Der Landrat vom Landkreis Bad Kissingen hält die Trasse „Fulda-Main-Leitung“ für unnötig.
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Der Landrat vom Landkreis Bad Kissingen hält die Trasse „Fulda-Main-Leitung" für unnötig.

Große grundsätzliche Zweifel

Landkreis Bad Kissingen hält Fulda-Main-Leitung für unnötig

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Der Landkreis Bad Kissingen hält die geplante Fulda-Main-Leitung von Mecklar über Dipperz nach Bergrheinfeld für unnötig. Landrat Thomas Bold (CSU) ist überzeugt, dass die Kapazitäten des Suedlink ausreichten, um den Strom von der Küste nach Bayern und in das Rhein-Main-Gebiet zu bringen.

Region - Ursprünglich sollte im südlichen Abschnitt ein Verlauf geprüft werden, der von Dipperz nach Urberach bei Hanau verläuft. Die Energieminister des Bundes sowie der Länder Bayern, Hessen und Thüringen einigten sich jedoch auf eine Trasse von Dipperz nach Bergrheinfeld. Diese Neubaumaßnahme mit dem Titel „Fulda-Main-Leitung“ wurde im vergangenen Dezember im Netzentwicklungsplan 2030 bestätigt und soll in den nächsten Monaten vom Bundestag in das Bundesbedarfsplangesetz übernommen werden.

Der Landkreis Bad Kissingen wäre ebenso wie die benachbarten Landkreise Fulda, Schweinfurt, Main-Kinzig sowie Main-Spessart oder Rhön-Grabfeld von dieser Hochspannungsfreileitung betroffen.

Landrat von Bad Kissingen Thomas Bold: Versprochene Entlastung kommt nicht

Der Bau der Fulda-Main-Leitung stelle eine nicht hinnehmbare Abkehr vom Eckpunktepapier dar, auf das sich die Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD am 1. Juli 2015 verständigt haben, erklärt Landrat Thomas Bold (CSU). Ziel sei es damals gewesen, Bergrheinfeld im Landkreis Schweinfurt als Einspeisepunkt und die benachbarten Landkreise, die von den Zuleitungen betroffen wären, zu entlasten. Diese Entlastung komme jetzt nicht. Zusätzlich werde der Suedlink von Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) über Bergheinfeld nach Großgartach (Baden-Württemberg) die Kreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen durchqueren.

„Der Landkreis Bad Kissingen und benachbarte Landkreise sind bereits vom Suedlink, mit dem der überschüssige Strom aus dem Norden in die Ballungszentren im Süden transportiert werden soll, massiv betroffen“, kritisiert Bold. Er gehe davon aus, dass eine Versorgung Bayerns mit dem Suedlink und dem Suedostlink von Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) nach Landshut (Bayern) gesichert werden könne oder deren Kapazitäten zur Versorgung Bayerns erhöht werden könnten.

„Weder nachvollziehbar noch hinnehmbar“

„Soweit Tennet nun ausführt, die Fulda-Main-Leitung sei erforderlich, um die Stromversorgung im Süden sicherzustellen, erscheint dies angesichts des Suedlink und des Suedostlink nicht nachvollziehbar“, sagt Bold. Vielmehr dient die Fulda-Main-Leitung in erster Linie der Versorgung des Rhein-Main-Gebiets. Der Strom, der über die Fulda-Main-Leitung in Bergrheinfeld ankommt, solle von dort aus weiter Richtung Großkrotzenburg (Hessen) geleitet werden. „Der Umweg über Dipperz nach Bergrheinfeld und dann weiter nach Großkrotzenburg ist weder nachvollziehbar noch hinnehmbar“, kritisiert Bold.

Dadurch würde die Region mit einer Neubau- und vermutlich einer weiteren Netzausbaumaßnahme belastet, obwohl der direkte Weg von Dipperz nach Urberach (Rhein-Main-Gebiet) möglich sei. „Hier gibt es bereits eine Leitung, die in der bestehenden Trasse verstärkt werden könnte. Diese Variante, die sogenannte P 43/mod, ist netztechnisch gleichwertig und würde ohne zusätzliche Belastung unserer Region den Strom direkt in das Zielgebiet Rhein-Main bringen“, erklärt der Landrat.

Der Neubau einer 380.000-Volt-Leitung mit durchschnittlich 65 Meter hohen Masten würde einen massiven Eingriff in Natur und Landschaft, vor allem im Landschaftsschutzgebiet Bayerische Rhön bedeuten. Bislang habe das Land der offenen Fernen mit seinen natur- und artenschutzrechtlich sensiblen Bereichen erhalten werden können. Die Ankündigung, die Leitung „so weit wie möglich“ mit Erdkabeln umzusetzen, sei unverbindlich und technisch nur für sehr kurze Abschnitte von drei bis sechs Kilometern realisierbar.

Der Bürgermeister von Sinntal Carsten Ullrich (SPD) hält eine Trasse durch Sinntal für kompliziert.

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