Trotz der Corona-Beschränkungen hat das gute Wetter die Menschen nach draußen gelockt. Einige Tische in Restaurants und Bars im Bermuda-Dreieck waren bereits gut besetzt.
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Trotz der Corona-Beschränkungen hat das gute Wetter die Menschen nach draußen gelockt. Einige Tische in Restaurants und Bars im Bermuda-Dreieck waren bereits gut besetzt.

Sonne lockt Menschen nach draußen

Die Kneipen öffnen wieder, die Sorgen bleiben – so arrangieren sich die Wirte in der Region mit der Situation

  • Bernd Loskant
    vonBernd Loskant
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  • Michel Ickler
    Michel Ickler
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In Kneipen und Bars ist es noch schwerer, die strengen Corona-Auflagen einzuhalten, als in Restaurants. Wie sollen dort, wo man zum Feiern hingeht, Abstandsregeln umgesetzt werden? Dennoch haben in der Region wieder viele Kneipen geöffnet, worüber sich die Gäste freuten.

  • Bei strahlendem Sonnenschein saßen die Menschen bereits am Freitag im Außenbereich der Kneipen.
  • Wiedereröffnung für Wirte seien „alles andere als rentabel“.
  • Name und Adresse muss angegeben werden, das Tragen eines Mundschutzes wird empfohlen.

Update (15. Mai, 17.10 Uhr): Bereits am Freitagnachmittag hat das gute Wetter die Menschen, trotz Corona-Pandemie, nach draußen gelockt. Die Tische im Außenbereich der Restaurants und Kneipen, wie im Bermudadreieck, waren bereits gut besetzt.

Mit Sicherheitsabstand zwischen den Tischen konnte die Sonne genossen und ein kühles Getränk oder Heißgetränk sowie Speisen zu sich genommen werden.

Strenge Corona-Auflagen für die Wirte

Artikel vom 15. Mai

Fulda - Eine Umfrage der Redaktion unter zwei Dutzend Betrieben in Fulda und Umgebung ergab: Die allermeisten werden öffnen – auch wenn die Lage der Branche sich zunächst nicht verbessern wird. Die strengen Vorgaben – nur ein Gast pro 5 Quadratmeter Fläche, Namen notieren – werden verhindern, dass die Wirte auf ihre Kosten kommen.

„Wirtschaftlich wird die Wiedereröffnung alles andere als rentabel sein“, betont Frank Götte, Inhaber der Windmühle im Fuldaer „Bermudadreieck“. „Rentieren wird es sich von vornherein nicht“, erklärt auch Swen Bachmann vom Doppeldecker. Und Felix Wessling, der Heimat, Löwe und Alte Schule betreibt, sagt: „Wir werden nicht wirtschaftlich arbeiten können.“

Wiedereröffnung sei „alternativlos“

Trotzdem werden die drei ihre Betriebe – Ausnahme ist die Alte Schule, wo derzeit renoviert wird – am Freitag wieder öffnen. „Wir wollen das Zeichen der Landesregierung annehmen und wieder für unsere Besucher da sein“, sagt Wessling. Ähnlich argumentieren andere Wirte von Rädchen über Bar22 und Schöppchen bis hin zu den Shisha-Bars, wo der Rauch jetzt durch „Einwegschläuche“ inhaliert werden kann.

Götte von der Windmühle hält die Wiedereröffnung am Freitag gar für „alternativlos“: „Für mich gab es nur diese eine Entscheidung. Die Leute wollen wieder raus.“ Um die Hygienevorschriften einzuhalten, hat der Wirt in den vergangenen Tagen Desinfektionsspender am Eingang aufgestellt, die Bestuhlung reduziert und eine Plexiglasscheibe an der Theke angebracht.

Tragen des Mundschutzes wird empfohlen

Stimmungsvolle Abende in einem vollen Gastraum, eng am Tresen stehende Gäste, das wird es auch in der Windmühle so schnell nicht geben. Maximal 20 Gäste dürfen gleichzeitig noch in der Fuldaer Traditionskneipe verweilen, und für diese gelten dieselben Bedingungen wie in Restaurants: Wer rein will, muss Namen und Adresse angeben, zudem wird das Tragen eines Mundschutzes empfohlen – außer beim Trinken natürlich.

