Sechs junge Männer müssen sich vor dem Landgericht Fulda verantworten
+
Die Anklageschrift der sechs jungen Männer ist lang.

Prozessauftakt „Klappe die Zweite“

Verschleppt, erpresst, verprügelt? - Sechs junge Männer aus Fulda auf der Anklagebank

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
    schließen

Sechs Männer, die heute zwischen 21 und 23 Jahre alt sind, sollen im September 2018 einen Mann in einen VW-Bus gezerrt und in einen Wald verschleppt haben, wo sie ihn erpresst und auf ihn eingeprügelt haben sollen. Am Montag hat am Landgericht Fulda zum zweiten Mal der Prozess begonnen.

Fulda - Ob die sechs beschuldigten Männer, die aus Fulda, Petersberg und Künzell kommen, im Laufe des Verfahrens selbst aussagen werden, ließen ihre Verteidiger am Montag offen. Nur einer erklärte bereits, keine Einlassung abgeben zu wollen. Am Montag wurde vor dem Landgericht Fulda lediglich die Anklage verlesen. Und dabei hieß es sozusagen „Klappe die Zweite“, denn der Prozess war Anfang Juni schon mal verhandelt worden (siehe Infobox).

Laut Anklage hatte es schon im Vorfeld Streit zwischen einem der Angeklagten und dem späteren Opfer gegeben. Beide vereinbarten ein Treffen an der Ochsenwiese in Fulda, um sich auszusprechen. Der Beschuldigte hatte mit seinen Kumpels offenbar einen Plan geschmiedet. Als alle Beteiligten aufeinander trafen, versuchte das Opfer noch zu flüchten, es gelang ihm aber nicht: Stattdessen wurde der junge Mann, so erklärte es die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Fulda, in einen VW-Bus gedrückt. Während der Fahrt in den Niesiger Wald sei er angewiesen worden, den Kopf unten zu halten. Dabei sei er mit der Faust geschlagen und mit dem Anschnallgurt gewürgt worden.

Am Rande notiert

Der Prozessauftakt hat bereits zum zweiten Mal stattgefunden: Schon Anfang Juni war der Fall vor dem Landgericht Fulda verhandelt worden. Am dritten Verhandlungstag wurde der Prozess damals jedoch ausgesetzt: „Ausschlaggebend dafür ist die Terminnot in den kommenden Wochen“, so hatte es das Gericht vor fünf Monaten begründet. 

Prozess in Fulda: Haben die Angeklagten einen Mann, der am Boden lag, verprügelt?

Am Gerloser Häuschen hätten die Angeklagten den Mann am Boden liegend verprügelt. Mit einem Stock hätten sie so fest auf den Rücken geschlagen, dass der Stock zerbrochen sei. Einer der Beschuldigten, so die Anklage vor dem Landgericht Fulda, habe eine Schreckschusspistole gezogen, um das Opfer weiter einzuschüchtern. Zweimal feuerte er Schüsse in den Wald ab, einer davon ging knapp am Kopf des Geschädigten vorbei.

Die Hintergründe der gesamten Tat wurden in der Anklageschrift vor dem Landgericht Fulda nicht klar, jedoch hätten die Angeklagten eine Geldzahlung von 1000 Euro gefordert. Nach einer Weile brachten sie ihr Opfer zurück zur Ochsenwiese – nicht, ohne ihn während der Fahrt weiter zu malträtieren und ihm einzuschärfen, sich nicht an die Polizei zu wenden.

Sechs junge Männer aus Fulda sind vor dem Landgericht angeklagt

Der Geschädigte trug bei dem Vorfall unter anderem Hämatome sowie Kopf- und Rückenschmerzen davon. Zudem leide er unter Angstzuständen. Mehrere Tage sei er arbeitsunfähig gewesen, sagt die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Fulda.

Die Tat vom 2. September 2018 ist nicht die einzige, die den Männern vorgeworfen wird. Im Januar 2020 soll Ähnliches geschehen sein: Vier der Beschuldigten sollen einen weiteren Mann entführt haben – diesmal von Neuhof in einen Wald bei Hattenhof. Der Grund: Der Geschädigte habe der Ex-Freundin eines Beschuldigten Nachrichten geschickt.

Opfer soll versucht haben zu fliehen

Das Opfer sei bei der Entführung „stark verängstigt“ gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Fulda. Im Wald habe er versucht zu fliehen. Er sei nach etwa 300 Metern aber eingeholt worden: Am Boden sollen die Männer ihn mindestens 20-mal getreten haben. Auch von diesem Geschädigten verlangten die Täter 1000 Euro.

Während des Prozesses, für den insgesamt neun Termine vor dem Landgericht Fulda angesetzt sind, wird es außerdem um zwei weitere Anklagen gehen. Dabei wird einem Mann vorgeworfen, Drogen besessen zu haben, und einem anderen, mit Drogen gehandelt zu haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema