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53-Jähriger sticht Ex-Freundin in Hals: Warum die Verteidigung Freispruch fordert

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Von: Suria Reiche

Der 53-jährige Angeklagte wird von Rudolf Karras (rechts) vertreten.
Der 53-jährige Angeklagte wird von Rudolf Karras (rechts) vertreten. © Suria Reiche

Liebe, Eifersucht, Bedrohungen und lebensgefährliche Messerstiche – im Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung am Landgericht Fulda kam alles vor. Am Freitag wurden die Plädoyers gesprochen.

Fulda - In Handschellen wurde der 53-Jährige Angeklagte von einem Beamten in den Sitzungssaal in Fulda geführt. Dort angekommen, reichte er seinem Verteidiger Rudolf Karras höflich die Hand.

Dieser wird es auch sein, der am Ende der Verhandlung versucht, ihn zu verstehen, Gründe dafür zu finden, dass der Angeklagte im September vergangenen Jahres seine ehemalige Lebensgefährtin mit einem Küchenmesser mit 11,5 Zentimeter Klingenlänge in Hals und Brust gestochen hat.

Fulda: Freispruch für Messerstecher? Plädoyers fallen sehr unterschiedlich aus

Der Sachverständige in der Verhandlung in der vergangenen Woche sagte aus, dass der 53-Jährige allenfalls vermindert schuldfähig sei, weil er zur Tatzeit eine ganze Flasche Schnaps intus hatte. Karras hingegen findet, dass der Angeklagte in diesem Fall freizusprechen sei, weil von einer Affekttat ausgegangen werden müsse.

Der Angeklagte habe den Namen des angeblich neuen Freundes seines Opfers herausfinden wollen, weil dieser ihn bedrohe. Die Stiche mit dem Messer sollten eigentlich ihm gelten, sagte Karras. Dafür spreche auch, dass der Angeklagte von seinem Opfers abgelassen habe, weil sie sagte, er solle an ihre Kinder denken und sie wolle nicht sterben. Zudem habe er einen Krankenwagen gerufen und bei der Polizei gesagt, dass er gar nicht wisse, wie die Messerstecherei passieren konnte.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage-Vertretung sehen das anders. Sie fordern insgesamt viereinhalb Jahre Haft. In die Strafforderung fließt eine weitere Tat ein, bei der der Angeklagte die gleiche Ex-Freundin genötigt haben soll, in sein Auto zu steigen und sie trotz mehrmaliger Aufforderung nicht gehengelassen habe – zudem habe er sie fahrlässig verletzt. In diesem Fall fordert Karras eine Geldstrafe. Das Urteil wird am Dienstag, 3. Mai, gesprochen.

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