Pfarrer Wolfgang Echtermeyer beendet seine „Tour de Segen“ – vorerst.
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Pfarrer Wolfgang Echtermeyer beendet seine „Tour de Segen“ – vorerst.

1400 Segen und eine Ponytaufe

Pfarrer Wolfgang Echtermeyer beendet „Tour de Segen“ – vorerst

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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In der Coronazeit hat sich Wolfgang Echtermeyer ganz schön abgestrampelt: Der evangelische Pfarrer aus Künzell ist jeden Abend mit dem Fahrrad durch die Gemeinde gefahren, um den Segen zu den Menschen zu bringen. Gestern war seine vorerst letzte „Tour de Segen“.

Künzell - Ein bisschen wehmütig ist Wolfgang Echtermeyer schon, wenn er daran denkt, dass seine tägliche Fahrradtour durch seine Pfarrgemeinde vorbei ist. „Ich habe immer gesagt, dass ich das so lange mache, bis wir wieder Gottesdienst feiern können. An Pfingsten ist es nun soweit“, erklärt der Pfarrer der Christophoruskirche Künzell-Bachrain.

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In Zeiten der Corona-Pandemie müssen Gläubige auf die Zusammenkunft in der #Kirche und das gemeinsame Feiern des #Gottesdienstes verzichten. Zumindest den #Segen sollen #Gläubige aber weiter erhalten, findet Pfarrer Wolfgang Echtermeyer – und schwingt sich aufs Rad. "Da die Menschen zurzeit nicht in die Kirche kommen und gemeinsam Gottesdienst feiern können, kommt die Kirche in #Künzell zu ihnen“, so Echtermeyer. Jeden Abend seit Beginn der Corona- Krise startet der Pfarrer der #Christophorusgemeinde wenn es das Wetter zulässt, gegen 18 Uhr mit dem Fahrrad seine „Tour de Segen“ durch die Ortsteile seiner Gemeinde. #fuldaerzeitung #fulda #osthessen #hessen #tourdesegen #pfarrerontour #mobilechurch 📸:

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Drei Monate lang fuhr er jeden Abend dieselbe Strecke, zwölf Kilometer mit dem Fahrrad – nicht mit dem E-Bike –, um während der Coronazeit bei den Menschen zu sein und ihnen den Segen zu spenden.

Der Segen vom Fahrrad - Pfarrer Echtermeyer beendet Tour vorerst

„Mal überschlagen waren es sicherlich 1400 Menschen, die ich direkt – mit Abstand – in dieser Zeit gesegnet habe“, sagt der 63-Jährige, der gestern erst Geburtstag hatte. Gestern – der Tag, an dem er zum vorerst letzten Mal seine Gebetspunkte angefahren ist: am Dicken Turm, am Bürgerhaus Dirlos, am Gedenkstein in Keulos, im Park in Künzell und an der Christophoruskirche.

850 Kilometer fährt Pfarrer Echtermeyer durch seine Gemeinde

Rund 850 Kilometer stehen am Ende auf seinem Tacho. Viele Kilometer und noch mehr gute Erfahrungen: „Es waren schöne Begegnungen auch mit Leuten, die mit Kirche nichts am Hut haben. Auch sie waren in dem Moment berührt, das ist das Entscheidende.“

Anfangs fuhr Echtermeyer in aller Stille, etwa eine Dreiviertelstunde. Aber irgendwann wussten die Leute schon, dass er vorbei kommt und warteten am Straßenrand, auf dem Balkon oder an den Gebetspunkten – und aus der Dreiviertelstunde wurden zwei.

Spontane Ponytaufe auf dem Weg?

„Einmal traf ich einen Landwirt, der fragte, ob ich zu seinem Hof komme und ein junges Pony taufe“, erinnert sich der 63-Jährige. Seine „Tour de Segen“ sei für ihn eine gute Erfahrung gewesen, eine, die ihm bestätige, dass Kirche zu den Menschen kommen sollte.

„Digitale Angebote können den direkten Kontakt nicht ersetzen. Ich bin am überlegen, wie man das fortsetzen kann, vielleicht ab und zu im Sommer. Es wurde so gut angenommen, es wäre schade, wenn man es ad acta legen würde.“ Dennoch freue er sich, dass er nun auch wieder Gottesdienste halten darf. Am Sonntag um 9.30 Uhr ist es soweit. 

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