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Klappern vom Balkon: Kinder sollen von zu Hause aus der Tradition nachgehen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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REGION - Ab heute Abend verstummen bis zur Osternacht die Kirchenglocken. Dann sind Kinder und Jugendliche gefragt, die mit Klappern durch die Straßen ziehen und zum Gebet aufrufen. Wegen Corona muss die Tradition allerdings in einer anderen Form stattfinden.

Von unserem Redaktionsmitglied Michel Ickler

Harte Holzklänge schallen durch das Dorf – kurze Pause – Gesang: „Wir rufen die Christen zum englischen Gruß.“ Der Ruf wird dreimal wiederholt, ehe die harten Holzklänge wieder ertönen. Das Klappern gehört in katholischen Kirchengemeinden seit Jahrzehnten zur Tradition. Die Töne sollen an die Nagelschläge erinnern, die Jesus bei der Kreuzigung erleiden musste.

„In diesem Jahr sieht aber alles ein bisschen anders aus. Das Klappern muss leider ausfallen, weil normalerweise in Gruppen durchs Dorf gezogen wird. Das ist wegen des Kontaktverbots nicht möglich“, bedauert Pfarrer Thomas Witzel der Pfarrgemeinde St. Nikolaus und Valentin in Petersberg-Steinhaus. „Es ist viel Wehmut dabei, aber dieses Jahr ist eben alles anders.“

„Es ist sehr schade, aber wir machen das Beste daraus“

In selbiger Kirchengemeinde ist Luke Heumüller aus Steinhaus Klapperchef. In der Zeit vor Ostern hat dieser alle potenziellen Teilnehmer angesprochen, ob sie bei der Tradition mitwirken wollen. „Für das Klappern werden eigentlich zwei Gruppen eingeteilt, die mehrmals am Tag durch das Dorf ziehen“, erklärt Heumüller. Am Ostersamstag hätte zudem ein Essen beim Klapperchef stattgefunden – auch das muss ausfallen. Es ist sehr schade, aber wir machen das Beste daraus.“

Kein kompletter Ausfall

Komplett ausfallen muss die Tradition nämlich nicht. In nahezu allen Gemeinden der Region werden dennoch, wenn auch sozusagen in abgeschwächter Form, die Klappern erklingen. Dafür gibt es nach Angaben des Bistums Fulda zwei Varianten: Zum einen ist das Klappern ohne Laufen möglich. Sprich Kinder und Jugendliche stellen sich zur verabredeten Zeit vor das Haus, in dem sie wohnen. Zum anderen kann das Klappern mit Laufen stattfinden, aber nur, wenn es sich um Geschwister oder Personen desselben Haushalts handelt.

In Steinhaus sollen sich alle Personen, die im Besitz einer Klapper sind, an Karfreitag und Karsamstag mit dem Holzinstrument vor das Haus stellen und für eine Minute klappern, erklärt Heumüller. Für den Jugendlichen wäre nach der Tätigkeit als Klapperchef eigentlich Schluss gewesen mit der Tradition. „Durch die Umstände dürfen aber Gleichaltrige und ich noch mal im nächsten Jahr mitwirken“, freut sich der 16-Jährige.

Klappern vom Balkon

Auch die Kirchengemeinde St. Georg in Poppenhausen hat zum Klappern in anderer Form aufgerufen. „Bisher haben sich 40 Messdiener angemeldet, auf dem Balkon oder vor dem Haus zu klappern“, erklärt Pfarrer Ferdinand Rauch. Im vergangenen Jahr waren es 50. „Eltern und Geschwister können uns gerne unterstützen und mitklappern.“ Rauch selbst wird am Marktplatz stehen und seine Klapper erklingen lassen.

Ausfallen muss hingegen das Sammeln des Klappergeldes, wie Rauch erklärt, da dabei der Abstand zu anderen Personen nicht eingehalten werden könne. „Das ist natürlich schade, aber wir von der Pfarrei sind gerade dabei, einen Ausgleich für die Messdiener zu finden“, erläutert der Pfarrer. Ein Vorschlag des Jugendpfarrers Alexander Best ist folgender: „Es können in den Pfarreien Oster-Grußkarten als Einwurf für Briefkästen gestaltet werden, mit denen die Kinder und Jugendlichen auch über Spendenmöglichkeiten informieren.“

„Ganzes Dorf kann teilhaben“

Da vieles in Zeiten von Corona ausfallen muss, freut es Rauch umso mehr, dass die Tradition stattfindet. „Das ganze Dorf kann am Klappern teilhaben. Auch wenn wir eine gewisse Distanz zueinander haben, weil wir daheimbleiben, vereint uns eine solche Aktion.“

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