Weil viel gespart wird, werden einige Banken beim Einfordern des Minus-Zinses strikter. (Symbolfoto)
+
Weil viel gespart wird, werden einige Banken beim Einfordern des Minus-Zinses strikter. (Symbolfoto)

Corona-Krise

Wenn Erspartes schwindet: Gemeinden im Landkreis Fulda müssen Minuszinsen zahlen

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
    schließen

Bisher musste sich manche Gemeinde recken und strecken, um mit ihren Einnahmen zurechtzukommen. Jetzt haben nicht nur arme Kommunen Probleme mit dem Geld, sondern auch die Kommunen, die gespart haben. Schuld daran ist auch Corona.

Kreis Fulda - In der Corona-Zeit haben die Deutschen so viel gespart wie nie. Sparkonten sind gefüllt. Banken und Sparkassen müssen aber für die Spareinlagen, die sie nicht als Kredite vergeben oder selbst anlegen, Zinsen bei der Europäischen Zentralbank zahlen: minus 0,5 Prozent. Verwahrentgelt nennen Banker den Minuszins.

Viele Banken, auch in der Region Fulda, verlangen diesen Zins schon länger von wohlhabenden Kunden. Dabei gab es Freibeträge, für die kein Minuszins verlangt wird. Doch weil viel gespart wird, werden einige Banken beim Einfordern des Minus-Zinses strikter. Darunter leiden auch die Kommunen.

Landkreis Fulda: Wenn Erspartes schwindet - Gemeinden müssen Minuszinsen zahlen

Die Raiffeisenbank Biebergrund-Petersberg verlangt seit Anfang 2020 von Kommunen Minuszinsen. Die VR-Bank Nordrhön in Hünfeld kündigt an, sie werde die Freibeträge im Sommer deutlich senken.

Bisher konnte Künzell von seinen 20 Millionen Euro Erspartem 18 Millionen ohne Minuszins parken. Dieser Freibetrag halbiert sich jetzt. „Drei Geschäftsbanken haben mitgeteilt, dass sie gezwungen sind, die bisherigen Freibeträge erheblich zu senken“, berichtet Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos). „In einem Fall wurde die Gemeinde sogar aufgefordert, ihr Guthaben bis zu einem Mindestbestand umzudisponieren.“ Die Gemeinde Künzell erwartet, dass sie statt bisher 5000 Euro nun 45.000 Euro im Jahr für Minuszinsen zahlen muss. (Lesen Sie hier: Markthalle, Stadtstrand und Kultur: Mit diesen Ideen wollen die Parteien die Innenstadt stärken).

Banken unter Druck

Die Kreditinstitute müssen für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einen Zins vom minus 0,5 Prozent zahlen.

Banken geben diesen Minuszins an ihren Kunden weiter: Die Sparkasse Fulda berechnet - seit Herbst 2017 unverändert - bei nicht-privaten Neu- und Bestandskunden für Guthaben über 500.000 Euro 0,5 Prozent Minuszins. Die VRBank Fulda berechnet diesen Zins über 250.000 Euro. Bei der VR Bank Nordrhön in Hünfeld liegt der Freibetrag bei 500.000 Euro, er soll aber Mitte des Jahres auf 110.000 Euro für Privat- und 250.000 Euro für Firmenkunden sinken.

Die Raiffeisenbank Biebergrund-Petersberg hat den Minuszins zu Jahresbeginn für Kommunen und Neukunden eingeführt. Für private Neukunden gilt ein Freibetrag von 110.000 Euro.

Die Sparda-Bank berechnet keinen Minuszins - aber sie akzeptiert nur Privatkunden. Die Deutsche Bank berechnet Minuszinsen bei Neukunden über 100.000 Euro.

Vergleichsweise gering ist die Minuszinsausgabe des Landkreises. Er hatte zum Jahresende 60,3 Millionen Euro auf den Konten. Er zahlte im vergangenen Jahr 21.500 Euro und kalkuliert, dass es in diesem Jahr nur halb so viel sein wird - weil der Kreis ein Haushaltsdefizit erwartet und er viel investieren will.

Timo Zentgraf: Drei Geschäftsbanken haben mitgeteilt, dass sie gezwungen sind, die Freibeträge zu senken

Die Stadt Fulda zahlt kaum Minuszinsen - nur 120 Euro 2020. Dabei soll es 2021 bleiben. „Derzeit nicht benötigte Kassenmittel sind vorausschauend in einem rollierenden System in langfristige Termingeldanlagen investiert, so dass wir bisher einen positiven Zins erreichen konnten“, sagt Sprecher Johannes Heller. Bei den restlichen Mitteln profitiert die Stadt von Freibeträgen. Die Stadt hat 36 Millionen Euro flüssige Mittel.

Viel Geld futsch

In ihrem Ärger über Minuszinsen haben Kommunen Geld dort angelegt, wo es zwar Zinsen (plus 0,1 Prozent)gab – das Geld aber nicht sicher war:bei der Greensill-Bank in Bremen. Die britische Mutter ist insolvent.

Eschborn verlor 35 Millionen Euro, Wiesbaden 20 Millionen, Schwalbach (Main-Taunus) 19 Millionen, Gießen 10 Millionen, Schauenburg (Kreis Kassel) eine Million Euro.

Das Land Hessen fragt jetzt ab, ob weitere Städte bei Greensill anlegten. Es gibt keinen Hinweis, dass Kommunen im Kreis Fulda betroffen sind.

Die Stadt Hünfeld zahlte im vergangenen Jahr 3700 Euro und will diesen Betrag durch eine kluge Finanzsteuerung auf null, maximal aber 4000 Euro drücken, berichtet Sprecher Helmut Käsmann.

Richtig hart getroffen wird hingegen die Gemeinde Petersberg, die rund zehn Millionen Euro gespart hat. Im Jahr 2020 musste sie 282 Euro zahlen, berichtet Sprecher Sebastian Kircher. „2021 gehen wir von Verwahrentgelten in Höhe von 20.000 Euro aus.“ Das ist 70 mal so viel wie 2020.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema