Kommunalwahl Hessen 2021
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Viele Wählerinnen und Wähler machen Briefwahl. Die Wahlbeteiligung könnte insgesamt steigen. (Symbolfoto)

Viele Briefwähler

Kommunalwahl in Hessen: Warum die Wahlbeteiligung im Kreis Fulda trotz Corona steigen könnte

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Seit Jahrzehnten geht die Wahlbeteiligung im Trend zurück – auch bei Kommunalwahlen im Landkreis Fulda. Doch bei den vergangenen beiden Wahlen wuchs das Interesse wieder. Bei der Stimmabgabe am kommenden Sonntag könnte das Interesse sogar weiter steigen. Dafür gibt es Gründe.

Fulda - Immer weniger Menschen wählen. Bei den Bundestagswahlen 1972 und 1976 lag die Beteiligung über 90 Prozent. Bei der Oberbürgermeisterwahl in Fulda 2015 lag sie bei 33,3 Prozent. Drei Studien untersuchten Gründe für den Trend. Die Konrad-Adenauer-Stiftung (2012) nennt drei Motive: Nichtwähler wollten Parteien einen Denkzettel geben, sie fühlten sich keiner Partei verbunden oder sie glaubten, Politiker würden doch machen, was sie wollten.

Ähnlich das Ergebnis der Friedrich-Ebert-Stiftung (2013): Nichtwähler sagten, sie seien mit dem ganzen System unzufrieden, Politiker hätten kein Ohr für die Sorgen kleiner Leute und ihnen gehe es nur die Karriere. Die Bertelsmann Stiftung (2012) stellt fest: Je prekärer die Lebensverhältnisse, desto weniger Menschen wählen. 

Kommunalwahl in Hessen: Die Wahlbeteiligung könnte steigen - trotz Corona

Auch im Landkreis Fulda geht die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen in Hessen seit 1993 deutlich zurück. Dabei war das Interesse in kleinen Gemeinden immer größer, als das in größeren Städten. Bei der Wahl 2006 – dem bisherigen Tiefpunkt – war die Beteiligung in Poppenhausen (63,1 Prozent) fast doppelt so hoch wie in Fulda (36,2 Prozent).

In überschaubaren Gemeinden gehört es dazu, dass man zur Wahl geht. Hier kennt man die Frauen und Männer, die sich zur Wahl stellen, oft persönlich. Größere Städte sind anonymer. Die Bürger kennen ihre Kandidaten nicht, und auch das Interesse an den Dingen vor Ort ist hier oft geringer. (Lesen Sie hier: Welcher Kandidat steht wofür? Startschuss für die digitale Wahlhilfe Voto in Fulda)

Gegen den allgemeinen Trend ging die Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen 2011 und 2016 in kleinen Gemeinden und großen Städten in Osthessen gleichermaßen nach oben – nicht wegen lokaler Reizthemen, sondern weil es große, überregionale Fragen gab, die die Menschen elektrisierten. 2011 war es das Atom-Unglück im japanischen Fukushima wenige Tage vor der Wahl, 2016 war es das Flüchtlingsproblem.

2011 profitierten besonders die Grünen, 2016 die AfD. Diese Themen führten dazu, dass überall das politische Interesse stieg und auch in kleinen Gemeinden mehr Bürger zur Wahl gingen, wo weder Grüne noch AfD kandidierten. (Lesen Sie hier: Kommunalwahl in Fulda: Dafür stehen die Parteien - Thema Innenstadt bestimmt den Wahlkampf)

Video: Wie geht eigentlich Kommunalpolitik?


Die Corona-Pandemie hält die Osthessen nicht von der Wahlurne fern. Das zeigen die Bürgermeisterwahlen im November 2020. In Burghaun wuchs die Beteiligung im Vergleich zu vor sechs Jahren von 43,2 auf 69,3 Prozent. In Hilders stieg sie von 55,7 auf 65,6 Prozent, in Großenlüder blieb sie mit einem Zuwachs von 62,2 auf 63,1 Prozent fast konstant, auch in Haunetal war das Interesse bei einem Rückgang von 76,2 auf 75,6 Prozent ähnlich. Auch in Wartenberg sank das Interesse, und zwar von 72,8 auf 67,3 Prozent. Einen Rückgang – von 70,9 auf jetzt 63,8 Prozent – gab es auch in Kalbach. Überall stieg der Anteil der Briefwähler.

Der Trend geht auch bei der Kommunalwahl stark zur Abstimmung per Brief: Die Kommunen im Kreis Fulda verzeichnen derzeit einen nie dagewesenen Ansturm auf die Briefwahl. In der Stadt Fulda beispielswiese wurden bereits mehr als 10.000 Anträge auf Briefwahl gestellt. (Lesen Sie hier: Kommunalwahl in Hessen: Wahlschein, Antrag, Fristen - alles Wichtige zur Briefwahl)

Wahlbeteiligung in Fulda: Corona hält Osthessen nicht von der Wahlurne fern

Fazit: Die Chancen für eine relativ hohe Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl in zwei Wochen stehen gar nicht so schlecht. Die Corona-Pandemie schreckt die Wähler nicht ab – das haben die Bürgermeisterwahlen gezeigt. Bei der Kommunalwahl geht es aber nicht nur um Kandidaten vor Ort – wie bei der Bürgermeisterwahl –, und nicht nur darum, ob man mit der Arbeit etwa des Fuldaer Kreistags zufrieden ist, sondern es geht um Parteien und Interesse an der Politik allgemein.

Die Corona-Pandemie hat das politische Interesse stark erhöht. Menschen diskutieren gefühlt ununterbrochen darüber, ob Corona-Maßnahmen richtig oder falsch sind. Das ist auch eine Frage danach, wem und welcher Partei man vertraut. So wie Fukushima 2011 und die Flüchtlingsfrage 2016 die Wahlbeteiligung nach oben trieben, so könnte deshalb Corona 2021 die Beteiligung deutlich erhöhen. Welche Partei davon profitieren würde? Das wird man sehen...

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