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Mehr Fälle kommen ans Licht: Kommission im Bistum Fulda beginnt mit Aufarbeitung

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Von: Daniela Petersen

Bischof
Dreieinhalb Jahre ist es her, dass die bundesweite Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche veröffentlicht wurde. Im Bistum Fulda hat eine Aufarbeitungskommission nun ihre Arbeit aufgenommen.  © Sebastian Gollnow/dpa

Dreieinhalb Jahre ist es her, dass die bundesweite Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche veröffentlicht wurde. Viele der 27 Bistümer haben inzwischen eigene Untersuchungen eingeleitet. Im Bistum Fulda hat eine Aufarbeitungskommission ihre Arbeit aufgenommen. 

Fulda - Aachen, Berlin, Erfurt oder auch Köln – all diese Bistümer und Erzbistümer haben Gutachten und Studien zu Missbrauchsfällen in ihrer Region veröffentlicht. In Fulda steht eine solche Arbeit noch aus. Es hat sich aber eine Kommission zur Aufarbeitung von sexueller Gewalt im Bistum Fulda zusammengefunden, die sich seit Herbst 2021 regelmäßig trifft.

Dabei wurden laut Pressestelle des Bistums zunächst konstitutionelle Fragen geklärt. „Es hat eine gewisse Zeit gedauert, weil wir gesagt haben, dass wir Qualität, Transparenz und Genauigkeit vor Geschwindigkeit wollen“, erklärt die Pressestelle.

Dazu gehöre beispielsweise auch ein Betroffenenbeirat, der gemeinsam mit den Bistümern Limburg und Mainz ins Leben gerufen wurde und von dem zwei Mitglieder ebenfalls der Kommission angehören. (Lesen Sie hier: Bischöfe bei Reformen „nicht in allem einer Meinung“ - Kritik an Vatikan-Botschafter Eterovic)

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Insgesamt besteht dieses Gremium aus neun Personen, neben den Betroffenen sind das Experten aus Wissenschaft, Justiz und Verwaltung. Einige kommen aus der Region: Edith Jordan, die Jugendamtsleiterin des Landkreises Fulda, der ehemalige Oberbürgermeister Gerhard Möller und Christoph Ohnesorge, Historiker und Mitarbeiter im Archiv des Bistums.

Die Kommission, deren Auftrag zunächst für drei Jahre gelte, arbeite aber unabhängig vom Bistum. Ob zum Beispiel wie bei dem Gutachten in München-Freising für eine Studie eine Anwaltskanzlei hinzu gezogen werde, entscheide die Kommission. „Im Augenblick liegt uns hier noch keine Entscheidung vor“, heißt es vonseiten der Pressestelle.

Nach der bundesweiten Studie im September 2018 haben sich in Fulda weitere Betroffene gemeldet. Bisher bekannt waren 75 Opfer, jetzt sind es 89. Auch hat sich die Zahl der Beschuldigten von 29 auf 34 erhöht. Vor 2020 hat das Bistum Fulda in Anerkennung des Leids den Opfern in 26 Fällen 88 500 Euro gezahlt.

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Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat 2019 vom Bistum Listen über die in den innerkirchlichen Untersuchungen festgestellten Fälle erhalten und geprüft, ob darunter Fälle sind, die noch nicht angezeigt wurden und auch nicht verjährt sind. Nach der Sichtung gibt es jedoch „keine neuen Erkenntnisse und auch keine eingeleiteten Schritte“, so die Pressestelle.

Bischof Dr. Michael Gerber betont, dass er regelmäßig in Kontakt mit Betroffenen sei. „Wir werden im Bistum Fulda konsequent die Wege im Bereich Intervention und Prävention auf der Basis aktueller Erkenntnisse und geltender Standards weitergehen. Gleiches gilt für den Prozess der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.“

Steffen Flicker, Vorsitzender des Katholikenrats im Bistum Fulda, spricht sich für eine unabhängige Ombudsstelle aus, an die sich Betroffene wenden können.

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