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Kompletter Gemeindevorstand in Eichenzell in Quarantäne – Vorwürfe gegen Beigeordneten

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Eichenzell - Der gesamte Eichenzeller Gemeindevorstand und mehrere Mitglieder der Verwaltung sind in Quarantäne. Ein Mitglied des Gremiums hatte an der Sitzung teilgenommen, obwohl es erst kurz zuvor aus Südtirol zurückgekehrt war – und nach der Sitzung positiv getestet wurde. Die SPD ist erzürnt.

An der Sitzung nahmen auch einige Mitarbeiter der Verwaltung teil. „Am Donnerstag hörte ich, dass ein anderes Mitglied meiner Reisegruppe positiv getestet worden ist. Daraufhin habe ich mich selbst in Quarantäne begeben“, erklärt der Beigeordnete. Dann ließen er und seine Frau sich testen.

Gesundheitsamt informiert

„Am Mittwoch dieser Woche haben meine Frau und ich das Ergebnis bekommen. Wir sind beide positiv, aber uns geht es gut.“ Er hoffe sehr, dass er niemandem geschadet habe.

Der Beigeordnete informierte sofort den Bürgermeister. Kolb erklärt: „Ich habe daraufhin alle Personen informiert, die an der Sitzung teilgenommen hatten, und bat sie, sich vorsorglich in Quarantäne zu begeben. Zudem habe ich das Gesundheitsamt informiert.“

SPD-Fraktionsvorsitzender zeigt kein Verständnis

SPD-Fraktionsvorsitzender Lutz Köhler hat kein Verständnis für das Verhalten des Beigeordneten: „Durch das Teilnahme des Beigeordneten an der Sitzung sind nunmehr sämtliche Gemeindevorstandsmitglieder und die zwei Abteilungsleiter der Gemeinde, die auch noch dem Corona-Krisenteam angehören, in Quarantäne“, erklärt Köhler.

„Am 6. März gab es einen verschärften Reisehinweis des Auswärtigen Amtes: Nicht erforderliche Reisen in diese Provinz sollten vermieden werden sollten. Reiserückkehrer aus diesem Gebiet wurden aufgefordert, zwei Wochen zuhause zu bleiben und Kontakte zu anderen Personen zu vermeiden“, erklärt Köhler.

Bürgermeister Kolb reist nach Irland

Die Gefahr, die dieses Virus gerade für ältere Menschen bedeute, sei seit Wochen bekannt. „Es ist für mich deshalb unerklärlich, wieso sich das Vorstandsmitglied trotzdem so kurz nach seiner Rückkehr aus diesem Gebiet zu der Sitzung begab“, sagt Köhler.

Er könne auch nicht nachvollziehen, warum Bürgermeister Kolb in diesen Krisenzeiten in die irische Partnergemeinde Wicklow reiste. „Ich hätte ihn in dieser Krisenzeit in der Gemeinde erwartet“, sagt Köhler. Kolb verteidigt seine Reise: „Es gibt neue Verantwortliche in Wicklow. Es war die letzte Möglichkeit für mich, persönlich Kontakt zu ihnen aufzunehmen.“

Kolb erklärt, den Mitgliedern des Gemeindevorstands und den betroffenen Mitarbeitern gehe es gut. Weitere Sitzungen des Gemeindevorstands würden als Video- oder Telefonkonferenz abgehalten. Die Verwaltung sei erreichbar und entscheidungsfähig.

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