Das Haus St. Katharina in den 1960er Jahren. Heute befindet sich darin das gleichnamige Alten- und Pflegeheim.
+
Das Haus St. Katharina in den 1960er Jahren. Heute befindet sich darin das gleichnamige Alten- und Pflegeheim.

Heute ist es ein Altenheim

Vor 75 Jahren wurde Krankenhaus in Flieden eröffnet - Einrichtung bestand nur knapp 25 Jahre

An vergangenen Samstag vor 75 Jahren, am Fest Mariä Himmelfahrt 1945, ist das vormalige Schwesternhaus und Kinderheim in Flieden als Krankenhaus eröffnet worden. Es bestand 25 Jahre, danach wurde es ein Alten- und Pflegeheim. 

Flieden - Nur wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Naziherrschaft war es dem damaligen Pfarrer Georg Kind (1943–1957) gelungen, in dem von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) zurückerlangten Gebäude im Glocken ein Krankenhaus einzurichten. Unterstützung fand er beim ortsansässigen Arzt Willy Tölle und dem Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul in Fulda.

Das Haus stand zunächst in katholischer Trägerschaft unter Leitung des Pfarrers und unter staatlicher Aufsicht. Die Kirchengemeinde ließ das Innere mit eigenen Mitteln vollständig überholen. In kürzester Zeit konnten aus Lazarettbeständen Betten und weitere Einrichtungen sowie die Ausstattung für einen OP-Raum besorgt werden.

Krankenhaus in Flieden wurde 1945 eröffnet - 35 Betten standen zur Verfügung

Schon am 15. August fand die feierliche Einweihung und Übergabe des Krankenhauses statt. Es bekam den Namen der Heiligen Katharina von Alexandrien, die zu den Titularheiligen der Pfarrkirche gehört. Der Eröffnungstag – damals ein offizieller Feiertag – begann mit einem Festgottesdienst. Danach begab sich eine Prozession unter strömendem Regen von der Kirche zur neuen Krankenanstalt, wo die kirchliche Segnung stattfand.

Die ärztliche Leitung des Belegkrankenhauses übernahm der Chirurg Willy Tölle. Es standen 35 Betten zur Verfügung – einschließlich einer Entbindungsstation. Als Personal waren fünf Krankenschwestern, ebenso viele Laienkräfte und ein Hausmeister im Einsatz. Ab Weihnachten 1945 konnten in der während der NS-Zeit als Gymnastikraum genutzten Hauskapelle wieder Gottesdienste gefeiert werden.

Fast 20 Jahre lange wurde in St. Katharina in Flieden Patienten operiert

Im Laufe der Zeit wurde die Zahl der Betten auf 46 erhöht, die fast immer belegt waren. Die Anstalt ging 1949 je zur Hälfte in das Eigentum des Landkreises Fulda und der Gemeinde Flieden über. Ein Kuratorium war für Investitionen zuständig. So entstanden ein Wirtschaftsgebäude, eine Wäscherei und eine Leichenhalle. Als schon 1963 erste Überlegungen einer Auflösung angestellt wurden, erfolgten weitere Baumaßnahmen. Zugleich wurden die Rundbögen an den Fenstern im Obergeschoss beseitigt, was zur Veränderung der Außenansicht führte.

Nachdem fast 20 Jahre lang in St. Katharina Patienten operiert und gesund gepflegt worden waren, setzte wegen der Konzentration des Krankenhauswesens in Osthessen verstärkt die Diskussion über eine Schließung ein. Sie geriet in die politischen Auseinandersetzungen im Kommunalwahlkampf 1968. Dabei setzten sich die in der Gemeindevertretung vertretenen Fraktionen für den Erhalt des Krankenhauses ein.

1970 zogen die ersten Senioren im Haus St. Katharina ein - Heute ist es ein Altenheim

Im August 1968 teilte das Mutterhaus jedoch mit, das Haus müsse wegen Unwirtschaftlichkeit infolge rückläufiger Patientenzahlen geschlossen werden. Überdies starb im Mai 1969 der Leitende Arzt Willy Tölle, dessen Sohn Dr. Fritz-Günther Tölle die Betreuung der Kranken bis zuletzt übernahm.

Am 22. August stimmte die Gemeindevertretung der Auflösung der Krankenanstalt und deren Umwandlung in ein Alten- und Pflegeheim unter Führung des Mutterhauses Fulda zu, nachdem dieses einen Aufnahmestopp angeordnet hatte. Bis zum Jahresende waren alle Patienten entlassen; am 2. Januar 1970 zogen die ersten Senioren im Haus St. Katharina ein. In der Geschichte der 1926 errichteten Anlage wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. (nz)

Lesen Sie hier: Das verspricht man sich vom Corona-Test aus Köln - Fuldaer leitet Forschungsgruppe

Das könnte Sie auch interessieren