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17 Kilo Marihuana im Kofferraum – dreieinhalb Jahre Haft für 28-Jährigen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Einfuhr von mehr als 17 Kilogramm Marihuana aus Spanien und eine wilde Verfolgungsjagd an der deutsch-französischen Grenze: Die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Fulda hat am Montag einen 28-Jährigen zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Von unserem Redaktionsmitglied Hanna Wiehe

Der junge Mann aus Frankfurt hatte am 29. April 2019 gemeinsam mit einem gleichaltrigen Fuldaer die Drogen in Spanien besorgt und in Müllsäcken verpackt in den BMW des Fuldaers geladen. Am 30. April brachen beide wieder Richtung Heimat auf, die deutsch-französische Grenze erreichten sie gegen Mitternacht.

Was beide nicht wussten: „Die Polizei überwachte die Fahrt mittels eines GPS-Senders“, erklärte Richter Josef Richter in seiner Urteilsbegründung. Denn der Fuldaer sei als Drogendealer bekannt gewesen.

An Nagelkette endet Verfolgungsjagd

Als der Wagen bei Altenheim am Rhein kontrolliert werden sollte, ignorierte der Frankfurter, der gerade am Steuer saß, die Aufforderungen der Polizei anzuhalten. Im Gegenteil: Mit teilweise bis zu 190 Kilometern pro Stunde lieferte er sich eine Verfolgungsjagd mit den Beamten und konnte erst durch eine ausgelegte Nagelkette gestoppt werden.

Bei der Kontrolle des BMW fanden die Beamten dann die mit Rauschgift gefüllten Säcke im Kofferraum. Sie sollten wohl im Raum Fulda gewinnbringend verkauft werden.

Staatsanwalt: Unglücklicher Lebensverlauf

Der Frankfurter legte ein umfassendes Geständnis ab. Dabei wurde deutlich: Er hatte keine „klassische Drogenkarriere“ hinter sich, sondern einen unglücklichen Lebensverlauf, wie es Staatsanwalt Harry Wilke formulierte. Der Angeklagte wuchs in Frankfurt auf, machte 2013 Abitur und begann nach einem Jahrespraktikum ein Studium.

Entscheidend war ein schwerer Unfall im Juni 2017: Er war auf dem Fahrrad unterwegs und wurde von einem Lkw erfasst. „Das veränderte mein Leben komplett“, sagte der Angeklagte. Er musste sein Studium abbrechen und trug nicht nur einen bleibenden Nervenschaden im linken Arm davon, sondern auch Unruhe und Ängste – laut Gutachter Dr. Helge Laubinger eine posttraumatische Belastungsstörung. Eine verminderte Schuldfähigkeit sei jedoch nicht gegeben.

Drogen gegen die Schmerzen

„Danach schaffte ich es nicht mehr, wieder im Leben Fuß zu fassen“, sagte er. Hobbys wie Fußball habe er aufgeben müssen. Auch, um seine Schmerzen zu lindern, fing er an, Drogen zu nehmen: Er rauchte Joints, am Wochenende nahm er Speed. Seit Anfang 2018 bezog er Hartz IV.

Als der Fuldaer ihn kurz vor der Tat im April des vergangenen Jahres fragte, ob er als zweiter Fahrer mitkommen wolle nach Spanien, sagte er zu. Die beiden Männer hatten sich laut Angeklagtem im Frankfurter Partyleben angefreundet.

Eher Mitläufer als Täter

„Er wusste von den Drogen im Wagen und dass ein Verkauf geplant war – insgesamt sollten beide Fahrer für den Transport eine Entlohnung von etwa 2500 Euro enthalten“, sagte Richter Josef Richter. Dass in dem Auto außerdem ein Teleskopschlagstock und Pfefferspray lagen, wusste der Angeklagte nach eigenen Angaben nicht – widerlegen ließ sich das nicht.

Staatsanwalt Wilke hatte ein Strafmaß von drei Jahren und neun Monaten gefordert, Verteidiger Christian Celsen drei Jahre und sechs Monate. Die Kammer entschied sich dazu, am unteren Ende des Strafrahmens zu bleiben. Der junge Mann sei geständig gewesen, nicht vorbestraft und eher Mitläufer als Täter.

Zehn Monate in Untersuchungshaft

Dieser sagte am Montag, die mehr als zehn Monate in Untersuchungshaft hätten ihm die Augen geöffnet. „Ich bereue die Tat sehr und möchte mein Leben wieder in den Griff kriegen.“ Der Richter riet ihm: „Machen Sie in Ihrem Leben weiter, wie Sie es bis zu Ihrem Unfall getan haben – dann können Sie es auch wieder auf gute Füße stellen.“

Der Gleichaltrige aus Fulda war bereits im Oktober 2019 zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

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