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„Keine gravierenden Folgen“: Bundesligaschütze Michael Döllinger sieht neues Waffenrecht gelassen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Der Bundestag hat das Waffenrecht verschärft. Die Änderungen stoßen bei Sportschützen und Jägern auf Kritik. Aus Sicht von Michael Döllinger, Sportleiter und Aktiver in der Luftgewehr-Bundesligamannschaft des Schützenvereins Petersberg, gibt es aber auch Erleichterungen.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

In Deutschland sollen Extremisten keinen Zugang mehr zu Waffen bekommen. Das ist neben der Umsetzung einer EU-Richtlinie ein wesentliches Ziel der Änderung des Waffengesetzes. In den Monaten vor der Verabschiedung sind die Verbände von Schützen und Jäger Sturm gelaufen. Sie befürchteten ein Bürokratiemonster. Die schlimmsten Befürchtungen der Verbände haben sich jedoch offenbar nicht erfüllt.

Zumindest in der Praxis werden die neuen Vorschriften für viele Sportschützen keine gravierenden Änderungen zur Folge haben. So sieht es jedenfalls Michael Döllinger. Der 37-Jährige schießt seit 1994 und ist Sportleiter des Schützenvereins Petersberg. Mit dessen Luftgewehrmannschaft ist er in der Bundesliga Nord und mit dem Kleinkaliberteam in der Oberliga Ost aktiv.

„Das Schießbuch habe ich immer am Mann.“

„Neu sind die Bedürfnisprüfungen nach fünf und zehn Jahren. Bisher gab es eine nach drei Jahren, danach war Schluss“, nennt Döllinger eine Änderung und ergänzt: „Es müssen pro Zwölf-Monatszeitraum nur noch ein Schießtermin pro Quartal oder sechs Schießtermine insgesamt nachgewiesen werden. Das ist sogar eine kleine Erleichterung.“

Der Nachweis erfolgt über einen Eintrag ins Schießbuch. Dort wird jeder Trainings- und Wettkampftermin verzeichnet und von einem Schießleiter – ein Schütze, der einen entsprechenden Lehrgang absolviert hat – abgezeichnet. Döllinger: „Das Schießbuch habe ich in meiner Schießtasche und immer am Mann.“

Nicht mehr benötigte Gewehre gehen an Einsteiger

Auch die Beschränkung auf zehn Waffen auf der Waffenbesitzkarte für Einzellader-Langwaffen sei „uninteressant. Ich kenne keinen Sportschützen, der so viele Waffen hat.“ Als Gewehrschütze habe er nur eine Waffe, mancher Kollege habe zwei oder dazu noch ein Großkalibergewehr.

„Bei zwei bis drei Langwaffen ist in der Regel Schluss. Bei Pistolenschützen sind es einige mehr, da es dort mehr Disziplinen gibt“, erklärt der Sportschütze. Nicht mehr benötigte Gewehre würden in der Regel an Einsteiger weitergereicht: „Das ist ja auch Geld, das sonst nur rumliegt.“

Schwere Türen, dicke Wänden, Alarmanlage, bruchsichere Scheiben

Nicht zu verachten ist allerdings auch, dass die Waffenbehörde für die Lagerung von Pistolen oder Gewehren zu Hause strenge Auflagen macht, sobald eine bestimmte Menge überschritten wird – und deren Umsetzung kann teuer werden.

„Bei uns werden die Waffen vom Verein in einem besonders stark gesicherten Raum aufbewahrt. Dort ist jede Waffe in einem gesonderten Schrank gesichert“, erläutert Döllinger und spricht von schweren Türen, dicken Wänden, Alarmanlage, bruchsicheren Scheiben und einem Wachdienst.

Die neu eingeführte Regelabfrage beim Verfassungsschutz befürwortet der Petersberger ausdrücklich: „Bei uns hat keiner was zu verbergen. Diese Prüfung gibt dem Verein aber eine zusätzliche Sicherheit. Nach einem Jahr Mitgliedschaft kann jemand eine Waffenbesitzkarte beantragen – und ich kann nicht hinter die Leute schauen.“

Ersparnis für die Vereine?

Die Waffenbehörde beim Landkreis wiederhole die Zuverlässigkeitsprüfung etwa alle zwei Jahre: „Ich bekomme das nur dadurch mit, dass mir die Rechnung geschickt wird.“ Apropos Rechnung und Kosten: Je nach Umsetzung durch das Land sieht Döllinger eine Ersparnis auf die Vereine zukommen.

Aktuell müssen die Schießstände alle paar Jahre durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen geprüft werden. Hier sollen die Qualifikationsanforderungen für die Schießstandsachverständigen gesenkt werden. „Für die Vereine ist die Situation unbefriedigend, da es zu wenige Sachverständige gibt und deren Anfahrtswege oft lang sind, was mit entsprechenden Kosten verbunden ist.“

Zumindest für die Aktiven des Schützenvereins Petersberg spielt die künftige Beschränkung bei den Magazingrößen überhaupt keine Rolle. „Wir schießen mit Einzelladerwaffen, abgesehen vom Biathlon. Dort sind es fünf Patronen. Ich kenne keine Disziplin, auf die diese Beschränkungen zutreffen werden.

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