Seit zwei Monaten ist Markus Hackenberg das administrative Gesicht der Gemeinde. Nach dem Amtsende von Bürgermeister Florian Hölzer hat er als Erster Beigeordneter ehrenamtlich die Amtsgeschäfte übernommen.
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Seit zwei Monaten ist Markus Hackenberg das administrative Gesicht der Gemeinde. Nach dem Amtsende von Bürgermeister Florian Hölzer hat er als Erster Beigeordneter ehrenamtlich die Amtsgeschäfte übernommen.

Übergangszeit bis Januar

Vize-Bürgermeister Markus Hackenberg „regiert“ Kalbach - Gemeinde zwei Monate ohne Rathauschef

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Kalbachs Erster Beigeordneter und Vize-Bürgermeister Markus Hackenberg (SPD) lenkt seit November ehrenamtlich die Geschicke der Gemeinde – neben seinem Beruf. Der bisherige Bürgermeister Florian Hölzer (parteilos) war Ende Oktober aus dem Amt ausgeschieden, sein Nachfolger beginnt am 1. Januar.

Kalbach - Bis auf Unterschriftenmappe, Stift und Kaffeetasse neben PC-Bildschirm und Telefonapparat ist der Arbeitsplatz leer. Keine Aktenstapel türmen sich auf Schreibtisch oder im Regal. Tische und Wände zieren keine Familienfotos oder Bilder; Fensterbretter keine Grünpflanzen. Das karge Büro ist ein Symbol: Markus Hackenberg gestaltet lediglich die Übergangsphase im Rathaus. (Lesen sie hier: Bürgermeisterwahl in Kalbach: Mark Bagus siegt gegen Florian Kraus)

Der 54-Jährige, der als Erster Beigeordneter der Kommune schon in den Vorjahren den Rathauschef krankheits- und urlaubsbedingt wochenweise vertrat, hatte am 1. November die Amtsgeschäfte übernommen, nachdem der scheidende Bürgermeister Florian Hölzer trotz verschobener Bürgermeisterwahl in der Corona-Krise nicht länger im Amt bleiben wollte. Eigentlich führt laut Gemeindeordnung ein Bürgermeister die Geschicke bis zum Antritt eines Nachfolgers weiter. Die Kalbacher Gemeindevertretung hatte es jedoch als „unzumutbare Härte“ gesehen, dass Hölzer über seine Amtszeit hinaus die Amtsgeschäfte weiterführt, zumal dieser angegeben hatte, im November eine Arbeitsstelle außerhalb der Politik antreten zu wollen. Weil Hölzers Nachfolger Mark Bagus (parteiunabhängig) erst am 1. Januar sein Amt antritt, überbrückt Hackenberg die Vakanzzeit.

Markus Hackenberg übernimmt übergangsweise das Amt des Bürgermeisters in Kalbach

Wie ein hauptamtlicher Rathauschef begleitete er Bauprojekte – etwa die Bauarbeiten am Dorfplatz Niederkalbach –, unterschrieb Kredit- und Grundstücksverträge sowie Gratulationsschreiben an Jubilare und wurde auch bei einem Wasserschaden in der Gemeinde gerufen, den Bauhofmitarbeiter behoben. Auch an Online-Konferenzen der Bürgermeisterkreis- und -dienstversammlungen in der Corona-Krise sowie Ortsbeiratssitzungen und Gespräche zum Bahnausbau nahm er teil, bereitete Gemeindevertretersitzungen und Haushaltsberatungen vor, führte durch Gemeindevorstandssitzungen und nahm sich Personalangelegenheiten an. „Ich habe fast alle Termine wahrgenommen“, sagt Hackenberg und verweist auf teils zeitintensive abendliche Sitzungen und auch mal ein Gespräch am Wochenende. Dafür erhielt er eine Aufwandsentschädigung von 20 Euro pro Tag.

„Ich war jeden Tag hier“, resümiert der Sozialdemokrat mit Blick auf die Arbeit im Rathaus. Weil er das Bürgermeisteramt zehn Wochen lang ehrenamtlich bekleidete, sprach er sich daher täglich mit Hauptamtsleiter Harald Schmidt ab, stimmte Themen und Termine ab. „Ohne solch einen Mann im Hintergrund ist das sonst nicht zu machen“, lobt Hackenberg den erfahrenen Mitarbeiter. Dieser habe das Tagesgeschäft erledigt und stets gute Vorarbeit geleistet. Er selbst habe im Schnitt zwölf Stunden pro Woche im Rathaus und für die Gemeinde gearbeitet, überschlägt der Niederkalbacher.

Markus Hackenberg ist Übergangs-Bürgermeister in Kalbach: Ich war jeden Tag hier

Und das neben seiner eigentlichen Arbeit: Hackenberg arbeitet ganztags bei der RhönEnergie und ist dort als Außendienstmitarbeiter tätig. „Ich bin flexibel und habe mir meine Arbeit eingeteilt“, sagt der 54-Jährige, der zudem ehrenamtlicher Schöffe beim Amtsgericht ist.

Hätte die Karnevalssaison begonnen – Hackenberg ist Sitzungspräsident des Carneval Vereins Niederkalbach und ein erfahrener Büttenredner – wäre es in den vergangenen Wochen stressiger geworden, kalkuliert der Sozialdemokrat, der seit 18 Jahren Kommunalpolitik betreibt und für die Kommunalwahl im März Spitzenkandidat der Kalbacher SPD ist. Aber so habe ihn das zusätzliche Ehrenamt als Bürgermeister „nicht an die Bilanzgrenze geführt“, zumal er ohnehin wenig schläft und ein Frühaufsteher ist, wie Hackenberg selbst sagt. Insgesamt habe ihm das Amt Freude bereitet. „Es lief gut“, bilanziert er. Und: „Es hat Spaß gemacht.“

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