Kirmes in Rommerz.
+
Die Kirmesgesellschaften müssen entscheiden, in welcher Form Kirmes dieses Jahr möglich ist. Hier: Die Kirmes in Rommerz.

„Kirmes so nicht vorstellbar“

Diskussion über Kirmes in der Corona-Krise: Auch Landrat Woide spricht sich gegen Durchführung aus

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
    schließen

Es ist ein bisschen wie mit der Fastnacht: Auch die Kirmes in der Region Fulda hat mit Tradition, Tanz und Geselligkeit zu tun. Doch auch diesem Fest macht Corona es extrem schwer. Veranstaltung abspecken oder ganz absagen? Die Kirmesgesellschaften stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Inzwischen sprach sich Landrat Bernd Woide gegen eine Durchführung aus.

  • Die Kirmes-Gesellschaften in der Region Fulda stehen vor schwieriger Entscheidung – Absage? Abspecken?
  • Die Bürgermeister im Landkreis Fulda raten angesichts der Corona-Krise von großem Kirmes-Fest ab. Landrat Bernd Woide hat sich dieser Einschätzung angeschlossen.
  • Hünfeld-Rückers sagt alle Kirmes-Aktivitäten ab – bis auf den traditionellen Kirmes-Gottesdienst.

Update vom 27. August, 15 Uhr: Inzwischen hat sich auch Landrat Bernd Woide zu der Thematik geäußert. In einer Pressemitteilung des Landkreises spricht sich Woide gegen die Durchführung der Kirmes aus. „Kirmes hat in unserer Region eine lange Tradition und wird als Kirchweih-Fest gefeiert. Aber das ist in der aktuellen Pandemie-Situation nicht unbeschwert möglich. Ich bin ein großer Freund der Kirmes und habe eine hohe emotionale Bindung zu diesem Fest, das schon seit vielen Jahren im Grunde eine Art Bürgersprechstunde für mich ist", wird Woide in der Mitteilung zitiert.

„Eine Kirmes, wie wir sie kennen, über viele Tage und Stunden hinweg mit vollen Zelten, Bürgerhäusern, Zusammenkünften, Tanz, Musik, ausgelassener Stimmung und auch Alkohol, ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht vorstellbar und nicht durchführbar", wendet der Landrat ein. Würde man die Corona-Kriterien erfüllen, bliebe vom Charakter der Kirmes nichts mehr übrig.

„Gerade weil ich als Landrat die Kirmes so mag und gerne dort bin, rate ich dazu, in diesem Jahr darauf zu verzichten. Es ist gewiss möglich, Kirchweih-Gottesdienst zu halten, einen Kirmesbaum aufzustellen und innerhalb der Kirmesgesellschaft unter Einhaltung der geltenden Regeln Gemeinschaft zu pflegen. Aber alles, was einen öffentlichen Charakter hat und viele Gäste anzieht, macht derzeit keinen Sinn.“

Lesen Sie hier die Erstmeldung vom 26. August:

Die Kirmes steht auf der Kippe. Wird auch 2020 wieder getanzt, wie hier 2019 in Mittelkalbach?

„Meine Empfehlung ist, es einfach zu lassen“, bringt Bürgermeister Manfred Helfrich (CDU) es auf den Punkt, und spricht sich damit für die Absage von Kirmesveranstaltungen aus. In seiner Gemeinde in Poppenhausen werden jedes Jahr im Herbst in gleich drei Ortsteilen – in Poppenhausen, Abtsroda und Steinwand – mehrtägige große Kirmesfeste gefeiert.

Nach Absage der Fastnacht: Fallen auch Kirmes-Veranstaltungen Corona zum Opfer?

Ob diese Feste auch in diesem Jahr in der Corona-Krise stattfinden können, ist fraglich: „Ich habe bereits eine Anfrage bekommen aus einem Ortsteil, ob man eine kleine Veranstaltung zusammen mit der Feuerwehr realisieren könnte. Aber ich habe davon abgeraten“, erläutert der Rathauschef. 

