Pfarrer Jürgen Klein vor der Terrassentür, die zwei Männer aufgebrochen hatten. Am Türrahmen sind noch die gelben Markierungen der Polizei zu erkennen.
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Pfarrer Jürgen Klein vor der Terrassentür, die zwei Männer aufgebrochen hatten. Am Türrahmen sind noch die gelben Markierungen der Polizei zu erkennen.

„Fühle mich völlig hilflos“

Vier Einbrüche in einem Jahr: Künzells Pfarrer Jürgen Klein zieht ins Hotel

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Schon zum vierten Mal in diesem Jahr haben Einbrecher am Mittwoch das Pfarrhaus Maria Hilf in der Schulstraße in Künzell aufgesucht. Die Haushälterin konnte die zwei Männer zwar diesmal durch Schreie in die Flucht schlagen. Doch sowohl sie als auch Pfarrer Jürgen Klein (56) stehen unter Schock. Klein ist bereits in ein Hotel gezogen.

Künzell - Es war helllichter Tag, fast Mittag, als Pfarrer Jürgen Klein laute Schreie seiner Haushälterin hörte. Da stand mindestens einer der Einbrecher schon mit einem Bein im Wohnzimmer des Pfarrhauses. Den Männern war es zuvor gelungen, die Terrassentür aufzuhebeln. „Als ich schließlich dazukam, sagte meine Haushälterin schon, dass ich die Polizei rufen soll“, sagt der 56-Jährige. Die Frau hatte die Täter angeschrien, die daraufhin geflüchtet waren.

Der Vorfall sei schon der vierte Einbruch in diesem Jahr gewesen. Mitte Mai hatten Einbrecher in der Sakristei der benachbarten Kirche ein Stahlkästchen aufgebrochen und Schlüssel gefunden. Mit einem öffneten sie den Tresor und entwendeten rund 3000 Euro – Geld, das kurz zuvor gesammelt worden war, damit die Senioren wie jedes Jahr einen gemeinsamen Ausflug unternehmen können. „Sie haben den alten Menschen das Geld weggenommen“, beklagt Pfarrer Klein.

Künzell: Pfarrer Klein fühlt sich nach mehreren Einbrüchen „völlig hilflos“

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In der Folgezeit müssen Einbrecher aber auch den Wohnbereich im Pfarrhaus aufgesucht haben: „Es wurde nie etwas verwüstet, aber immer wieder ist Geld verschwunden.“ Einmal aus der Küche, dann aus dem Büro das „Herz-Jesu-Geld für die Armen“ sowie Geld für Messintentionen. Alle Zylinder in den Schlössern der Türen seien gewechselt worden. Genützt hat es trotzdem nichts: „Nun wurde die Tür mit Gewalt aufgebrochen.“

Seine Haushälterin sei jetzt krankgeschrieben: „Der Vorfall hat uns beiden einen schweren Schlag versetzt“, sagt der Pfarrer. Wohnen bleiben möchte er im Pfarrhaus nicht mehr: „Ich bin noch am gleichen Tag in ein Hotel gezogen.“ Zwar sollen auch jetzt wieder alle Fenster und Türen neu und besser gesichert werden – ob er aber jemals in das Haus zurückkehren wird, kann Klein heute noch nicht sagen. Vermutlich werde er im Pfarrhaus weiterhin arbeiten, sich aber eine neue Wohnung in Künzell suchen. Der Schreck steht ihm noch ins Gesicht geschrieben: „Ich fühle mich völlig hilflos.“

Einst wegen Einbruchs nach Künzell gezogen: Nun ist Pfarrer Klein wieder EInbruchsopfer

Es ist nicht das erste Mal, dass Klein mit Einbrechern konfrontiert wird: Vor 14 Jahren, da war er noch Pfarrer im Jossgrund, ist er überfallen worden. „Plötzlich standen eines Nachts zwei Männer an meinem Bett und haben mich geweckt“, erinnert er sich. Mit einer Art Gas sei er außer Gefecht gesetzt worden. Auch danach habe er sich nicht mehr sicher gefühlt: „Ich habe dann die Stelle gewechselt.“ Seitdem ist der heute 56-jährige Pfarrer in Künzell.

Hotel-Aufenthalt in Corona-Zeiten?

Pfarrer Jürgen Klein ist nach dem erneuten Einbruch in ein Hotel gezogen. Daher stellt sich die Frage: Ist das angesichts der neuen Corona-Verordnungen ohne Weiteres möglich?

Steffen Ackermann vom Dehoga Fulda erklärt: „Es sind ausschließlich touristische Reisen verboten. Zwingende Aufenthalte sind weiterhin möglich.“ Dazu gehörten beispielsweise berufliche, medizinische und auch familiäre Reisegründe – „zum Beispiel, wenn ein Vater seiner Tochter gerade beim Umzug hilft.“ Und auch der Hotelaufenthalt des Pfarrers sei ebenfalls kein Problem.

„Ich bin ja nicht der einzige, dem so etwas passiert“, sagt er und erinnert an den Fliedener Pfarrer Maleja, der vor zehn Jahren brutal überfallen und dabei schwer verletzt worden war. „Pfarrer und Pfarrhäuser sind oftmals das Ziel von Einbrechern, weil viele hoffen, hier Geld zu finden.“ Dabei sei das in der Regel nicht der Fall, denn die Kollekte werde umgehend zur Bank gebracht. Doch auch die Achtung vor der Kirche sei in den vergangenen Jahren gesunken, glaubt Klein. Ein weiterer Grund, dass Einbrecher ausgerechnet jenen Geld wegnehmen, die es am dringendsten benötigen, hänge vielleicht damit zusammen, dass für sie die Kirche ein „abstraktes Gegenüber“ sei.

Einbruch in Pfarrhaus in Künzell: Polizei sucht Zeugen

Und noch etwas könnte ausschlaggebend dafür sein, dass das Pfarrhaus Maria Hilf öfter von Einbrechern aufgesucht wird: Das Gebäude und die Kirche liegen am Künzeller Kreisel und nahe an der Bundesstraße. Von hier können die Täter schnell flüchten.

Die Polizei hatte den Einbruch am Mittwoch aufgenommen und dazu auch Personen befragt. Eine Spur gebe es nach dem Wissen des Pfarrers nicht. Klein hofft dennoch, dass Zeugen etwas beobachtet haben.

Die Polizei hatte am Donnerstag einen Zeugenaufruf über die Medien veröffentlicht. Demnach handelt es sich bei den Tatverdächtigen um zwei Männer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Beide waren komplett blau gekleidet: Sie trugen eine blaue Wollmütze, dunkelblaue Hose und blaue Jacke. Mindestens einer der Tatverdächtigen trug helle Schuhe. Ihr Gesicht hatten die Männer mit einem Schal oder einer Gesichtsmaske bedeckt, erklärt die Polizei. Beide seien hellhäutig gewesen, ergänzt Klein. Hinweise zu dem Vorfall bitte an das Polizeipräsidium Osthessen unter Telefon (0661) 1050.

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