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Kinderkliniken schlagen Alarm: Wachsender Kostendruck bereitet auch Klinikum Sorgen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Der wachsende Kostendruck auf die Krankenhäuser trifft bundesweit verstärkt die Abteilungen für Kinder. In Fulda meistert die Kinderklinik die Probleme, doch die immer schärferen Regeln der Politik bereiten dem Klinikum Sorgen.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Kinderklinken aus allen Ecken der Republik schlagen Alarm: Ob in Essen oder Berlin, München oder Würzburg – überall klagen Chefärzte über wachsende Finanznot. In Bayern haben mehrere Kliniken ihre Kinder-Abteilungen oder Teile davon geschlossen, weil das, was die Krankenkassen für Kinder zahlen, hinten und vorne nicht reicht.

In Bayern sinkt seit Jahren die Zahl der Krankenhaus-Betten für Kinder, während die Zahl kranker Kinder steigt. Für Eltern und Kinderärzte wird es immer schwieriger, einen Platz in der Klinik zu erhalten. In Hessen fehlen Plätze in Kinderintensivstationen – gerade im Rhein-Main-Gebiet. Krankenwagen fahren oft mehr als 50 Kilometer, bis sich ein Platz auf einer Kinderintensivstation findet.

Geringe Planbarkeit ist ein Problem

„So schlimm wie in Bayern und im Rhein-Main-Gebiet ist die Lage bei uns in Fulda nicht – aber die Probleme wachsen enorm, und das nicht nur in der Kinderklinik“, sagt Klinikum-Vorstandschef Dr. Thomas Menzel (57). Die Behandlung von Kindern weise einige Besonderheiten auf: „Die Schwankungen bei der Zahl kleiner Patienten sind besonders stark, die Planbarkeit ist gering“, erklärt Kinderklinik-Chefarzt Reinald Repp (60).

Ein Beispiel: Wenn eine Drillingsgeburt bevorsteht, muss die Kinderintensivstation binnen weniger Stunden 5,5 Fachkräfte pro Baby bereitstellen – bei einem Drilling also 16,5 Mitarbeiter. Dass Fachkräfte in der Kinderklinik bereit stehen müssen, gilt bei jeder drohenden Frühgeburt – obwohl es die Fuldaer Frauenklinik schafft, fünf von sechs drohenden Frühgeburten zu verhindern. Die Zahl der stationär aufgenommenen Kinder mit Infekten schwankt stark nach der Jahreszeit.

Viele Fachkräfte, wenig Geld

„Wir müssen viele Fachkräfte bereithalten, bekommen die Kräfte aber nur bezahlt, wenn sie tatsächlich im Einsatz sind“, erklärt Menzel. „Das ist so, als würde die Feuerwehr nur dann bezahlt, wenn es brennt.“ Eine Ausnahme ist die Frühchenstation. Sie erhält 600.000 Euro im Jahr als Pauschale. „Dafür müssen wir unzählige Nachweise erbringen, die mit dem medizinisch Vernünftigen nichts mehr zu tun haben“, klagt Repp.

Menzel kritisiert, dass die Krankenkassen ihre Kontrollapparate vergrößern. „Wollen wir kein Geld verlieren, müssen wir nachrüsten. In unserem Medizincontrolling, das die Fragen der Kassen beantwortet, sind mittlerweile 25 Mitarbeiter beschäftigt.“ Bei Kassen und in Krankenhäusern würden im Jahr jeweils sechs Milliarden Euro für den Streit um die Honorare aufgewandt – Geld, das nicht mehr für die Behandlung der Patienten zur Verfügung steht.

Kindermedizin in Fulda arbeitet wirtschaftlich

Nicht planbar sind auch die kleinen Notfallpatienten. „Zehn Prozent der Fälle in der Notaufnahme sind Kinder“, erklärt Repp. Erschwert wird die Planung auch, weil der flexible Einsatz von Kräften in der Kinderklinik Grenzen hat: „Wenn wenige Jugendliche in der Station liegen, kann man die Pflegekräfte von dort nicht in der Frühchenstation versetzen. Das ist in anderen Bereichen leichter“, sagt Repp.

Anders als an vielen anderen Kliniken hat das Klinikum Fulda seine Kapazitäten in der Kinderversorgung nicht abgebaut – die Zahl der Pflegekräfte und Betten blieb stabil, in der Frühchenversorgung und bei den Ärzten gab es sogar einen Zuwachs – auch deshalb, weil die Kindermedizin in Fulda wirtschaftlicher arbeitet als anderswo. „Die Liegezeit in Fulda ist zehn Prozent niedriger als im Bundesschnitt.“ Weil die Krankenkassen das Pflegepersonal jetzt aber gesondert bezahlen und dafür die Fallpauschalen kürzen, reduziert sich dieser Vorteil.

Auch der hohe Einsatz der Mitarbeiter mache die Fuldaer Kinderklinik effizienter. „Wir nutzen jeden Rest Kapazitäten“, sagt Repp. „Aber auch wir müssen die Kinderklinik immer wieder einmal während begrenzter Zeiträume für die überregionale Aufnahme von Kinder-Intensivpatienten sperren. Nur so können wir sicherstellen, dass die intensivmedizinische Versorgung von Kindern aus der Region möglich bleibt und wir keine Schwangeren abweisen müssen, bei denen eine Frühgeburt droht.“

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