Mordprozess nach Brand in Morles: Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Egon Schütz.
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Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Egon Schütz.

„Er war fertig mit der Welt“

Schwere Brandstiftung in Morles: Zeugen berichten vom Tatabend

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Was bringt jemanden, der überall im Ort als stets freundlicher und hilfsbereiter Mensch bekannt ist, dazu, seine Wohnung anzuzünden und andere Menschen in Lebensgefahr zu bringen? Das versuchte das Schwurgericht in Fulda am Freitag weiter zu ergründen und befragte mehrere Zeugen des Brandes in Morles.

Fulda - Sowohl der Angeklagte als auch seine Lebensgefährtin hatten an dem Oktoberabend vor fast zwei Jahren eine dem Wohnhaus benachbarte Pizzeria aufgesucht. Mehrere Gäste des Restaurants schilderten am Freitag vor Gericht, wie sie den heute 50 Jahre alten Mann erlebt und wie sie schließlich den Brand bemerkt haben.

Demnach war zunächst die Freundin des Angeklagten in die Pizzeria gekommen, die Gästen an der Theke erklärte, dass ihr Lebensgefährte jetzt „durchdreht“: Er habe schon die Streichhölzer geholt. Weil sie dies allerdings in einem ruhigen und eher unaufgeregten Ton mitgeteilt habe, „haben wir den Ernst und die Dramatik der Situation gar nicht erfasst“, erklärte eine Zeugin, die mit ihrem Mann und ihrem Sohn an einem der Tische gesessen hatte.

Aussagen vor Gericht: Zeugen versuchten Brand in Wohnhaus in Morles mit Feuerlöscher in Griff zu kriegen

Kurze Zeit später kam auch der Angeklagte zur Tür herein. Er sei, wie mehrere Zeugen aussagten, stark alkoholisiert gewesen. Er habe sich an die Theke gesetzt, den Kopf auf den Tresen gelegt und eher gemurmelt als deutlich gesprochen: „Ich hab es jetzt angesteckt.“ Die ganze Situation sei „wie im Kino“ gewesen, verdeutlichte ein damaliger Pizzeria-Gast. Der Angeklagte habe neben sich gestanden: „Er war gar nicht richtig da.“ Ein anderer Zeuge erklärte, dass sich der Beschuldigte niedergeschlagen und „fertig mit der Welt“ angehört habe. Er sei in „desolatem Zustand“ gewesen, formulierte eine Zeugin.

Beim Blick aus dem Restaurant-Fenster sahen die Gäste schließlich dicken Qualm aus dem Wohnhaus schlagen. Nachdem die Feuerwehr alarmiert worden war, versuchten ein Gast sowie Angestellte der Pizzeria, den Brand in der Wohnung mit Feuerlöschern in den Griff zu kriegen. „Das hatte aber keinen Sinn mehr“, so einer der Zeugen. Erst einige Minuten später sei bemerkt worden, dass sich im Obergeschoss noch Personen aufhalten: eine Mutter und ihre zwei Kinder. Die Situation, als diese über eine Leiter aus dem Haus geholt wurden, sei dramatisch gewesen, befand eine Zeugin.

Nach Brandstiftung in Morles: Großteil der Zeugen vor dem Landgericht Fulda kannten Angeklagter

Ein Großteil der am Freitag vernommenen Zeugen kannte den Angeklagten. Er sei in vielen Vereinen der Gemeinde engagiert, immer hilfsbereit und liebenswert, niemals bösartig, hieß es übereinstimmend. „Ich hätte ihm das nicht zugetraut. Ich kenne ihn nur als einen ganz netten Menschen“, lautete eine Aussage.

Befragt wurde auch eine Ärztin, die dem Angeklagten am Tatabend Blut abgenommen hatte und schließlich in einer Notiz „Brandstiftung in suizidaler Absicht“ vermerkt hatte. Ein Polizeibeamter berichtete von einer Vernehmung Tage später. „Er erklärte mir, dass er sich wie in einer Einbahnstraße befunden hat und rechts und links nichts mehr gesehen hat.“

Angeklagtem stürzte die Decke seines Hauses ein - Versicherung wollte nicht Gesamtschaden zahlen

Schon am ersten Verhandlungstag am Landgericht hatte der Beschuldigte ausführlich Stellung genommen zu den Gründen seiner Tat. Demnach war einige Tage vorher ein Teil der Decke seiner Wohnung eingestürzt. Die Versicherung hatte allerdings erklärt, nicht für den Gesamtschaden zahlen zu wollen. Eine Mitarbeiterin der Versicherung, die ihm in dieser Zeit begegnet war, erklärte: „Er war extrem aufgeregt. Vernünftiges Reden mit ihm war nicht mehr möglich. Das habe ich so noch bei niemandem erlebt.“

Die Verhandlung wird am Montag, 17. August, um 9.30 Uhr fortgesetzt. Dem Angeklagten wird versuchter Mord und Brandstiftung vorgeworfen. Am 26. August 2020 wurde dann das Urteil gefällt: Der Mann aus Nüsttal muss nicht in Haft.

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