Coronavirus - 2G-plus-Regel in Fulda
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Seit Sonntag, 2. Januar, gilt im Kreis Fulda in der Gastronomie 2G plus.

Regeln seit Sonntag verschärft

2G plus im Kreis Fulda: Ist das der „Todesstoß“ für die Gastronomie?

  • Suria Reiche
    VonSuria Reiche
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Die Corona-Fallzahlen im Landkreis Fulda sind hoch, und der Kreis gilt seit Sonntag als Hotspot-Region. Damit gehen verschärfte Maßnahmen einher, wie 2G-plus-Regel in der Gastronomie und im Freizeitbereich.

Fulda - Der Landkreis Fulda ist seit Sonntag, 2. Januar, Corona-Hotspot und die verschärften Maßnahmen treffen die Gastronomie erneut hart. Der Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbands Fulda, Steffen Ackermann, spricht von einer gravierenden Situation. Seit Sonntag brauchen Geimpfte und Genesene zusätzlich einen negativen Schnelltest. 2G plus gilt in der Gastronomie, aber auch in Sport- oder Kulturstätten. 

Benjamin Kehl, Chef des Landhauses Kehl in Tann, fragt sich, ob die seit Sonntag geltenden Maßnahmen der Schlüssel heraus aus der Corona-Pandemie sind. Bei ihm stößt es auf Unverständnis, dass die Gastronomie nun schon wieder leidtragend ist, obwohl sie kein Pandemietreiber sei und Hygienekonzepte aufgestellt und eingehalten werden.

Corona in Fulda: Ist 2G-plus-Regel der Todesstoß für die Gastronomie?

Das Familienunternehmen sei gut durch das Jahr 2021 gekommen, aber Einbußen muss auch Kehl beklagen. „Es ist alles nicht einfach, aber wir versuchen, nach vorn zu schauen.“ Dennoch komme auch er nicht über eine gewisse Müdigkeit hinweg, die all die Maßnahmen mit sich bringen.

„Aber wir tun alles, damit unsere Gäste sich wohlfühlen und wir gut durch die Zeit kommen.“ Dazu gehöre auch, dass immer einige Schnelltests bereitgehalten werden, die eingesetzt werden können, wenn ein Gast keinen aktuellen Test vorweisen kann. (Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Mit der neuen Verordnung gibt es auch Einschränkungen im Wildpark Gersfeld, es gilt 2G. Weil der Park jedoch an der frischen Luft ist, braucht es keinen zusätzlichen Test. In den vergangenen Monaten – nach dem Corona-Lockdown – galt keine Regelung.

Nun müssen Besucher am Eingang des Parks einen Nachweis vorzeigen. Parkleiter Dieter Kircher hat bei den ersten Besuchern am Montag, 3. Januar, viel Akzeptanz wahrgenommen. „Die meisten haben das ohne großes Murren hingenommen.“

Reaktion

„Die Situation ist gravierend“, sagt Steffen Ackermann, Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender. Er klingt traurig, auch bei seinen Kollegen sei die Stimmung am Boden. Seit Inkrafttreten der neuen Corona-Verordnung sei ein Rückgang der Gäste-Zahlen mehr als spürbar. „2G war schon schwierig für uns alle, aber 2G plus macht die Hürden noch größer.“ Für die Betreiber der gastronomischen Einrichtungen ist nicht nur der Rückgang der Kunden drastisch, auch die täglichen Arbeitsabläufe wie Einkauf und Mitarbeiterplanung werden immer schwieriger.

„Die Gastronomie ist beileibe kein Pandemietreiber, aber dennoch müssen wir uns seit zwei Jahren an diese Bestimmungen halten.“ Die Folge davon: „Ich habe von einigen Kollegen gehört, dass sie ihre Betriebe vermutlich erstmal schließen wollen. Bei anderen werden die finanziellen Reserven knapp, vielleicht schaffen sie es nicht. Und wieder andere fragen sich, ob die Gastronomie überhaupt ihre Zukunft ist.“

Anders als im Frühjahr, als die Besucher scharenweise wieder weggefahren seien, als sie gehört hatten, dass sie ein Testergebnis brauchten. „Mittlerweile haben die Menschen das alles hingenommen und auch wir machen, was uns vorgeschrieben wird. Andernfalls müssten wir den Park ja schließen“, sagt Kircher und fügt an, dass Kinder bis sechs Jahre nach wie vor ohne Test in den Park dürfen. „Und ab sechs Jahren reicht das Testheft aus der Schule auch in den Ferien.“

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Auch in Fitnessstudios, wie in das Fit & Fun, ist der Einlass seit Sonntag, 2. Januar, für Geimpfte und Genesene nur mit einem negativen Test möglich. „Mal abwarten, wie das in den kommenden Tagen wird“, sagt Daniel Vey, Leiter des Studios in Fulda. Am Montagvormittag waren seine Mitarbeiter damit beschäftigt, die Mitglieder ins System einzupflegen, die bereits geboostert sind, also eine dritte Impfung erhalten haben. „Morgens kommen meist ältere Mitglieder, die ja fast alle sowieso schon geboostert sind.“ Diese brauchen kein Negativ-Ergebnis.

Für alle anderen bietet die Fitness-Kette Schnelltests vor Ort an. Wie das letztendlich angenommen wird, konnte Vey am Montag aber noch nicht sagen. „Wir wollen damit aber die Sache für unsere Kunden erleichtern.“ Für die Mitarbeiter sei es jedoch ein enormer Mehraufwand. Einbußen oder weniger Gäste befürchtet Vey aber nicht. Durch die 2G-Zeit sei das Studio sehr gut gekommen. „Wir haben hier ein super Hygiene-Konzept. Die Menschen machen gut mit. Aber negative Stimmen gibt es natürlich immer.“

Kinder

Die Empfehlung der Stiko, dass auch Kinder geimpft werden können, gibt es noch nicht lange. Dementsprechend sind nur wenige Kinder geimpft. Trotzdem macht der Gesetzgeber bei der 2G-plus- und der 2G-Regel für sie eine Ausnahme: Bei ihnen reicht das Test-heft aus der Schule aus, heißt es aus der Pressestelle des Landkreises. Und zwar auch aktuell während der Ferien.

Andreas Muhl, Inhaber des Schöppchens im Fuldaer Bermudadreieck, findet deutliche Worte. Er sagt, dass die neue 2G-plus-Verordnung für die Kneipe so etwas wie den „gastronomischen Tod“ bedeutet. Der zusätzliche Test als Todesstoß? Muhl sagt, er habe schon oft mitbekommen, dass seine Gäste von den Maßnahmen genervt sind. Für den Besuch in ihrer Stammkneipe, die für viele von ihnen eine Art Familienersatz ist, reicht es nicht mehr, „nur“ geimpft oder genesen zu sein.

Für einen aktuellen Test hätten viele „gar keinen Elan oder keine Zeit.“ An den zu wenigen Teststationen müssten sie manchmal stundenlang anstehen. „Die Gastro findet deswegen quasi gar nicht statt.“

Das sei nicht nur für ihn und sein Team schlimm, sondern auch oder vor allem für seine Gäste, für die das abendliche Bier am Tresen so etwas wie das familiäre Abendessen war. „Aber wir müssen trotzdem positiv nach vorn schauen und lassen keine Endzeitstimmung aufkommen.“

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