Fotos: Pressestelle Erzbistum Bamberg/Hendrik Steffens

Joggen, twittern und gute Gespräche – Ludwig Schick wird 70

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Bamberg - Der ehemalige Fuldaer Weihbischof und heutige Erzbischof Ludwig Schick feiert am Sonntag seinen 70. Geburtstag. Dazu wird es ein Konzert im Bamberger Dom geben.

„Frühsport, Morgengebet, Gottesdienst, gute Begegnungen und Gespräche.“ So sieht für Ludwig Schick der perfekte Tag aus. Den 22. September, seinen 70. Geburtstag, würde der Bamberger Erzbischof am liebsten auch ohne jedes Aufheben verbringen. An Stelle eines großen Festakts gibt es ein Konzert im Bamberger Dom. Statt Geschenken wünscht der Jubilar Spenden für seine Stiftungen „Kinderreich“ und „Brot für alle Menschen“.

Seine philosophisch-theologischen Studien absolvierte Schick in Fulda und Würzburg. 1975 wurde er in Fulda zum Priester geweiht und war dann Kaplan in Neuhof (Kreis Fulda). Fünf Jahre später promovierte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Von 1981 an lehrte Schick in Fulda und in Marburg Kirchenrecht, von 1985 bis 2002 war er Lehrstuhlinhaber für Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät Fulda.

Ernennung zum Weihbischof durch den Papst

1987 wurde Schick ins Domkapitel von Fulda berufen, drei Jahre später folgte die Ernennung zum stellvertretenden Generalvikar. Bischof Johannes Dyba ernannte Schick 1995 zum Generalvikar des Bistums Fulda. Es folgte 1998 die Ernennung zum Weihbischof von Fulda durch Papst Johannes Paul II. 2002 wurde er zum Erzbischof von Bamberg ernannt.

Außerdem passt Schick in keine Schubladen, wenn es um die Fragen nach liberal oder konservativ geht. Als Theologieprofessor und Kirchenrechtler verteidigt er die katholische Lehre, auch wenn es unpopulär oder unbequem ist, und lehnt beliebige Anpassungen an den Zeitgeist ab. Zugleich schlägt er Lockerungen beim Zölibat vor, indem er anregt, mehr von der Dispens-Möglichkeit Gebrauch zu machen. Dass die Kirche sich immer reformieren muss, steht für ihn außer Frage. Und dass der Heilige Geist zu Veränderungen führen kann, die heute noch niemand für möglich hält, davon ist er auch überzeugt.

Feinde im rechten Lager

Mit seinem Einsatz gegen Extremisten, Populisten und religiöse Fanatiker hat Schick sich viele Feinde im rechten Lager gemacht. 2014 sagte er, dass Christen sich nicht an fremdenfeindlichen Pegida-Demonstrationen beteiligen sollten. 2016 sagte er beiläufig in einem Interview, dass laut Grundgesetz auch ein Moslem Bundespräsident werden könnte. Die Erwähnung dieser juristischen Selbstverständlichkeit führte zu üblen Beschimpfungen bis zu Todesdrohungen aus der rechten Szene, Polizei und Staatsschutz wurden aktiv.

„Ich bin kein ängstlicher Mensch“, sagt Schick. „Aber wenn man es mit Fundamentalisten oder Fanatikern zu tun bekommt, kann einem Angst und Bange werden.“ Das wird ihn aber nicht davon abhalten, immer wieder klar die christliche Position gegen Fremdenhass, Populismus und Extremismus zu beziehen.

Leidenschaft für soziale Medien

Im vergleichsweise „hohen Alter“ entdeckte Schick seine Leidenschaft für die sozialen Medien. Noch vor Papst Benedikt XVI. war er 2012 der erste katholische deutsche Bischof auf Twitter. Längst bedient er auch seine Facebookseite mit Tablet und Smartphone selbst und nutzt die Social-Media-Kanäle, um seine Botschaften zu verbreiten und mit Menschen in Kontakt zu sein.

Gegenüber dem Bamberger „Stadt-Echo“ verriet er, dass er vor dem Eintritt ins Priesterseminar ein leidenschaftlicher Tänzer war, dass sein miesester Auftritt seine Abirede war, er vom Kuchenbacken überhaupt nichts versteht und er seit der Entscheidung für den Zölibat nicht mehr geflirtet hat. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er vor der Entscheidung für das Priestertum eine Freundin hatte und dass er ursprünglich Arzt werden wollte.

„Aber im Nachdenken und durch Gespräche mit klugen Menschen wurde mir immer deutlicher: Du solltest etwas für das geistig-geistliche Leben der Menschen tun; ihnen für die Seele etwas geben, dass sie gut leben können“, sagte er dem „Heinrichsblatt“. Dabei sei ihm das Evangelium als die Quelle der Weisheit für ein gutes Leben immer deutlicher aufgegangen: „Irgendwann war dann der Entschluss reif: Du wirst Pfarrer und trägst dazu bei, den Menschen die Weisheit Gottes aus dem Evangelium nahezubringen. So habe ich mich entschlossen, Priester zu werden.“

Zum 24. Mal Goldenes Sportabzeichen gemacht

Sein Wunsch für die Zukunft ist es, „dass die Weltgesellschaft vom Geist des Evangeliums geleitet wird und sich die Zivilisation der Liebe überall verbreitet“. Und für sich selbst wünscht er sich, versöhnt mit allen Menschen zu sterben. Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Das hat aber noch Zeit, das Sterben.“

Dass er erst kürzlich zum 24. Mal das Goldene Sportabzeichen ablegte und jeden Morgen um 5 Uhr zum Joggen geht, zeigt, dass er sich auch mit 70 Jahren noch bester Gesundheit erfreut. Erst mit 75 Jahren müssen Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt anbieten. Laufen und Schwimmen sind heute seine bevorzugten Sportarten, während er in früheren Jahren den Ausgleich beim Fußball, Volleyball oder im Kampfsport gefunden hat. / sec

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