Jonathan Wulff (SPD, links) und Heiko Wingenfeld (CDU, rechts), die Oberbürgermeisterkandidaten für Fulda, gehen in den Endspurt des Corona-Wahlkampfs.
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Jonathan Wulff (SPD, links) und Heiko Wingenfeld (CDU, rechts), die Oberbürgermeisterkandidaten für Fulda, gehen in den Endspurt des Corona-Wahlkampfs.

Kandidaten im Podcast

Oberbürgermeister-Wahl in Fulda: Jonathan Wulff und Heiko Wingenfeld gehen in Wahlkampf-Endspurt

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Die beiden Oberbürgermeister-Kandidaten für Fulda, Amtsinhaber Dr. Heiko Wingenfeld (47, CDU) und Herausforderer Jonathan Wulff (46, SPD), gehen in die Schlussoffensive ihres Wahlkampfs. In einem neuen Podcast-Format unserer Zeitung standen beide nun jeweils der Redaktion Rede und Antwort.

Fulda - Wenn am Sonntagabend die Wahllokale in Fulda schließen, wird ein denkwürdiger Oberbürgermeister-Wahlkampf zu Ende gehen: Statt an Haustüren zu klingeln oder am Marktplatz Flyer zu verteilen, haben sich die Kandidaten auf Rad- und Wandertouren begeben – und dabei weitgehend Distanz zu anderen Menschen in der Corona-Pandemie gehalten. Ganz ähnlich wie es auch alle anderen Kandidaten und Parteien im Corona-Wahlkampf zur Kommunalwahl in Hessen gemacht haben. Zudem verlagerte sich der Wahlkampf ins Internet, um die potenzielle Wählerschaft zu erreichen.

„Eine ganz neue Erfahrung“, berichtet Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld nun im Podcast unserer Zeitung. Er sei auf kommenden Sonntag und die Kommunalwahl in Hessen „wahnsinnig gespannt“. Wegen der eingeschränkten Bürgerkontakte fehle die Rückmeldung der Menschen. Außerdem sei die Pandemie das größte Thema, das die Menschen beschäftige. „Die Frage lautet daher: Schaffen wir es, mit unseren kommunalpolitischen Themen wie dem Wohnungsbau die Bürger und Bürgerinnen zu erreichen?“ Ähnlich formuliert das Jonathan Wulff in dem Audioformat: „Ich bekomme viele Rückmeldungen per Mail oder über soziale Medien. Aber das ist nur eine kleine Gruppe, die sich daran beteiligt.“

Oberbürgermeister-Wahlkampf in Corona-Zeiten: Wulff und Wingenfeld vermissen persönliche Kontakte

Einig sind sich die zwei auch bei einer anderen Angelegenheit: „Ich habe das Gefühl, dass es in Fulda eine große Zufriedenheit gibt“, erklärt Wulff. Wingenfeld sagt ebenfalls: „Ich glaube, dass die Zufriedenheit mit der Lebensqualität in Fulda sehr hoch ist.“ Nichtsdestotrotz: Anlass für Verbesserungen gebe es dennoch. Zum Beispiel bei den Themen Bildung und Digitalisierung. Die bisherigen Anstrengungen reichten noch nicht aus, betont der Oberbürgermeister. Die Stadt müsse in neue Geräte, Räumlichkeiten und Fachpersonal investieren. Wulff wünscht sich eine verbesserte Nachmittagsbetreuung: „Dafür fehlen oft die Rahmenbedingungen. Sowohl für berufstätige Eltern als auch für die Kinder ist das ein Problem.“

Beide Kandidaten, so wird in den Podcasts deutlich, sorgen sich um die Innenstadt. „Wir sind in einer Situation, in der sich vieles für die kommenden Jahre entscheidet“, sagt Wulff. Er ist der Ansicht:„So, wie wir die Innenstadt kennen, wird sie nicht zukunftsfähig sein.“ Der 46-Jährige spricht von mehr Wohnraum, mehr Ärzten, mehr Gastronomie und mehr Büroflächen. Der optimale Standort für eine neue Markthalle sei das RhönEnergie-Gebäude, findet er.

Oberbürgermeister-Wahl in Fulda: Corona-Situation von Händlern und Gastronomen ist Thema

Kurzfristig komme es darauf an, Händlern und Gastronomen bei den Mieten entgegenzukommen und dass die Hilfen von Bund und Land die Betroffenen auch erreichen, sagt Wingenfeld. Vergleichsweise sei die Situation in Fulda derzeit noch gut: „In den nächsten Monaten könnte sie aber dramatisch werden.“ Die Stadt könne mittelfristig zum Beispiel mit einem kulturellen Rahmenprogramm wie dem Musical-Sommer unterstützend wirken. Auch der weitere Ausbau Fuldas als Kongresszentrum könne eine „flankierende Maßnahme“ sein.

Und wie geht es nach dem Wahlsonntag weiter – nicht nur auf dem Chefsessel im Stadtschloss, sondern in der Stadtverordnetenversammlung? „Die Fortsetzung der Koalition aus CDU und CWE wäre eine positive Perspektive“, sagt Wingenfeld. „Aber innerhalb des demokratischen Lagers ist vieles denkbar.“ Auch mit anderen Parteien gebe es Schnittmengen. Derweil hofft Wulff, „dass es auch mal eine Mehrheit jenseits der CDU gibt“. Koalitionsgespräche mit der Union würde er selbstverständlich führen: „Aber wir hätten dann Forderungen, von denen wir nicht abrücken werden.“

Wulff und Wingenfeld: Oberbürgermeister-Kandidaten für Fulda plaudern im Podcast aus dem Nähkästchen

Auch in vielen anderen Themen geben die beiden im Podcast Einblick in ihre Ziele und werden mitunter auch persönlich. So berichtet Jonathan Wulff von seinem Vater Erich Wulff, einst ein bekannter deutscher Psychiater, und davon, dass er lieber Ratatouille als Schwartenmagen isst. Wingenfeld erzählt von seiner kleinen Hühnerzucht und den legendären Auftritten des Magistrats in der Fuldaer Fastnacht. Eine Gemeinsamkeit offenbart sich auch: Beide sind im Fußball Unterstützer von Werder Bremen.

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