Foto: Trianel

Kohleausstieg hat Folgen für Osthessen – RhönEnergie besitzt Kraftwerk-Anteile

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Lünen - Der geplante Kohleausstieg hat konkrete Folgen für Osthessen: Der Versorger RhönEnergie Fulda besitzt Anteile am Steinkohlekraftwerk in Lünen (Westfalen). Die Betreiber von Steinkohlekraftwerken werfen dem Bund jetzt vor, er benachteilige sie gegenüber der Braunkohle.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Mit 27 anderen kommunalen Energieversorgern im Stadtwerkeverbund Trianel hat die ÜWAG – Vorgänger der RhönEnergie – das Kraftwerk in Lünen bauen lassen. Anteil der RhönEnergie an der 1,4 Milliarden Euro teuren Anlage: 8,45 Prozent.

Benachteiligung für Steinkohle?

Als Beitrag zum Klimaschutz will der Bund aus der Braun- und der Steinkohle aussteigen. Allerdings will das Bundeskabinett beide Kraftwerksarten jetzt unterschiedlich behandeln: Beim Abschalten von Braunkohle-Kraftwerken soll es eine Entschädigung geben, beim Aus für Steinkohle-Anlagen aber nicht. Zudem sollen Steinkohlekraftwerke früher vom Netz, obwohl sie deutlich jünger sind und weniger CO2 produzieren.

Nach dem Gesetzentwurf, der nächste Woche ins Bundeskabinett kommt, sollen alle Steinkohle-Kraftwerke die nach 2026 noch übrig sind, schrittweise ohne jeden Ausgleich stillgelegt werden. Den Eigentümern, meist Stadtwerken, drohen damit Kosten in Milliardenhöhe.

VKU ist empört

Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) ist empört: „Der Braunkohle-Ausstieg ist ein Deal zu Lasten der Steinkohle“, sagt Michael Wübbels, beim VKU zuständig für Energiepolitik. Spätestens 2033 gehe der letzte Block vom Netz. Die Braunkohle werde bis 2038 verbrannt – obwohl sie klimaschädlicher ist.

Besonders ärgerlich ist das für jüngere Anlagen wie in Lünen. Von 2020 bis 2026 können die Betreiber für Stilllegungsprämien bieten; den Zuschlag erhält, wer für wenig Geld viel Kraftwerksleistung abschaltet. Ab 2027 legt der Staat dann nach und nach alle Steinkohlekraftwerke still – ohne Entschädigung.

Sorgen bei der RhönEnergie

Trianel klagt, beim Steigern um Stilllegungsprämien habe ein junges Kraftwerk wie Lünen keine Chance, da es noch nicht abgeschrieben sei. Die beteiligten Stadtwerke müssten deshalb schon jetzt Abschreibungen vornehmen – was die Stadtwerke wie die RhönEnergie erheblich belaste. Die verbleibenden Braunkohlekraftwerke dagegen werden zusätzlich profitieren – durch höhere Strompreise.

RhönEnergie-Chef Martin Heun sieht das mit Sorge: „Grundsätzlich stehen wir zu den Zielen der Energiewende und des Klimaschutzes. In dem vorliegenden Gesetzentwurf zum Steinkohleausstieg werden aber wesentliche Vorgaben der Kohle-Kommission nicht berücksichtigt.“

Heun weiter: „Der aktuell vorgeschlagene Ausstiegspfad setzt ordnungs- und klimapolitisch ein falsches Signal, indem er die Steinkohlestandorte gegenüber denen der Braunkohle benachteiligt.“ Die RhönEnergie setze sich über ihre Netzwerke wie den Stadtwerkeverbund Trianel für eine Lösung ein, die Klimaschutz, Versorgungssicherheit und kommunale Daseinsversorge miteinander in Einklang bringe.

Kohlekraftwerk ist bislang Minusgeschäft

Schon bisher war das Kohlekraftwerk ein Minusgeschäft für die RhönEnergie – obwohl es als das effizienteste Kraftwerk Europas galt. Denn einerseits macht Lünen seit der Inbetriebnahme 2013 Verluste: 2016 lag er bei 23,6 Millionen, 2017 bei 52 Millionen und 2018 bei 46,2 Millionen Euro. Andererseits ist die RhönEnergie verpflichtet, 57,4 Megawatt Strom im Jahr abzunehmen – deutlich über dem Marktpreis. Das kostet sie im Jahr neun Millionen Euro. Diese Zahl nannte RhönEnergie-Chef Heun vor einigen Wochen im Haupt- und Finanzausschuss des Kreistages.

Spätestens 2033 ist Schluss

Die teuren Strombezugsverträge enden Mitte 2033. Danach könnte die RhönEnergie mit dem Kraftwerk eigentlich Geld verdienen. Aber nach dem Kohlekompromiss vom Januar 2019 sollte die Anlage spätestens 2038 abgeschaltet werden – nach nur 25 Jahren im Betrieb. Jetzt wird das Aus sogar schon spätestens 2033 kommen.

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