Fotos: dpa, André Druschel

Kommentar: Das Vertrauen schwindet

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Über die anhaltende Krise der katholischen Kirche äußert sich unser Redaktionsmitglied Lisa Krause.

Es ist jedes Mal dasselbe. Es wird geredet. Nein, es wird geschwafelt. Konkrete Forderungen wie die geschlechtergerechte Kirche, das Ende des Zölibats oder das Aufarbeiten der Missbrauchsfälle werden bejaht und bekräftigt. „Nichts wird ausgeklammert. Es gibt kein Stoppschild“, sagte Kardinal Reinhard Marx.

Und trotzdem kann die Dauerkrise der Kirche auch auf der Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz nicht abgewendet werden. Wie auch? Wenn niemand etwas unternimmt und lediglich für andere Kirchenrechte „wirbt“, bleibt es bei zwar konkreten aber letztendlich leeren Worthülsen.

Mehr und mehr werden Gläubige vergrault. Man bekommt das Gefühl, die katholische Kirche handelt nach dem Motto: „Wenn wir uns etwas nur lange genug vorsagen, wird es sicherlich bald Realität“. Doch wenn es dann um das Durchsetzen der Forderungen geht, ist es vorbei mit der Radikalität. Den Gesprächen folgen nur halbherzige Taten.

Man könne schließlich immer nur im Rahmen der Möglichkeiten handeln. Es brauche alles seine Zeit. Und die ganz heißen Eisen können eh nur in Rom angepackt werden. Doch wie sagte Papst Franziskus einmal so schön: „In Rom Reformen zu machen, ist, wie wenn man die Sphinx in Ägypten mit einer Zahnbürste reinigt.“ Na, herzlichen Glückwunsch.

Viel Zeit bleibt der katholischen Kirche nicht mehr. Das Vertrauen schwindet. Die sinkenden Mitgliederzahlen zeigen deutlich, wo die katholische Kirche heute steht. Zu Recht. Dringend hätte man nach den lauten Schreien nach Veränderung und Transparenz reagieren müssen.

Schon viel zu lange werden Gläubige mit schwammigen Aussagen vertröstet, obwohl es längst Zeit war für Antworten.

Hat Kirche noch eine Chance? Vielleicht. Wenn Fakten auf dem Tisch landen. Also: Womit wird begonnen? Können Laien tatsächlich mitreden und dann auch mitentscheiden, wenn es um die Zukunft der Kirche geht? Wird es zukünftig eine Priesterweihe für Frauen geben? Wird der Pflicht-Zölibat abgeschafft? Und wie steht es um die Akte Missbrauch? Wird mit aller Kraft versucht, die Taten aufzuarbeiten, um zu verhindern, dass sich dies wiederholt? Lange war es ruhig um dieses Thema.

Es reicht mit Gut-dass-wir-darüber-gesprochen-haben. Es braucht zählbare Ergebnisse. Lassen diese künftig wieder auf sich warten, verspielt die katholische Kirche weiter das Vertrauen ihrer Mitglieder.

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