Fotos: privat

Wer kannte Oskar Roth? Finnin sucht verzweifelt Informationen zu ihrem Opa

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Helsinki/Fulda - Jeden Tag, wenn Tarja Hirttiö (50) aus der Nähe von Helsinki zu ihrer Arbeit in einem Restaurant, in dem Soldaten essen, geht, denkt sie an ihren Opa aus Fulda. Ihr Großvater, den sie mittlerweile seit Jahrzehnten verzweifelt sucht und von dem sie so gut wie nichts weiß, lernte ihre Oma in einem Soldatenrestaurant in Finnland kennen. Sie verlobten sich. Tarjas Oma wurde von Oskar Roth schwanger – dann nahm eine tragisch-traurige Familiengeschichte ihren Lauf.

Von unseren Redaktionsmitgliedern Selina Eckstein und Sebastian A. Reichert

Während des Krieges zwischen Finnland und Russland 1939 waren deutsche Wehrmachtssoldaten in Finnland stationiert. So auch Tarja Hirttiös Großvater Oskar Roth, der in einem Soldatenrestaurant die Großmutter Elsa kennenlernte. Elsa arbeitete als Kellnerin in diesem Restaurant, berichtet Tarja Hirttiö, die mit ihrem Mann und vier Kindern auf der Insel Santahamina vor Helsinki lebt. Ihr Mann ist selbst Soldat, und sie arbeitet – wie ihre Oma auch – in einem Restaurant, in das Soldaten zum Essen kommen.

Oskar Roth arbeitete in Rovaniemi als Sanitäts-Obergefreiter und Mediziner in einem deutschen Feldkrankenhaus, so erzählte es zumindest die Großmutter. Die beiden verlobten sich, und als der Krieg zwischen Finnland und Russland zu Ende war, bat Oskar Elsa mit nach Deutschland zu kommen. Allerdings mussten die beiden auf verschiedenen Wegen nach Deutschland reisen, denn die Wehrmacht transportierte die Frauen separat, berichtet Tarja Hirttiös.

Kein Nachweis in der Geburtsurkunde

Während der Reise erfuhr Elsa dann, dass sie schwanger war. In Deutschland angekommen, konnte sie Oskar nicht finden – die beiden sahen sich nie wieder. Am 6. Juni 1945 kam Tarja Hirttiös Mutter in Neumünster zur Welt, 1946 kehrte sie mit ihrer Mutter nach Finnland zurück. Sie hatte also nicht die Möglichkeit, ihren Vater kennenzulernen. In ihrer Geburtsurkunde wurde er ebenfalls nicht vermerkt. Dies erschwert Tarja Hirttiö die Suche nach ihrem Großvater, da den deutschen Beamten ein DNA-Testergebnis nicht ausreicht, um den Verwandtschaftsgrad nachzuweisen, erklärt Tarja Hirttiö.

Deshalb begann Tarja Hirttiö mit der Suche im finnischen Nationalarchiv. Denn Frauen, die aus Deutschland nach Finnland zurückkehrten, wurden in ein Lager gebracht und verhört. So auch ihre Oma, deren Verhör schriftlich festgehalten und in das Tarja Hirttiö einsehen konnte.

DNA-Tests konnten weiterhelfen

Dadurch erfuhr sie den Namen ihres Opas, seinen Rang, die Position im Krieg und seine Feldpostleitzahl zu dieser Position. „Aufgrund der sehr strengen Datenschutzgesetze in Deutschland habe ich aber nicht das Geburtsdatum erfahren“, erzählt Tarja Hirttiö.

Aus diesem Grund entschied sie sich, DNA-Tests von sich, ihrer Schwester, ihrem Halbbruder und der Mutter zu machen, um mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Bei den Testergebnissen ihrer Schwester, die mittlerweile in Amerika lebt, wurde sie fündig und konnte über Facebook Kontakt zur Cousine ihrer Mutter aufnehmen. Tarja Hirttiö erhielt dadurch weitere Informationen und Fotos. Allerdings konnte auch die Cousine nicht viel über Oskar Roth berichten.

Lücke in Lebensgeschichte soll geschlossen werden

Tarja Hirttiö weiß lediglich, dass ihr Opa ungefähr bis 1966 lebte und wahrscheinlich eine italienische Frau geheiratet hatte. Er kam vermutlich zwischen 1920 und 1924 zur Welt und hatte vier Geschwister (Helmut, Katie, Hedwig und Waltraud). Seine Eltern waren Hermann Roth und Anna Maria Roth. Durch diese Informationen konnte Tarja Hirttiö auch den Stammbaum erstellen.

Dass ihr Großvater nicht mehr am Leben sein kann, ist Tarja Hirttiö bewusst. Deshalb sucht sie nach weiteren Verwandten, nach ihren Wurzeln. Außerdem möchte sie gerne mehr über ihren Großvater erfahren, um auch ihrer Mutter davon berichten zu können. „Ich möchte gerne die Lücke in unserer Lebensgeschichte füllen“, hofft Tarja Hirttiö.

Sollten Sie Informationen über Oskar Roth oder seinen Nachkommen haben oder jemanden kennen, der weiterhelfen könnte, schreiben Sie uns bitte eine E-Mail an internet@fuldaerzeitung.de. Wir werden die Informationen dann an Tarja Hirttiö weiterleiten.

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