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Jungbulle im Bahntunnel: Besitzer hat Verständnis für Abschuss – wer bezahlt den Großeinsatz?

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Flieden/Schlüchtern - Nachdem ein entlaufener Jungbulle am Freitagabend in Flieden einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst hat, stehen viele unbeantwortete Fragen im Raum. Hätte man das Tier nicht auch einfangen oder mit einem Narkosegewehr ruhig stellen können? Wie kam es dazu, dass der Bulle abhauen konnte? Und: Wer bezahlt eigentlich den Einsatz?

Das Tier war am Freitag in Flieden-Kautz aus seinem Außengatter entwischt und dann in den Schlüchterner Tunnel (Distelrasen-Tunnel) – einer der meistbefahrenen Eisenbahntunnel in Deutschland – gelaufen, wie die Polizei mitteilte. Gegen 17.50 Uhr war es in der Nähe der Bahnlinie gesichtet worden.

Das Rind lief an den Gleisen entlang und tauchte an der Autobahn A66 wieder auf. Bahnstrecke und Autobahn wurden sofort gesperrt. Als der ausgebüxte Bulle außer Sicht geriet, stieg ein Polizeihubschrauber auf und sichtete den Bullen erneut in der Nähe der Autobahn. Ein Jäger, der von der Polizei an Ort und Stelle gebracht worden war, tötete den Bullen gegen 22 Uhr.

„Es war nicht einzufangen. Wir haben alles probiert“

„Natürlich hätte man ihn auch einfangen können – aber nicht nachts in diesem gefährlichen Bereich zwischen Bahngleisen und Autobahn“, erklärte der Besitzer des Jungbullen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Da durfte man kein Risiko eingehen. Die ganze Geschichte macht mir viele Kopfschmerzen. Es wäre sehr schlimm gewesen, wenn da noch Menschen zu Schaden gekommen wären.“

Der von der Polizei informierte Bullen-Besitzer hatte den Beamten sofort signalisiert, dass man das Tier in dieser gefährlichen Situation sofort abschießen solle, wenn es gesichtet wird. Ähnlich wie der Fliedener sieht das auch die Polizei. Ein Sprecher der Autobahnpolizei, die ebenfalls im Einsatz war, sagt, dass man natürlich zunächst versucht habe, dass Tier lebend zu fangen.

Narkose bei der Gefahrenlage keine Option

„Es war aber nicht einzufangen. Wir haben alles probiert“, erklärte der Beamte. Bei dem Gefahrenpotenzial und in der Dunkelheit habe man dann nicht riskieren können, lange auf jemand zu warten, der ein Narkosegewehr zur Verfügung hat und bedienen kann. „Wir können froh sein, dass der Jagdpächter so schnell zur Verfügung stand, bevor noch Menschen zu Schaden gekommen sind“, fügte der Polizist an.

Bei dem entlaufenen Bullen – ein braunes Fleckvieh mit weißem Kopf – handelte es sich nach Angaben des Besitzers um ein etwa sechs Monate altes Tier, das erst ungefähr vier Wochen auf dem Hof des Fliedener Landwirts gelebt hat. Hörner hatte das Rind, das wohl etwas weniger als die zunächst übermittelten 400 Kilogramm auf die Waage brachte, keine. Beim Füttern war es einem Mitarbeiter durch das Tor entwischt.

„Bei so vielen Menschen in Panik geraten“

„Das Tier hatte dann auch bei dem Einsatz von so vielen fremden Menschen Panik“, erklärt der Besitzer. Bei dem Großeinsatz wurde die Bahnstrecke gesperrt. Die A66 in Fahrtrichtung Frankfurt wurde zwischen 21.25 und 22.30 Uhr ebenfalls gesperrt. Ein Polizeihubschrauber, dessen Besatzung das Tier letztlich auch sichtete, flog den Bereich ab.

Laut Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen (von 2013) wird allein für einen Polizeihubschraubereinsatz je Viertelstunde 650 Euro berechnet. Wer wird die Kosten für den Einsatz wohl tragen (müssen)? Ein Polizeisprecher in Fulda bezeichnete diese Frage als „nicht abwegig“.

Schließlich sei ein „riesiger Apparat“ aufgefahren worden. Die Bahn könnte möglicherweise auch die Streckensperrung des Distelrasen-Tunnels in Rechnung stellen. Hat der Besitzer eine Tierhalterhaftpflicht? Greift diese? Fragen, die nun geklärt werden müssen.

Liegt Fahrlässigkeit vor?

Ein Sprecher der Bundespolizei will sich im konkreten Fall dazu noch nicht äußern, sagt aber allgemein, dass in solchen Fällen gegebenenfalls auch geprüft werden müsse, ob Fahrlässigkeit vorliegt. Eine solche Prüfung werde in der kommende Woche auch wohl auch Gegenstand der Ermittlungen sein. / sar

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