nachgekommen seid, nicht über den Unfall zu berichten. Wir hatten große Sorgen und wollten davon nicht noch in der Zeitung lesen“, sagt Vater Jörg.

Klar, dass die Jagd nach Bestzeiten unter diesen Umständen Geschichte ist. So ganz kann aber selbst Marcel, der als Volljurist am Gelnhäuser Finanzamt arbeitet, nicht von der Rennerei ablassen. „Vielleicht fahre ich irgendwann mal wieder einen Autoslalom“, sagt Marcel. „Aber mal gucken. Da ist einerseits die Vernunft. Und andererseits sind da die Kosten. Das ist ja nicht billig. Und alles, was ich bisher in den Motorsport investiert habe, ist bei dem Unfall draufgegangen.“ Die Rückkehr wäre für Marcel Schuhej aber wohl nicht allzu schwer: Seine Schwester Jeanette fährt nach wie vor auf Asphalt im Pylonenparcours.

Hohe Kosten

Über die Kosten kann Jörg Schuhej seinerseits ein Lied singen. „Ein schönes Einfamilienhäuschen habe ich bestimmt verfahren“, gibt der 56-Jährige zu. Und dabei war Schuhej immer der Privatier schlechthin. Er kaufte gebrauchte Reifen bei den Kollegen. „Das war immer Low-Budget bei mir.“ Und so zahlte er für einen Satz Reifen eben nicht mal flugs 2000 Euro, sondern nur ein Drittel davon. „Das ging auch.“ In all den Jahren hat er immer draufgelegt, selbst wenn er froh war, dass er auf Sponsoren zählen konnte. „Dafür bin ich dankbar, vor allem dass die meisten Partnerschaften viele Jahrzehnte dauerten.“

Immer vorne dabei

Trotz dieses eingeschränkten Budgets fuhr Schuhej immer vorne mit. Und wenn er ausschied oder unter ferner liefen ankam, hatte das meist technische Gründe. „Größere Reparaturen waren für uns eben nicht mal schnell über Nacht drin.“ 3000 Pokale hatte er mal in der Hochzeit; einige davon hat er gespendet, für die anderen sucht er noch Abnehmer. Seine Titel aber behält er: Diverse Gesamtsiege, Klassensiege und Meistertitel nennt er sein eigen. Und die Osthessenmeisterschaft, die er viele Male gewann, zählte immer mehr als die Hessenmeisterschaft. „Die Osthessenmeisterschaft war ein offenes Championat, bei dem wir gegen Fahrer aus Hessen, Franken und zuletzt Thüringen fuhren.“

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