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Künstlerisches Spektakel am Himmel – ein Fachmann berichtet

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Seit Samstag gibt es explosiven Silvesterspaß in den Geschäften für so manches Himmelsspektakel zu kaufen. In Petersberg kann Dienstagnacht ein privates Feuerwerk der ganz besonderen Art bestaunt werden, wenn der staatlich geprüfte Pyrotechniker Martin Glißner seine Raketen zündet.

Von unserem Redaktionsmitglied Michel Ickler

„Meine Familie und ich machen in der Nacht zum 1. Januar ein bisschen Randale. Auch werde ich neue Effekte ausprobieren, um zu sehen, ob sie in die Choreographien für meine Arbeit passen“, erklärt der 54-Jährige, der am Samstag für das Feuerwerk am Globus-Baumarkt zuständig war und an Geburtstagen, Hochzeiten und besonderen Veranstaltungen in ganz Deutschland seine Raketen zündet und damit ein Farbenspektakel am Himmel erzeugt. Die Kosten dafür liegen zwischen 350 und 9000 Euro.

Hobby zum Beruf gemacht

Das Geldverdienen durch das Feuerwerk ist für den Bezirksdirektor einer Versicherung ein zweites Standbein geworden, mit dem er sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Besonders beeindrucken ihn die nicht alltäglichen Möglichkeiten, sich mit dem Feuerwerk künstlerisch auszuleben.

„Menschen müssen fasziniert sein“

„Du hast nie eine zweite Chance. Etwas läuft oder es geht schief. Die Menschen müssen fasziniert sein und später noch über das Feuerwerk reden“, schwärmt der Pyrotechniker. Wer aber denkt, der Job ist mit dem Abbrennen der Raketen getan, der täuscht sich. „Alles wieder abzubauen, den Platz säubern – auch das gehört zur Arbeit. Überhaupt steckt hinter dem Feuerwerk vieles, was auf den ersten Blick niemand vermutet: Ein für Pyrotechnik zugelassenes Lager sowie ein spezieller Gefahrguttransporter, sind notwendig dazu kommt noch die Ausrüstung von der Zündanlage bis zur Schraubzwinge, erklärt Glißner.

Viel zünden oder wenig?

Einen Trend an Silvester kann Glißner derweil erkennen. So gehe es bei den Bürgern, die über 30 Jahre alt sind, darum, einmal zu zünden und anschließend das Spektakel zu bestaunen. Die Jüngeren wolle so viel wie möglich anzünden. Böller haben für den Fachmann indes nichts mit Feuerwerk zu tun. „Sie machen nur krach, es fehlt der künstlerische Aspekt“, betont der 54-Jährige.

Keine giftigen Substanzen verbrannt

Während der Pyrotechniker aufgrund der Gefahren des Feuerwerks großes Verständnis für Sperrzonen zeigt, ist seine Meinung in der Feinstaub-Debatte eine andere. „Ich weiß, dass Feuerwerk nicht umweltfreundlich ist. Aber es ist nicht so, wie es teilweise dargestellt wird.“ Die Schadstoffe sind laut Pyrotechniker wasserlöslich und bestehen aus löslichen Salzen. Zudem würden keine giftigen Substanzen verbrannt und die Konzentration trete nur für einen kurzen Moment in der Umgebung auf. „Aus diesem Grund sollte nicht auf diese Tradition verzichtet werden.“

Langer Weg der Ausbildung

Dass seine Tätigkeit als Pyrotechniker keine alltägliche ist, weiß Glißner. Bereits im frühen Alter war er von der Kunst des Feuerwerks begeistert und fing vor 19 Jahren an, sich zum staatlich geprüften Pyrotechniker ausbilden zu lassen. Bis zur fertigen Ausbildung ist es ein langer Weg. 26 Großfeuerwerke müssen als Helfer begleitet, ein Helferschein und ein Lehrgang absolviert werden. Es folgt eine praktische und theoretische Prüfung unter der Aufsicht des Regierungspräsidiums. „2000 bis 7000 Euro müssen investiert werden, bis man sich staatlich geprüfter Pyrotechniker nennen darf.

„Was aus einer Leidenschaft heraus begonnen hatte, brachte mir plötzlich zahlreiche Aufträge“, erzählt er.

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