Die Jugendherberge Fulda hat unter den hessischen DJH-Häusern die höchste Auslastung pro Bett.
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Die Jugendherberge Fulda hat unter den hessischen DJH-Häusern die höchste Auslastung pro Bett.

Herbergsvater hofft auf Hilfe vom Land

Jugendherberge Fulda öffnet wieder - aber „die Saison 2020 ist gelaufen“

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Nach zwei Monaten Lockdown dürfen Jugendherbergen seit Mitte Mai wieder öffnen. In Hessen macht davon eine Handvoll der dem Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) angeschlossenen Häuser Gebrauch – darunter jene in Fulda und am Hoherodskopf im Vogelsberg.

  • Die Jugendherbergen in Fulda und im Vogelsbergkreis zählen deutschlandweit zu den Ersten, die wieder Gäste emfangen.
  • Um die Hygienevorschriften in Corona-Zeiten einzuhalten, wurden einige Vorkehrungen getroffen.
  • Der Fudaer Herbergsvater, Dirk Voortmann, hofft auf Unterstützung des Land Hessen.

Fulda - Dass diese beiden Herbergen auch deutschlandweit zu den Ersten gehören, die wieder Gäste empfangen, hat seine Gründe: Fulda ist modern ausgestattet, der Hoherodskopf ein beliebtes Ausflugsziel inmitten der herrlichen Natur des Vogelsberges.

Die anderen Jugendherbergen in der Region – von Gersfeld über Oberbernhards bis Lauterbach – sind dagegen weiter geschlossen. Dirk Voortmann, Herbergsvater in Fulda, erklärt eine Herausforderung am Beispiel Gersfeld: „Gersfeld hat ein Problem mit dem Hygienekonzept. In dem alten Gebäude mit großen Räumen und Gemeinschaftsduschen ist dieses kaum umzusetzen.“

Jugendherberge Fulda: Herbergsvater freut sich, dass es wieder los geht

„Wir sind froh, dass es wieder los geht. Man merkt, die Leute wollen raus und freuen sich, mal was anderes zu sehen. Ich habe die große Hoffnung, dass wir unter den Schutzschirm kommen und durchhalten. Die Buchungen für 2021 sind nicht schlecht“, ist der 50-Jährige verhalten zuversichtlich – zumindest, was die fernere Zukunft angeht.

Die Jugendherberge in Fulda wird von Dirk Voortmann geführt.

Zunächst heißt es jedoch: die nächsten Monate überstehen. „Wir müssen an die Reserven gehen. Die reichen wohl bis in den Herbst. Dann wird es eng. Die vom Land zugesagte Million bietet uns derzeit maximal einen Monat Aufschub“, sagt er mit Blick auf die Lage des Landesverbandes Hessen, der auch die Herberge in der Fuldaer Johannisau betreibt.

Jugendherberge Fulda: Essen wird an den Tisch gebracht

Dort wurden die Zimmer bestimmten Duschen zugeordnet, in Gemeinschaftstoiletten können nur die Waschbecken genutzt werden, Desinfektionsspender stehen bereit, es liegt Seife auf den Zimmern bereit, Laufwege sind eingerichtet, die Seminarräume geringer belegt und das Essen wird dem Gast auf einem Teller gereicht statt am Buffet angerichtet.

„Der Gast soll sich sicher fühlen“, sagt Voortmann, der seit 14 Jahren Chef der 25 Mitarbeiter – die Hälfte davon fest angestellt und derzeit in Kurzarbeit – in der Fuldaer Johannisau ist.

Jugendherberge Fulda: 80 Prozent Vollzahler im Jahr 2019

Dennoch können von den 174 Betten in 45 Zimmern derzeit maximal 120 belegt werden – wenn viele Familien anreisen. Auf sie freut sich der gelernte Koch. Er weiß aber auch: „Wir brauchen die Gruppen, zumal wir mit einer Minimalbelegung klarkommen müssen. Die Kinderrabatte summieren sich. Familien alleine werden uns nicht retten. So können wir einfach nicht die Umsätze von 2019 generieren. Da hatten wir 80 Prozent Vollzahler.“

Da war die Welt für den Herbergsvater noch in Ordnung: 34 000 Übernachtungen im Schnitt der vergangenen Jahre, die höchste Auslastung aller etwa 30 hessischen Jugendherbergen mit 200 Tagen pro Bett und Jahr und Vorausbuchungsfristen für Klassenfahrten von eineinhalb bis zwei Jahren, an langen Wochenenden von etwa einem Jahr.

Jugendherberge Fulda: Für Juni liegen 500 Buchungen vor

Die Realität ist aktuell vergleichsweise trostlos. Gerade einmal 500 Buchungen liegen für Juni vor. „20 000 Übernachtungen sind weggebrochen. Ich gehe stark davon aus, dass die Saison 2020 gelaufen ist. Unser Vorteil ist, dass wir an den Radfernwegen R1, R2 und R3 liegen. Die Radfahrer machen aber nicht die große Masse aus.“ Andere – auch größere – Häuser hätten gerade einmal 100 Buchungen für Juli vorliegen, Lauterbach „steht den Sommer über leer“.

„Wenn eine Gruppe mit 100 bis 120 Leuten für fünf Tage gebucht hat, gehen jetzt mit einem Klick Hunderte Übernachtungen verloren“, rechnet Voortmann vor. Klassenfahrten sind gestrichen, Chöre dürfen nicht singen und verzichten daher auf Probenwochenenden, aber auch Weiterbildungen oder Freizeiten von Sportvereinen, Jugendverbänden und Hilfsorganisationen und größere Familientreffen sind abgesagt oder zumindest verschoben – oft ins Jahr 2021. Ähnliche Probleme hat auch das djo-Landesheim in der Rhön.

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