Johannes Dyba
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Johannes Dyba

Professor der Theologischen Fakultät

20 Jahre nach Tod des Fuldaer Bischofs: Cornelius Roth schreibt „Was Dyba heute sagen könnte“

Vor 20 Jahren ist der streitbare und umstrittene Fuldaer Bischof Johannes Dyba gestorben. Prof. Dr. Cornelius Roth konstatiert zu diesem Anlass in einem Gastbeitrag für die Fuldaer Zeitung, dass die Kirche heute in vielerlei Hinsicht verunsichert ist und zeigt auf, welche Impulse Dyba für die heutige Zeit geben würde.

Fulda - Wie die Zeit vergeht. 20 Jahre sind es schon wieder her, dass Erzbischof Dyba für alle sehr plötzlich gestorben ist. 20 Jahre, in denen man immer auch mal hören konnte, dass eine solche klare Stimme in der heutigen Kirche fehlt. 20 Jahre, in denen die Kirche weiter an Bedeutung verloren hat.

Professor an Theologischer Fakultät: Dyba würde heute deutliche Worte finden

Was würde Johannes Dyba zu den Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft heute sagen? Er würde sicher deutliche Worte finden, die gegen den Mainstream sind und wahrscheinlich auch provozieren würden. Er würde seine Mitbischöfe – etwa beim Synodalen Weg – darauf aufmerksam machen, dass wir in einer Weltkirche leben und keinen deutschen Sonderweg gehen können, wenn wir uns weiterhin „katholisch“ nennen möchten.

Cornelius Roth

Der Autor

Prof. Dr. Cornelius Roth (52) ist Professor für Liturgiewissenschaft und Spiritualität an der Theologischen Fakultät Fulda.

Er würde darauf hinweisen, dass die bloße Anpassung an die gesellschaftlichen Strömungen die Kirche um ihr Profil bringt und sie damit noch belangloser macht. Er würde aber auch sehr deutlich machen, dass sich die Kirche erneuern muss aus dem Geist Jesu Christi heraus und dies auch klare Folgen haben muss – zum Beispiel beim Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche. Denn Heuchelei und Wegducken hat er nie geschätzt.

„Er würde seine Stimme erheben für den Schutz des Lebens“

Er würde weiter seine Stimme erheben für den Schutz des Lebens und uns die Augen dafür öffnen, dass dabei das ungeborene Leben meist vergessen wird. Vielleicht würde bei ihm eine „Fridays for future“- Kundgebung ganz anders aussehen und zu einer Demonstration zum Schutz des menschlichen Lebens werden, weil die größte Zukunftsressource, die wir haben, unsere Kinder sind.

Erzbischof Dyba würde aber auch geistliche Impulse setzen, die aus seinem Glauben an Gott und seiner Überzeugung herrührten, dass wir alle seine Kinder sind. Er würde darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, den Glauben zu erneuern, wie er es bei seiner letzten großen Predigt beim Bonifatiusjubiläum 2000 auf dem Domplatz gesagt hat.

„Wir sollten ewigkeitsgemäß leben“

Es ging ihm nie um Besitzstandswahrung, um ein Horten der Vergangenheit – da würde man ihm Unrecht tun –, sondern um einen wirklichen Aufbruch, der allerdings anders aussah, als ihn sich viele Reformer(innen) heute vorstellen. Aufbruch bedeutete für ihn immer auch Umkehr, Umkehr zu Gott. Mit der Glaubenserneuerung verband er die Leidenschaft für ein missionarisches Christentum, das auch Papst Franziskus am Herzen liegt, der nicht müde wird, darauf hinzuweisen, dass Christsein ohne den Willen, den eigenen Glauben weiterzugeben, nicht geht.

Schließlich würde Dyba aber auch auf die Freude hinweisen, die uns alle erwartet, wenn wir einmal bei Gott sind. Davon war er zutiefst überzeugt und das prägte seine Glaubensüberzeugungen. Er würde öfters mal die Dinge „sub specie aeternitatis“ – unter dem Blickwinkel der Ewigkeit – betrachten, verstanden als Einladung, die Dinge dieser Welt nicht zum alleinigen Maßstab des Handelns zu machen. Wir sollten – so sagte er einmal in einer seiner unnachahmlichen Wortschöpfungen – nicht „zeitgemäß“, sondern „ewigkeitsgemäß“ leben.

„Seine Stimme kann ein Weckruf sein“

Sicher, man muss nicht mit allem einverstanden sein, was Erzbischof Dyba sagte. Mit guten Gründen kann man auch zu anderen Einschätzungen in den Problemen unserer Zeit kommen. Aber seine Stimme kann trotzdem ein Weckruf sein in der Diskussion um die Art und Weise, wie wir heute Kirche sind.

20 Jahre nach seinem Tod sind wir eingeladen, die Dinge, die uns in der Kirche und in der Gesellschaft so unsicher machen und verängstigen, einmal aus einer anderen Warte zu sehen: aus dem Blickwinkel unserer Gottesbeziehung. Nicht zuletzt dafür steht Johannes Dyba mit seinem Lebenszeugnis und seiner klaren Botschaft als Zeuge bereit.

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