Trockenheit auf einem Feld
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Die anhaltende Trockenheit macht den Landwirten zu schaffen.

Trockenheit wird zum Problem

Situation ist „kritisch“: Landwirte befürchten Einbußen

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen macht den Landwirten zu schaffen. Ausgesäte Pflanzen sind zwar aufgegangen, bekommen aber nicht genug Wasser. Fatal: Sie sind in einigen Betrieben als Futter die Grundlage für die Viehhaltung.

  • Die Trockenheit ist ein großes Problem in der Landwirtschaft.
  • Mit bis zu 15 Prozent Einbußen könne man rechnen, wenn es so trocken bleibt, wie im vergangenen Jahr.
  • Bei schlechter Ernte fehlt das Futter für die Tiere.

Wer in den vergangenen Tagen in Feld und Flur unterwegs gewesen ist, hat vielleicht einen Landwirt bei der Bodenbearbeitung beobachtet. Wegen der anhaltenden Trockenheit wirbelt das große Staubwolken auf. „Im Moment ist es wirklich sehr trocken“, berichtet Malin Krieg, Pressesprecherin des Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld. Sie bezeichnet die Situation als „kritisch“ für die Landwirte: „Die unteren Bodenschichten sind zwar feucht, aber die oberen Zentimeter sind völlig ausgetrocknet.“ 

Das hat Folgen: „Die Kulturen, die im Frühjahr gesät worden sind – Mais, Erbsen, Braugerste zum Beispiel – sind zwar zum Teil aufgegangen. Doch die Pflänzchen sind noch so klein und haben noch keine voll entwickelten Wurzeln, sodass sie kaum Chance haben, ordentlich zu wachsen“, sagt Malin Krieg.

Probleme in Grünland- und Milchviehbetrieben

Die Kulturen, die schon im Herbst gesät worden sind, zum Beispiel Wintergerste, haben kaum einen Vorteil: „Ihre Wurzeln sind zwar lang genug, sie kommen an tiefer gelagertes Wasser heran, doch wenn die obere Bodenschicht so hart ist, können die Pflanzen abreißen“, sagt sie. 

Die anhaltende Trockenheit bekommen derzeit vor allem Grünland- und Milchviehbetriebe zu spüren. „Sie würden Anfang Mai das erste Gras mähen, um es zum Beispiel als Futter für Kühe zu lagern“, sagt Krieg. Doch vielerorts ist kaum Gras gewachsen. „Dabei ist der erste Schnitt im Jahr von der Qualität und der Menge her der beste“, erklärt sie. „Im vergangenen Jahr war die Grasernte einigermaßen gut. Es ist zu hoffen, dass die Betriebe daher noch Reserven haben. Doch wenn das Futter fehlt, muss zugekauft werden.“

Björn Döppner betreibt mit seinem Vater und der Familie einen Ferkelerzeugerbetrieb in Bimbach. Das bedeutet: Die Döppners halten 500 Muttersauen in Stallhaltung. Deren Ferkel bleiben bis zu einem Gewicht von etwa 30 Kilo im Betrieb, danach werden sie an regionale Mäster verkauft. Das Wohl der Tiere liegt der Familie sehr am Herzen – das Futter für ihre Tiere erzeugt sie deshalb selbst. „Wir bewirtschaften 190 Hektar Ackerbau“, sagt der 35-Jährige: Wintergerste, Winterweizen, Winterraps, Sommergerste, Triticale – eine Mischung zwischen Roggen und Weizen – sowie ein kleiner Teil Mais. Das Getreide wird dann direkt im Betrieb weiterverarbeitet.

Ertragseinbußen von 15 Prozent?

„Sollte das Jahr wieder so trocken werden wie das vorherige, dann haben wir allein bei der Gerste Ertragseinbußen von etwa 15 Prozent“, prognostiziert Döppner. Der Regen der vergangenen Tage sei da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wir bräuchten viel mehr Niederschlag“, betont er: „Die Gerste zum Beispiel schiebt schon Ähren – das ist eine Notreaktion.“ Das erklärt der Landwirt so: „Mit ausreichend Niederschlag wachsen Getreide und Raps viel höher und auch dichter. In einem ,normalen‘ Jahr wären die Bestände üppiger.“ Der Regen, der die Nährstoffe in den Boden spült, fehlt. „Es ist egal, was wir aus pflanzenbaulicher Sicht gerade tun – ohne Regen kommen die Nährstoffe nicht bei den Pflanzen an.“

Ein erneuter Sommer mit kaum Niederschlag wäre für die Landwirte eine schlimmes Szenario, sagt KBV-Pressesprecherin Krieg:„Es gäbe niedrige Getreideernten, und tierhaltende Betriebe, die kein Futter mehr haben, müssten Tiere verkaufen.“ Futter zuzukaufen, das kostet Geld, betont sie – aber nicht nur das:„Wenn die Ernte überall schlecht ist – woher soll das Futter dann kommen?“

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