Jörg Burkard (links) und Marius Ruhl tragen den kranken Biber im Schein der Abendsonne zum Auto. Jetzt ist der Tierarzt gefragt.
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Jörg Burkard (links) und Marius Ruhl tragen das kranke Tier im Schein der Abendsonne zum Auto. Jetzt ist der Tierarzt gefragt.

Verletzter Biber kommt zum Tierarzt

Naturschutz kurios in Johannesberg: Mit Besen und Hundebox auf Biberjagd

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Ungewohnter Sonntagabend-Anblick: Mit einem Besen in der Hand steht Naturschützer Jörg Burkard an der Brücke am Beginn des Eselswegs im Gieselbach. Eine verspätete Osterputz-Aktion? Nein, ein Einsatz, um einen kranken Biber zu fangen.

  • Ein Biber im Gieselbach war verletzt.
  • Naturschützer Jörg Burkard und Marius Ruhl haben versucht, das Tier mit einer Hundebox einzufangen, um es zum Tierarzt zu bringen.
  • War der Giesel-Biber zuvor als „Übeltäter“ am Sportplatz in Bronnzell zu Gange?

Johannesberg - Angefangen hatte die Geschichte am Nachmittag: Ralf Wingenfeld und dessen Freundin Julia, die auf einer Wiese am Bach Pferde halten, hatten den Biber entdeckt. Das Tier kauerte am Ufer und machte keine Anstalten, zu flüchten, als sie sich näherten.

Jörg Burkard und Marius Ruhl retten verletzten Biber aus Gieselbach

Über diverse Telefonate mit Polizei, Feuerwehr und dem Jagdpächter bekommen sie schließlich einen Kontakt zu Jörg Burkard in Neuhof. Der vielfältig engagierte ehrenamtliche Naturschützer macht sich, unterstützt von seiner Frau, auf den Weg. Burkard hat schon ein wenig Erfahrung in solchen Dingen. Deswegen gehören nicht nur ein alter Besen aus dem Familienkeller, sondern auch eine große Transportbox für Hunde zum Gepäck.

Doch als die Helfer ankommen, entschließt sich der Biber dann doch, erst einmal abzutauchen. Im Wasser des Bachs, das durch die Besen-Tastversuche rasch trübt, ist er in seinem Element. „Die Tiere können bis zu 20 Minuten unter Wasser bleiben“, erzählt Burkard, während er in dem stellenweise erstaunlich tief ausgespülten Bachbett nach dem Tier sucht.

Ein längeres Katz-und-Maus – genauer: Biber-und-Mensch-Spiel beginnt: Mal taucht das Tier auf – um sich dann geschickt kurz mit seinem breiten Schwanz, der „Kelle“, hochzustemmen, um dem vor ihm ausgelegten Netz zu entgehen. Dann taucht er wieder ab, verweilt fast unerreichbar hinter einer Wurzel.

Der Biber schwimmt durch den Gieselbach.

Retter müssen über Brennnesseln klettern

Seine wohlmeinenden „Verfolger“ müssen so manchen Meter über das mit Brennnesseln bewachsene Ufer der Giesel klettern, bis sie das Tier an einer geeigneten Stelle behutsam einkreisen können. Mit Besen „bewaffnet“ verhindern sie, dass der Biber bachauf- oder abwärts verschwindet.

Dann kommt Marius Ruhl ins Spiel, der über den zuständigen Jagdpächter hinzugerufen wurde. Der steigt kurzerhand ohne Gummistiefel in den Bach und schafft es, den Biber, der sich hinter einem Baumstamm in einer Sackgasse befindet, in die davor gehaltene Hundebox zu drängen: Klappe zu, Biber lebt. Gemeinsam tragen Ruhl und Burkard das Tier zum Auto.

Diagnose: Bisswunde und angebrochener Schneidezahn

Es folgt eine Nacht in Burkards Garage. Die Suche nach einem Tierarzt, der sich für diesen Patienten für zuständig hält, ist nicht so einfach. Schließlich erklärt sich Patrick Weber in Schlitz bereit, den Biber, den Burkard auf zwei Jahr schätzt, zu behandeln.

Marius Ruhl hat den Biber in einer Hundebox gefangen, damit er zum Tierarzt kann.

Seine Diagnose: eine nicht dramatische Bisswunde und ein angebrochener oberer Schneidezahn. Weber verabreicht ein Schmerzmittel und ein Antibiotikum. Nun geht es zur Fortsetzung der Behandlung wieder in die Burkhardsche Garage – und wenn alles gut geht, nach ein paar Tagen in die Freiheit.

Übrigens: Ob der Giesel-Biber der „Übeltäter“ ist, der durch eine gelungene Baumfäll-Aktion ein Fußballtor am Trainingsplatz der „Victoria Bronnzell“ zum Einsturz gebracht hat, ist nicht bewiesen.

Erst Anfang des Monats sorgte ein Jungfuchs für einen Einsatz der Polizei in Lauterbach.

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