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“Kein geplantes Rennen”: Mercedes-Mitfahrer erzählt, wie es zu Horror-Unfall kam

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Ein 32-Jähriger starb vergangene Woche bei einem Unfall in der Petersberger Straße. Er lieferte sich in seinem Audi R8 ein Rennen mit dem Fahrer eines Mercedes AMG. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mercedes-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung. Im Mercedes saßen noch vier andere Personen. Eine davon hat gegenüber unserer Zeitung erzählt, wie der Unfall ablief.

„Uns alle belastet der Vorfall sehr, und ich wünschte, wir hätten das Auto einfach stehen gelassen“, sagt eine Zeugin, die während des Unfalls im Mercedes saß und anonym bleiben möchte. Was am Abend des 17. Juni passiert ist, geht ihr immer noch sehr nah. Sie kannte den 32-Jährigen aus Lauterbach, der gestorben ist nur flüchtig. Seine 19-Jährige Beifahrerin wurde verletzt.

„Wir trafen ihn und seine Freundin zufällig an der rhv-Tankstelle in der Petersberger Straße und stiegen aus, um ihn zu begrüßen“, erinnert sie sich. Was gesprochen wurde, hat sie nicht alles gehört. „Aber natürlich wurde auch über die Autos geredet.“ Beide Wagen haben extrem viele PS.

Der Mercedes A45 AMG, der einem 20-Jährigen gehört, sollte am nächsten Tag verkauft werden und war für die Übergabe schon aufbereitet. „Ein 31-jähriger Bekannter wollte das Auto unbedingt noch einmal fahren“, sagt die Zeugin. Der Besitzer ließ sich überreden und setzte sich auf den Beifahrersitz.

“Ein spontanes Kräftemessen”

„So fuhren wir los, ich saß hinten in der Mitte, die anderen zwei Jungs neben mir. Es war kein geplantes Autorennen, sondern ein spontanes Kräftemessen. Danach ging alles ziemlich schnell, beide fuhren mit Vollgas los. Wir waren auf der linken Spur, der R8 auf der rechten. Er fuhr eng hinter uns. Plötzlich hörte ich einen dumpfen Schlag rechts neben mir“, erzählt die Zeugin.

Die beiden Autos haben sich touchiert. Welcher Fahrer dafür verantwortlich war und auf die andere Spur gefahren ist, muss der Staatsanwaltschaft zufolge von einem Verkehrsgutachter noch geklärt werden. Dieser muss auch feststellen, wie schnell die beiden unterwegs waren. „Da liegen uns noch keine Erkenntnisse vor. Wir ermitteln aber gegen den Mercedes-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung“, erklärt Harry Wilke, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Frau berichtet, dass der R8 mit der rechten hinteren Seite des Mercedes in Berührung kam. Danach drehte sie sich um: „Durch die Heckscheibe sah ich, wie der Audi nach rechts von der Fahrbahn abkam, über den Bordstein gegen die Haustreppe fuhr und zurück auf die Straße katapultiert wurde. Ich sah auch, wie die beiden aus dem Auto geschleudert wurden.“

Unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge?

Was danach geschah, daran kann sie sich nicht mehr genau erinnern. „Wir gerieten alle in Panik. Der Fahrer fuhr zunächst rechts um die Ecke, hielt an, wir stiegen hektisch aus und irrten geschockt umher. Mein Puls schlug wie wild.“ Danach sei sie aus Angst vor dem Anblick davongelaufen. Der Fahrer und zwei andere gingen zurück zur Unfallstelle.

„Nach einer Weile gab er sich als Mercedes-Fahrer zu erkennen“, sagt Wilke. Die Frau meldete sich am nächsten Tag bei der Polizei. „Ich weiß, dass ich nicht richtig gehandelt habe, ich konnte in dem Moment nicht mehr klar denken. Ich wusste nicht, was ich machen soll.“

Grundsätzlich könnte die Polizei ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge einleiten. Wie Polizei-Pressesprecherin Conny Jehnert erklärt, sei dies jedoch in diesem Fall nicht geplant. Lesen Sie hier mehr zum Thema:

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