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Julia Spätling: Tage in Corona-Zeit entspannt, aber mit Struktur angehen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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FULDA - Schulen und Kindertagesstätten sind wegen der Corona-Krise geschlossen. Ob und wie sie nach den Ferien wieder öffnen, ist noch unklar. Auch die Hobbys finden nicht mehr statt. Einfach in den Tag hineinleben sollten Familien deshalb aber noch lange nicht. Denn: Kinder brauchen, auch und gerade jetzt, Struktur in ihrem Alltag.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Kohl

„Kinder, vor allem kleine, brauchen Rituale und feste Abläufe, um sich sicher zu fühlen“, weiß Julia Spätling, Leiterin der Familienschule in Fulda. Deswegen sei auch in der aktuellen Situation eine geregelte Tagesstruktur sehr wichtig. So sind zum Beispiel relativ feste Zeiten für die Mahlzeiten wichtig. „Mindestens einmal am Tag sollte die Familie sich gemeinsam am Tisch versammeln, damit man sich über den Tag austauschen kann“, so Spätling. Das gelte in Corona-Zeiten genauso wie immer.

Gute Erklärvideos

Bei diesen Tischgesprächen lässt es sich den Kindern auch gut erklären, warum sie jetzt eben nicht mit den Freunden spielen oder die Großeltern besuchen dürfen. „Es gibt da zum Beispiel gute Erklärvideos, die schon ganz kleinen Kindern gut verständlich machen, was so ein Virus eigentlich ist und warum man da vorsichtig sein muss“, berichtet Julia Spätling. Wichtig sei dabei aber immer, den Kindern keine Angst zu machen und selbst möglichst entspannt zu sein. Denn seien die Eltern nervös und ängstlich, übertrage sich das auf den Nachwuchs – und könne vor allem bei kleinen Kindern möglicherweise langfristige Folgen wie Angstzustände oder sogar Depressionen haben.

Länger schlafen ist in Ordnung

Eine entspannte Grundstimmung lässt sich vielleicht auch dadurch schaffen, dass der Nachwuchs am Morgen ein bisschen länger schlafen darf als im Schulalltag. „Das ist auch völlig in Ordnung“, sagt Julia Spätling, die außerdem empfiehlt, dass man nach dem Frühstück erst mal ein bisschen rausgeht, um in Schwung zu kommen. Erst dann sollte es für die Schulkinder – außerhalb der Ferienzeiten –am Vormittag an den Schreibtisch gehen, um die Tagesaufgaben zu erledigen. Pausen nicht vergessen selbstverständlich.

„Nicht ständig neben Kindern sitzen und sie beschäftigen“

Von der Situation gestresste – und vielleicht genervte – Eltern kann Spätling beruhigen: „Sie müssen nicht ständig neben ihren Kindern sitzen und sie mit irgendetwas beschäftigen.“ Selbst Drei- oder Vierjährige seien in der Lage, sich mal eine halbe Stunde allein zu beschäftigen, sagt die Leiterin der Familienschule, die selbst Mutter von vier Kindern ist, darunter dreijährige Zwillinge. Bei kleinen Kindern könne auch der Mittagsschlaf genutzt werden, um selbst zur Ruhe zu kommen oder anstehende Aufgaben zu erledigen. Sind ältere Geschwister da, können auch die mal aufpassen.

Herausforderung und Chance

Die intensive Familienzeit, die viele jetzt erleben, empfindet Julia Spätling allerdings nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance. „Ich sehe das zum Beispiel bei meinem Mann, der jetzt zu Hause ist. Der freut sich, dass er mal Zeit hat, mit den Mädchen in Ruhe in der Legokiste zu kramen oder ihnen Geschichten vorzulesen.“ Jetzt, wo alle Unterhaltungsmöglichkeiten von außen wegfallen, biete sich die Möglichkeit, selbst kreativ zu werden, so Spätling. „Kinderschminken lässt sich mit dem Fastnachts-Schminkset etwa super selbst umsetzen. Oder sie halten sich gemeinsam mit einem Fitness-Video auf YouTube fit. Mindestens die kleinen Kinder werden dabei einen Riesenspaß haben, wenn alle gemeinsam vor dem Bildschirm rumhopsen.“

Runterfahren und zur Ruhe kommen

Von allzu viel Fernseh-, Konsolen- und Tabletzeit hält Julia Spätling aber auch in der Ausnahmesituation nicht viel. „Mal eine altersgerechte Sendung am Tag zu schauen ist natürlich in Ordnung, aber es sollte nicht Überhand nehmen.“ Und, wie die Heilpädagogin und Kinderkrankenschwester findet, möglichst nicht mehr am Abend. Nach fünf Uhr sollten Kinder zur Ruhe kommen, Fernsehen oder Computer putschten dagegen nur auf. Der Nachwuchs solle aber abends runterfahren und zur Ruhe kommen, damit das Einschlafen gut klappe. Denn auch für ältere Kinder sollte gelten: Wenn die Schule ausfällt, heißt das nicht, bis in die Puppen wach zu bleiben. Damit auch am nächsten Tag wieder alle ausgeschlafen sind.

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