Die Bürgermeisterkreisversammlung hat sich bereits mit dem Thema befasst und rät grundsätzlich zur Kirmes-Absage. Das Einzige, was vorstellbar wäre, ist eine abgespeckte Form des Kirmes-Festes: Die Kirmesgruppe könnte ihre traditionellen Tänze auf einem öffentlichen Platz im Freien aufführen oder eine Kinderkirmes veranstalten – um Tradition und Brauchtum zu pflegen.

Corona-Abstandsregeln: Kirmes ohne Alkohol?

Danach müssten sich alle Beteiligten aber wieder entfernen, so Helfrich, der stellvertretender Sprecher der Kreisbürgermeister ist. Und: „Das Ganze müsste ohne den Ausschank von alkoholischen Getränken stattfinden“, betont er. „Das würde ansonsten nicht funktionieren. Nach dem dritten Bier fallen die Hemmungen.“ Dann würden Abstandsgebote und Hygieneregeln nicht mehr eingehalten, befürchtet er. 

Kirmes ohne Alkohol? „Für viele ist das nicht vorstellbar. Kirmes hat etwas mit Geselligkeit und Kameradschaft zu tun. Das geht oft mit dem gemeinsamen Trinken eines Biers oder eines Weins einher. Und letztendlich will die Kirmesgesellschaft an dem Fest auch etwas verdienen. Mit Wasser und Schorle kommt da nicht viel zusammen.“ 

Die Regelung seitens des Landes Hessen wiederum ist beim Thema Kirmes nicht ganz eindeutig. Zwar steht der Begriff „Kirmes“ in der Liste mit dem Titel „Dies ist für den Publikumsverkehr verboten“, jedoch könnte hierbei auch Kirmes in Form eines Jahrmarkts gemeint sein. 

Was generell für Veranstaltungen bis zum 31. Oktober gilt: Es gibt eine Obergrenze von 250 Menschen. Veranstaltungen mit mehr Teilnehmern müssten extra genehmigt werden. Und: Durchzuführen sind diese Zusammenkünfte nur unter strengen Auflagen und Hygieneregeln

Die Kirmes findet hauptsächlich im September, Oktober und November statt. Ob das Fest in abgespeckter Form veranstaltet werden kann, verschoben oder abgesagt werden muss – das wird letztlich jede Kirmesgesellschaft selbst entscheiden müssen. 

Hünfeld-Rückers sagt öffentliches Kirmes-Fest ab

Hünfeld-Rückers hat schon entschieden – und zwar gegen eine öffentliche Veranstaltung. Bereits am vergangenen Wochenende, vom 14. bis 17. August, hätte das Fest dort angestanden. „Mit den Planungen hatten wir im Februar begonnen. Wir nehmen immer am Rosenmontagsumzug in Rückers teil, und danach geht es an die Organisation der Kirmes“, erklärt Paul Binsack. Der 19-Jährige ist dieses Jahr der Ploatzknecht, also Chef der Kirmesgesellschaft. 

Das Bürgerhaus wurde gemietet, und es war schon einiges gebucht: Getränkewagen, Wurstbude, Musikgruppe, Security, ... dann kam Corona. „Und wir dachten damals noch, das wird in zwei Monaten wieder rum sein“, sagt Binsack. „Die Situation wurde dann immer schlimmer. Uns war irgendwann klar, dass das nichts mehr wird.“ Mitte April hat die Kirmesgesellschaft bereits bekanntgemacht, dass das Fest ausfallen wird. 

Aber: Den traditionellen Gottesdienst haben die Rückerser nicht abgesagt. „Wir haben trotzdem unsere Tracht angezogen, sind in die Kirche gegangen und haben danach als Gruppe intern zusammen gesessen.“Der 19-Jährige erklärt, dass in Rückers schon fast 30 Jahre lang Kirmes gefeiert wird. „Ich sehe es gar nicht so, dass die Kirmes dieses Jahr ausgefallen ist. Es war immerhin eine Kirmes im Mini-Format.“ 

Lesen Sie hier auch: Kein Prinz, kein Romo, kein Ball – Fastnacht in Fulda wird wohl abgesagt.

Und lesen Sie auch: Etliche Faschings- und Karnevals-Vereine im Kinzigtal sagen die kommende Kampagne wegen Corona ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema