Mittwochs und freitags bietet der Ärztliche Bereitschaftsdienst Video-Sprechstunden an. Ein Arzt sitzt am Laptop.
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Mittwochs und freitags bietet der Ärztliche Bereitschaftsdienst Video-Sprechstunden an.

Modellprojekt in Hessen

Digitaler Arztbesuch in Coronavirus-Zeiten: Bereitschaftsdienst hilft per Video-Schalte

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Wer abends nach Schließung der Arztpraxen medizinischen Rat braucht, der muss jetzt nicht mehr zwingend in die Bereitschaftsdienstzentrale kommen – zumindest mittwochs und freitags nicht. Die Ärzte bieten jetzt Video-Sprechstunden an. In Coronavirus-Zeiten soll das einen Mehrwert bieten.

  • Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen bietet mittwochs und freitags von 14 bis 22 Uhr Video-Sprechstunden an.
  • Der digitale Arztbesuch steht Patienten aller gesetzlichen Krankenkassen offen. Gerade in Coronavirus-Zeiten soll das einen Mehrwert darstellen.
  • Die Patienten werden bei der digitalen Sprechstunde durch speziell geschulte Hausärzte behandelt.

Kreis Fulda - Der digitale Arztbesuch ist noch ein Modellprojekt. Er steht Patienten aller gesetzlichen Krankenkassen offen. „Für Patienten bedeutet die digitale Sprechstunde mehr Komfort. Sie sparen sich den Weg in die Bereitschaftsdienstzentrale und mögliche Wartezeiten“, sagt Karl Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), unserer Zeitung.

Für Video-Sprechstunden müssen sich Patienten beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst telefonisch anmelden

„Der Wegfall von Kontakten im Wartebereich sowie die Verringerung von persönlichen Patienten-Arzt-Kontakten bedeuten - gerade in Zeiten von Corona - einen weiteren echten Mehrwert.“

Video-Sprechstunden werden mittwochs und freitags von 14 bis 22 Uhr angeboten. Patienten müssen sich dafür zunächst telefonisch beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst anmelden – unter der Nummer 116 117, der bundesweit einheitlichen Rufnummer des Bereitschaftsdienstes.

Im ersten Gespräch zur medizinischen Ersteinschätzung entscheiden Fachangestellte, ob der Patient durch die Video-Sprechstunde behandelt werden kann. Bei der digitalen Sprechstunde werden die Patienten durch speziell geschulte Hausärztinnen und Hausärzte behandelt. Diese sitzen zentral in Kassel. Nach dem Telefonat und vor der Sprechstunde müssen sich die Patienten auf einer Internetseite eintragen.

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Voraussetzungen

Voraussetzung für die Nutzung der Video-Sprechstunden am Mittwoch und Freitag von 14 bis 22 Uhr ist, dass die Krankheitszeichen eine Diagnose per Videotelefonie zulassen. Dazu gehören insbesondere Erkältungskrankheiten, Hautausschläge oder andere einfach per Bildschirm zu diagnostizierende Krankheiten. Patienten müssen sich zunächst telefonisch beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst anmelden – unter der Nummer 116 117.

Die Patienten brauchen einen Computer mit Webcam, ein Smartphone oder ein Tablet sowie eine ausreichend schnelle Internetverbindung.

Die Video-Sprechstunde wurde aus zwei Gründen eingeführt, erklärt Roth: „Zum einen hat die Gruppe der Bereitschaftsdienstärzte nach diesem Angebot gefragt, zum anderen halten wir sie für eine sinnvolle Ergänzung in Sachen Digitalisierung im Gesundheitswesen, was sich ja gerade auch in Zeiten einer Pandemie wie jetzt zeigt.“

Patienten können bei Video-Sprechstunde elektronisches Rezept vom Arzt erhalten

Wichtig sei der Kassenärztlichen Vereinigung, dass sie damit ein zusätzliches Angebot schaffe und so die klassische Versorgung ergänze. „Unser primäres Ziel ist es, die ärztliche Versorgung in Hessen flächendeckend und langfristig zu sichern. Dies wird nur dann funktionieren, wenn wir mit dem frühzeitigen Ausbau der telemedizinischen Möglichkeiten schon heute die Weichen für die Zukunft stellen“, erklärt Frank Dastych, Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung.

Patienten, die sich für die Video-Sprechstunde entscheiden, können – falls notwendig – ein elektronisches Rezept bekommen. Das eRezept ersetzt das herkömmliche Papierrezept. Teilnehmende Patienten können ihre Rezepte online an eine nahegelegene Apotheke weiterleiten und die Arzneimittel anschließend dort abholen. Sind Arzneimittel nicht vorrätig, bekommen die Patienten eine entsprechende Information und gehen entweder erst dann in die Apotheke, wenn das Arzneimittel verfügbar ist, oder geben das Rezept an eine andere Apotheke.

Am Modellversuch der Video-Sprechstunde nehmen rund 600 Apotheken teil

Rund 600 hessische Apotheken nehmen an dem Modellversuch teil. Das eRezept startet zunächst im Rhein-Main-Gebiet und wird dann nach und nach in ganz Hessen ausgerollt.

Während die Video-Sprechstunde Mitgliedern aller Kassen offen steht, ist das elektronische Rezept zunächst auf drei große Kassen beschränkt: Für das eRezept müssen die Patienten entweder bei der AOK, der DAK oder der Techniker Krankenkasse versichert sein.

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