Fotos: Alina Hoßfeld, dpa

Landwirte demonstrieren gegen Agrarpaket

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region/Berlin - Sie sind mit Wut im Bauch nach Berlin gekommen: Tausende Landwirte verstopften am Dienstag mit ihren Traktoren die Hauptstadt. Die Landwirte sehen sich von Umweltauflagen schikaniert und wollen mehr Wertschätzung. Doch nicht nur in Berlin haben Landwirte protestiert – auch in Fulda und Umgebung brannten Mahnfeuer.

Die Mahnfeuer waren angezündet worden, um gegen steigende Auflagen und Bürokratie im Bereich Landwirtschaft zu demonstrieren. Mit ihren Protesten wollten regionale Bauern die Landwirte in Berlin unterstützen.

Zahlreiche Landwirte aus Fulda und Umgebung kamen daher nach Petersberg zum Sebastianshof und protestierten gegen das geplante Agrarpaket der Politik. „Wir haben diesen Standort gewählt, da er sehr zentral und an einer viel befahrenen Straße liegt“, sagte Stefan Leipold, einer der Landwirte.

Unter anderem fordern die Landwirte einen Abbau des bürokratischen Aufwandes und die Vermeidung von Kosten durch Genehmigungsverfahren. Aber auch realistischere und praxisnahe Vorgaben mit zuverlässiger Rechtssprechung wünschen sich die Landwirte. Leipold sagte: „Am meisten ärgern mich die Umweltauflagen. Wir können diese erfüllen, aber die Kosten müssen dann auch umgelagert werden.”

Dr. Hubert Beier, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld, erklärte: „Die Ängste und Probleme der Bauern stauen sich, weil neue Regelungen kommen. Vor lauter Bürokratie können die Landwirte ihre Arbeit nicht mehr machen.“

Beier weiß von mehreren Landwirten aus Osthessen, die nach Berlin gereist sind, um sich an den Protesten zu beteiligen. „Die Landwirte sind ja bereit, beim Klima- und Insektenschutz mitzuhelfen, etwas an der Situation zu verbessern – aber nicht auf diese Art“, sagt Baier. Als vor einigen Jahren Schutzgebiete wie FFH und für Vogelschutz eingerichtet worden seien, habe es lediglich ein Verschlechterungsverbot gegeben. Die Verschärfung der Regelungen betrachteten nun viele Betroffene als Wortbruch. „Das wäre nah an der ökologischen Landwirtschaft, doch auf die umzustellen, ist gar nicht so leicht möglich – mangels Nachfrage“, weiß Beier.

Zu der Kundgebung nach Berlin waren nach Angaben der Veranstalter 5600 Traktoren angerollt. Zu der Aktion hatte die Initiative „Land schafft Verbindung“ aufgerufen, in der sich Zehntausende Bauern zusammengetan haben. Mitte November gab es schon Aktionen in Hamburg, im Oktober fuhren Bauern in mehrere Städte, allein 6000 nach Bonn.

Der Protest richtet sich besonders gegen ein vom Kabinett beschlossenes Agrarpaket. Es sieht schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers vor. Die Bauern warnen vor einer Existenzgefährdung von Betrieben. Sie fordern von der Politik eine stärkere Einbeziehung bei neuen Umweltauflagen und wehren sich gegen „negative Stimmungsmache“ gegen ihre Branche. / hoß, mlo, dpa

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