Keine Kunden und leere Regale im Galeria Kaufhof: Das ehemalige Kaufhaus Kerber in Fulda ist Geschichte.
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Keine Kunden und leere Regale im Galeria Kaufhof: Das ehemalige Kaufhaus Kerber in Fulda ist Geschichte.

Türen bei Kaufhof sind zu

Kaufhaus Kerber in Fulda ist endgültig Geschichte: So emotional war der letzte Tag

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Ein Stück Fuldaer Kaufhaus-Geschichte ist zu Ende. Am Donnerstag hatte Galeria Kaufhof, der frühere Kerber, seine Pforten für Kunden zum letzten Mal geöffnet. Es war ein trauriger Tag für Kunden und Beschäftigte. 

Fulda - Alles muss raus: Beine von Schaufensterpuppen gibt’s ab zehn Euro, Schuhspanner für fünf. Glückwunschkarten kosten ein paar Cent, buntes Konfetti ebenfalls. Schnäppchenjäger werden hier glücklich, aber sonst ist keinem zum Feiern zumute. Viele Verkäuferinnen streichen sich verstohlen Tränen aus den Augenwinkeln. Und auch den Kunden ist schwer ums Herz.

Ebenso Anette Klüh, die mit ihrer Mutter durch die leeren Gänge streift. Beide seien treue Kunden gewesen und kannten Kerber schon, als das Kaufhaus noch in der Marktstraße in Fulda beheimatet war. „Das war ein alteingesessenes Geschäft. Dass es jetzt schließt, ist traurig“, sagt Klüh, die noch eine weiße Weihnachtsbaumkugel ersteht. Auf der steht: „Zeit, Danke zu sagen.“

Aus für Galeria-Kaufhof in Fulda: Ehemaliger Kerber schließt endgültig

Tatsächlich nutzen viele Kunden die letzten Tage vor der Schließung am Donnerstagabend, um sich bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu bedanken. Zu letzteren gehören Karin Schmelz, seit 40 Jahren, und Andrea Bug, seit 48 Jahren dabei. Beiden geht es nahe, wie die Regale immer leerer werden. „Am schlimmsten wird es, wenn wir zum letzten Mal den Schlüssel umdrehen und wissen, dass die Türen nicht mehr aufgehen“, sagt Bug. Schmelz, die zwei Tage vor ihrem 40. Dienstjubiläum vom Kaufhof-Aus erfahren hatte, betont: „Dieses Kaufhaus wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.“

Die Regale sind komplett leer; die Rolltreppe steht nun still.

Es ist eine eigenartige Stimmung in dem Gebäude: Kunden fahren zum letzten Mal mit der Rolltreppe hoch und runter. Dabei sind die oberen Etagen längst komplett leer: Absperrband klebt auf dem Boden, Mitarbeiter einer externen Firma räumen Regale und Paletten weg. Eine Reinigungsfrau putzt den Boden. Die letzten Ladenhüter werden im Erd- und Untergeschoss mit einem 90-Prozent-Rabatt verramscht. Fan-Artikel der Nationalmannschaft will offenbar keiner haben, und quietschbunte Ostereier-Deko auch nicht. Der Renner hingegen sind nackte Schaufensterpuppen. Angela Mücke und Katrin Hartung aus Schlüchtern haben je ein Puppenbein mitsamt Netzstrumpfhose ergattert. Die hohlen Teile könnten als Blumentopf genutzt werden, finden die zwei Frauen.

Schließung von Galeria Kaufhof: Unsicherheit und gemischte Gefühle bei Mitarbeitern

Über je ein Bein einer Schaufensterpuppe freuen sich Angela Mücke (links) und Katrin Hartung.

Sie habe es noch nicht realisieren können, dass der Kaufhof wirklich schließt, erklärt derweil Irina Wilhelm. Sie war mehr als 20 Jahre hier beschäftigt, zuletzt in der Abteilung für junge Damenmode. „Es ist, als würde man ein Stück von sich selbst weggeben“, sagt sie. „Man kämpft mit den Tränen. Wir waren hier ein tolles Team. Jetzt geht jeder woanders hin.“ Sie hat noch keine neue Stelle, will aber optimistisch bleiben: „Wenn eine Tür zugeht, geht woanders eine neue auf.“

Mit gemischten Gefühlen beobachtet Nadine Grob das Treiben. Sie arbeitet bei Mister Minit im Untergeschoss: „Ich glaube, ich bin die einzige hier, die noch ihrem normalen Job nachgeht.“ Auch sie muss bald ausziehen, weiß aber, dass der Schuhreparateur und Schlüsseldienst demnächst irgendwo neu öffnen wird. „Aber ich fühle mit den Mitarbeitern von Kaufhof.“

„Eine Ära geht zu Ende“ - Kunden und Mitarbeiter verabschieden sich vom Kaufhaus

„Alles muss raus. Minus 90 Prozent“: Zig bunte Schilder baumeln von der Decke und zeugen davon, was hier passiert: Die letzten Ladenhüter im Galeria Kaufhof, dem früheren Kerber, werden verkauft. Auch Anette Klüh streift noch einmal durch die Gänge.

Seinen letzten Tag mit Kundenkontakt hat Michael Kretsch schon hinter sich. Er hat Urlaub. Der Betriebsratschef berichtet vom vergangenen Samstag, an dem so viel wie an einem Adventssamstag los war. Zusätzliches Personal sei eingestellt, mehr Kassen aufgestellt worden. Und manche Kunden seien dreist gewesen: „Die haben versucht, bei den reduzierten Artikel noch zu feilschen oder haben sich beschwert, dass Waren nicht umgetauscht werden können.“ Die echten Stammkunden hätten sich schon früher verabschiedet: „Eine Frau hat mir einen Brief geschrieben, in dem sie sich für die vergangenen Jahre bedankte“, berichtet Kretsch gerührt.

Lesen Sie hier, wie die Zukunft des Kerber-Gebäudes aussehen könnte. Außerdem: Günther Elm hat ein rührendes Gedicht zum Abschied vom Kaufhaus Kerber verfasst.

Er versteht die Entscheidung des Konzerns immer noch nicht: „Man hätte beide Häuser, Karstadt und Kaufhof, neu strukturieren können.“ Weil die Verträge der Mitarbeiter bis Ende Oktober laufen, müssen in den nächsten Tagen alle noch mal zu Aufräumarbeiten anrücken. „Aber Mitte der Woche wird es sicher nichts mehr zu tun geben“, glaubt er und fügt hinzu: „Es ist hart.“

Filialleiter Michel Meijboom schließt die Kaufhaus-Türen endgültig.

Mitarbeitern und Kunden sind die Emotionen deutlich anzumerken. Immer wieder hört man einen Satz, der deutlich macht, was hier passiert. Auch Andrea Bug und Karin Schmelz sprechen ihn aus: „Eine Ära geht zu Ende.“ Das Kaufhaus in der Rabanusstraße ist ab heute Geschichte.

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