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Kurzarbeiterzahl wohl fünfstellig: In Osthessen ächzen viele Betriebe in der Krise

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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REGION - In den nächsten Tagen dürfte mehr als die Hälfte der osthessischen Unternehmen Kurzarbeit anmelden – weil sie nicht mehr öffnen dürfen wie die Betriebe in Handel und Gastronomie, oder weil sie vom allgemeinen Herunterfahren der Wirtschaft betroffen sind.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Wie hoch die Kurzarbeiterzahl schon jetzt ist und wie hoch sie Anfang April sein wird, dazu mochten sich die für Osthessen zuständigen Arbeitsagenturen in Fulda, Hanau und Gießen gegenüber unserer Zeitung nicht äußern. Aber klar ist: Die Zahl wird in den Kreisen Fulda und Main-Kinzig über 10 000 liegen. Bei einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammern in Hessen sagten 92 Prozent der Unternehmen, sie spürten bereits jetzt Auswirkungen des Coronavirus auf ihre Geschäfte.

Mehr als 1000 Beschäftigte

Der Einzelhandel, Hotels und Gaststätten gehörten zu den ersten, die schließen mussten. Allein in Fuldas Innenstadt arbeiten mehr als 1000 Beschäftigte im Einzelhandel. Mitarbeiter von Modehäusern, Kaufhäusern oder Möbelhäusern – sie blieben fast komplett zu Hause. Kurzarbeit ist auch für die Beschäftigten der 350 Gaststätten und Hotels im Landkreis Fulda die Regel. Den Betrieben ist praktisch nur das Außer-Haus-Geschäft geblieben.

140 Autobetriebe am Boden

Am Boden liegen auch die 140 Autobetriebe im Kreis Fulda. Fast alle melden Kurzarbeit für den kompletten Autohandel an, für den jetzt das Frühlingsgeschäft wegbricht. In den Werkstätten ist die Nachfrage stark zurückgangen. Selbst der Reifenwechsel, der jetzt ansteht, kommt nicht in Gang. In den Werkstätten wird oft ein Teil der Belegschaft nach Hause geschickt.

Bei Engelbert-Strauss in Biebergemünd können von den 1100 Mitarbeitern derzeit 60 Storemitarbeiter ihrer Tätigkeit nicht nachgehen. Für sie wird das Unternehmen Kurzarbeit beantragen. Die anderen Unternehmensbereiche laufen im Zwei-Schicht-Betrieb weiter. 200 Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice.

Baubranche läuft noch

Die Baubranche läuft noch. SimonMetall in Tann meldet, dass noch Arbeit da ist; Rensch-Haus in Kalbach ist, wie viele andere Firmen, in allen Bereichen stark gefordert, die Produktion und die Montage laufen aber weiter.

Die LangGroup in Großenlüder mit den Marken Technolit, Iwetec und Hotrega ist mit 1800 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Region. Sie schickt zum 1. April ihre Mitarbeiter im Außen- und Innendienst in 30 bis 50 Prozent Kurzarbeit, denn der Krise geschuldet dürfen viele Außendienstmitarbeiter ihre Kunden nicht mehr persönlich besuchen.

„Das wird voraussichtlich noch schlimmer“

Bei der Spedition Zufall wird von den 920 Mitarbeitern in Fulda etwa ein Viertel seine Arbeitszeit verkürzen. Wo nicht produziert und gehandelt wird, muss auch nichts transportiert werden. Allerdings: Im Stückgutgeschäft in Deutschland hat Zufall ein hohes Auftragsvolumen, das sogar angestiegen ist – der stark wachsende Internethandel ist massiv spürbar. Der gleiche Sektor in Europa brach im März ein – mit einem Minus von einem Drittel. „Das wird voraussichtlich noch schlimmer“, sagt Zufall-Niederlassungsleiter Christoph Göbel. Lkw-Teil- und Komplettladungen innerhalb Deutschlands und in Europa gehen massiv zurück.

Appell an Kunden

Christoph Göbel bricht eine Lanze für seine Fahrer: „Unsere Branche ist in diesen besonderen Zeiten besonders wichtig für die Versorgung der Bevölkerung über den stationären Handel wie auch direkt an der Haustür jedes Einzelnen, der online kauft“, sagt Göbel. Sein Appell an die Kunden: „Bitte behandeln Sie unsere Fahrer auch so – sie sind keine „infizierten Gefährder“ der Gesundheit der Kunden, sondern sie sind essenziell wichtige Menschen, die die Versorgung aller sicherstellen.

„Hier erleben wir leider immer wieder eine Schlechtbehandlung unserer Mitarbeiter. Ohne den Fahrer und ohne die Logistik-Branche hilft auch das größte Hamstern nicht mehr, denn dann sind und bleiben die Regale leer.“

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