Damit Corona das Ergebnis in dieser Zeit nicht völlig verhagelt, hoffen die Wirte auf den Wettergott. Draußen gelten die gleichen Bedingungen wie drin, also ein Gast pro fünf Qudratmeter. Aber jeder Zentimeter zählt: „Ohne die Außenbestuhlung fallen uns 30 potenzielle Plätze für Kunden weg“, sagt Heimat-Inhaber Wessling. Nur bei schönem Wetter zu öffnen, ist für den Gastronomen allerdings keine Option. „Unregelmäßige Öffnungszeiten sind das falsche Signal“, betont er.

Preiserhöhungen für Jochen Köhler „kein Thema“

Auch über Preiserhöhungen wird derzeit diskutiert, um die Ausfälle abzumildern. „Das ist für uns allerdings kein Thema“, sagt Jochen Köhler, Inhaber von Altstadt und Krokodil. Er zählt dabei auch auf die Solidarität der Gäste, die sich dann eben nicht „den ganzen Abend an einem Bier festhalten“ dürften.

Positive Signale habe er schon bekommen. So habe ihm eine Gesellschaft von 17 Personen – so viele dürfen jetzt noch in die Altstadt – einen Mindestverzehr angeboten. Klar sei nämlich: „Wenn ich mehr Kosten verursache als Einnahmen habe, macht die Wiederöffnung keinen Sinn.“ Von „alter Normalität“ werde man eh weit entfernt sein, wenn man nicht wie früher umherlaufen könne und nun mit „Mundschutz aufs Klo“ gehen müsse.

„Sonderpauschale“ in der Heimat und dem Löwen

Statt einer Preiserhöhung hat sich Felix Wessling entschieden, in seinen Läden eine „Sonderpauschale“ von 2,50 Euro pro Gast zu nehmen. „Wir müssen nach jedem Gast den Tisch desinfizieren, mussten Hygieneartikel wie Desinfektionsspender anschaffen und haben viel mehr Aufwand“, erklärt er.

Die Wirte plädieren mehrheitlich dafür, die Beschränkung der Gästezahl weiter zu lockern. „Ich tue mich zum Beispiel mit der Vorgabe schwer, dass pro fünf Quadratmeter nur ein Gast in die Kneipe kommen dürfen“, sagt Sonja Gawinksi, Inhaberin der Bar Markt 2. Sie wird ebenfalls am Freitag öffnen, „auch wenn wir mit Verlusten rechnen müssen“.

Fuldaer Kultkneipe öffnet nicht

Viele Wirte sind in den letzten Tagen von den strengen Auflagen überrascht worden und haben noch keine Entscheidung gefällt, wann es wieder losgeht. Der Stadtwächter beispielsweise wird kurzfristig entscheiden, ob er am Freitag öffnet.

Andere haben die Wochen der Corona-bedingten Schließung für Renovierungsarbeiten genutzt – so zum Beispiel Eck, Barock Bar und Mea Mea Lounge. Bei einigen wird es noch ein paar Tage dauern, bis es losgeht. Korab Nivokazi von der Barock Bar sagt: „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Ich hoffe, dass ich Freitag öffnen kann.“

Einer der wenigen, die nicht öffnen, ist Robert Hofmann, Inhaber der Kultkneipe Zum Spitzbub im Fässchen. „Das lohnt sich nicht, auf so kleinem Raum aufzumachen. Es wäre doch ungerecht, wenn ich dann Stammkunden abweisen muss, weil sie nicht mehr reinpassen.“ Zwei bis drei Monate könne er so noch durchhalten, sagt er.

Lesen Sie hierzu: Restaurantbetreiber in der Region freuen sich auf den Corona-Neustart am Freitag

In der Heimat am Fuldaer Buttermarkt werden derzeit Brötchen verkauft.

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