Foto: Biosphärenreservat Rhön/Arnulf Müller

Klimawandel schadet den Mooren – Naturschutzexperte: Lage ist dramatisch

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Rhön - Der Klimawandel schadet den Mooren. Die Dürresommer 2018 und 2019 haben sowohl im Schwarzen Moor in Bayern als auch im Roten Moor in Hessen ihre Spuren hinterlassen. „Die Gebiete trocknen immer mehr aus. Das ist dramatisch für bedrohte Pflanzen und Tiere“, erklärt Naturschutzexperte Jonas Thielen.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Auf den Holzbohlenpfaden im Roten und Schwarzen Moor sind schon Tausende spazieren gegangen und haben die Natur genossen. Doch die Moore sind nicht nur beliebte Touristenorte. Sie gelten als streng geschützte Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Doch den Tieren und Pflanzen, die auf die Moore angewiesen sind, geht es nicht gut. Jonas Thielen erklärt: „Es gibt Arten, die sich in den Mooren besonders wohlfühlen.“ Der 32-Jährige ist Sachgebietsleiter Naturschutz in der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön und kennt sich im Roten Moor gut aus.

Manche Arten auf den feuchten Boden im Moor angewiesen

Bei den Pflanzen sind es Borstgrasrasen, Torfmoos, Trollblume, Teufelsabbiss und Karpatenbirke, bei den Tieren besonders der Goldene Scheckenfalter und die Vogelarten Braunkehlchen und Bekassine. „Diese Arten sind auf den feuchten Boden im Moor angewiesen. Die Bekassine zum Beispiel hat einen langen, dünnen Schnabel, mit dem sie im feuchten Boden nach Essbarem herumstochert. Wenn der Boden weiter austrocknet, findet sie keine Nahrung mehr“, erklärt Thielen.

„Die Bekassine steht kurz vor dem Aussterben“

In den 1980er Jahren gab es noch 27 Bekassine-Brutpaare im Roten Moor, jetzt, 40 Jahre später, lebt dort nur noch ein einziges Brutpaar. „Die Bekassine steht kurz vor dem Aussterben“, erläutert der Sachgebietsleiter. Auch der Teufelsabbiss war einmal in der ganzen Rhön beheimatet, jetzt gibt es ihn laut Thielen nur noch im Roten Moor. Doch auch dort geht es der Pflanze nicht gut. Dementsprechend leidet auch der Goldene Scheckenfalter, denn der braucht den Teufelsabbiss für die Eierablage.

Ausbleibende Frostperioden ebenso problematisch

Nicht nur die Trockenheit durch Dürresommer wie 2018 und 2019 sind ursächlich für das Austrocknen des Moores. Auch ausbleibende Frostperioden infolge des Klimawandels seien schuld, erklärt Thielen. „Der Winter hat sich um circa einen Monat verkürzt. Das kommt den Gebüschen – zum Bespiel den Weiden – zugute. Wenn es weniger friert, können sie gedeihen. Doch genau diese Verbuschung müssen wir eindämmen, um die Landschaft offen zu halten“, sagt der Experte und fügt hinzu: „Die Büsche und Weiden brauchen außerdem viel Wasser und entziehen dem Boden Feuchtigkeit.“

Entwässerungsgräben legen Moor trocken

Was das Moor außerdem trockenlegt, sind Entwässerungsgräben. Diese wurden für den Torfabbau angelegt. 175 Jahre lang wurde im Roten Moor von Menschenhand Torf abgebaut – unter anderem für die Orte mit Kurbädern in der Rhön. „Das hat den Moorkörper fast komplett zerstört.“ Auch wenn der Abbau in den 1980er Jahren endete: Entwässerungsgräben gibt es heute immer noch viele. „Circa einen alle zwei Meter“, beschreibt Jonas Thielen.

Schutzmaßnahmen seit zwei Jahren

Um den Lebensraum Moor zu schützen, werden seit zwei Jahren verstärkt Schutzmaßnahmen umgesetzt: Die Entwässerungsgräben werden nach und nach geschlossen und die Weiden und Gebüsche zurückgedrängt – auch mithilfe alter Haustierrassen. „Hier helfen beispielsweise die Heckrinder des verstorbenen Yak-Willy“, erklärt der 32-Jährige. Denn diese Rassen fressen Gebüsche und helfen so, die Flächen am Rande des Moors offen zu halten.

„Gleichgewicht im Moor muss dringend wiederhergestellt werden“

„Wir säen Borstgrasrasen und arbeiten zudem mit Landwirten zusammen, die den Bereich um das Moor behutsam bewirtschaften“, so Thielen. „Das Gleichgewicht im Moor muss dringend wiederhergestellt werden. Wir müssen und wollen noch ganz viel tun – sonst wird es das Rote Moor irgendwann nicht mehr geben.“

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