Der Angeklagte wird in Handschellen zum Sitzungssaal begleitet. Die Düsseldorfer Rechtsanwältin Esther Boos verteidigt ihn gemeinsam mit dem Kölner Rechtsanwalt Gerhard Schaller.
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Der Angeklagte wird in Handschellen zum Sitzungssaal begleitet. Die Düsseldorfer Rechtsanwältin Esther Boos verteidigt ihn gemeinsam mit dem Kölner Rechtsanwalt Gerhard Schaller.

22-Jährigem tut „alles sehr leid“

Plädoyers im Drogenprozess in Fulda gehalten: War Angeklagter ein Dealer oder doch nur Gehilfe?

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Fünf Jahre und vier Monate Haft fordert Staatsanwältin Tanja Gerbig vor dem Landgericht Fulda im Prozess gegen einen 22-Jährigen aus dem Altkreis Hünfeld, der zwischen Juli 2017 und Februar 2020 mit Drogen gehandelt haben soll. Seine Verteidigung betont, dass er Gehilfe gewesen sei. 

Fulda - „Der Angeklagte war in dem Netzwerk eingebunden und hat im großen Stil mit Betäubungsmitteln gehandelt. Grundsätzlich lagen die Mengen der Drogen im Kilobereich. Er hat sie teilweise ausgeliefert und war hauptsächlich dafür verantwortlich, das Geld zu kassieren“, stellt Staatsanwältin Tanja Gerbig vor dem Landgericht Fulda heraus.

Der 22-Jährige aus dem Altkreis Hünfeld habe zwar im Auftrag eines anderen Mannes gehandelt, ohne den Angeklagten hätte das System so aber nicht funktionieren können. „Ihm kommt eine wesentliche Rolle im Gesamtgeschäftsbetrieb zu“, erklärt Gerbig.

Staatsanwältin fordert vor Landgericht Fulda fünf Jahre für Angeklagten - Strafe sei angemessen

Das System beschreibt sie folgendermaßen: Die Drogenkunden hätten die Ware bei dem Auftraggeber des Angeklagten, gegen den ebenfalls ermittelt werde, bestellt. (Lesen Sie hier: Ein Käufer sagt als Zeuge im Drogenprozess aus) Regelmäßig, meist sonntags, sei der Angeklagte dann zu den Kunden gefahren und habe meist das Geld kassiert. In der Anklage war die Rede davon, dass dabei Drogen im Wert von einer Viertelmillion gehandelt worden seien. „Pro Fahrt bekam er bis zu 500 Euro. Wenn er selbst Betäubungsmittel auslieferte, waren es 200 Euro pro Kilo“, sagt die Staatsanwältin vor dem Landgericht Fulda.

Sie halte ihm zwar zugute, dass er geständig sei, erklärt aber auch: „Es ging über einen langen Zeitraum von fast drei Jahren. Und wir sprechen hier über enorme Mengen. Er war selbst nicht suchtabhängig und hat das nur aus finanziellen Motiven heraus gemacht.“ Als Strafe hält die Staatsanwältin Gerbig fünf Jahre und vier Monate für angemessen, auch weil – neben dem Drogenhandel – noch ein Betrugsfall anhängig sei, bei dem der Angeklagte aus dem Altkreis Hünfeld zusammen mit anderen einen potenziellen Drogenkunden um 800 Euro gebracht habe. Sie geht auch davon aus, dass zum Teil bandenmäßig gehandelt wurde.

Im Drogenprozess sieht die Verteidigung den Angeklagten als „typischen Gehilfe“

Das sieht die Verteidigung anders: So habe der Angeklagte nicht genau gewusst, welche Funktion zwei Männer gehabt haben, die ebenfalls für den Auftraggeber Geld eingetrieben hätten. „Ich gehe hier nicht von einer Täterschaft, sondern von einer Teilnahmehandlung aus. Er hatte keine Entscheidungsbefugnis, musste sich für alles rückversichern“, erklärt Rechtsanwalt Gerhard Schaller vor dem Landgericht Fulda. Der Angeklagte sei ein typischer Gehilfe gewesen. Auch habe es noch andere gegeben, die das Geld einsammelten. Auch die zweite Verteidigerin Esther Boos erklärt, dass der Angeklagte „nur Dienstanweisungen abgearbeitet“ habe. Die Höhe der Strafe stellen die Verteidiger „ins Ermessen des Gerichts“.

Einig sind sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung darin, dass Jugendstrafrecht angewendet werden sollte. Zum einen galt der Angeklagte bei mehreren Taten noch als Heranwachsender, zum anderen rät die Jugendgerichtshilfe ebenfalls zur Anwendung des Jugendstrafrechts und gibt eine „vorsichtige positive Sozialprognose“. Am Ende der Verhandlung sagt der Angeklagte: „Es tut mir alles sehr leid, auch wie ich mich über Polizeibeamte geäußert habe.“ (Lesen Sie hier: Die Ermittler hatten im Drogenprozess in Fulda belastende Telefon-Mitschnitte vorgelegt) Ein Urteil soll am Dienstag, 10. November, um 10 Uhr vor dem Landgericht Fulda fallen.

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