120 Hühner und vier Hähne tummeln sich derzeit in und rund um den nagelneuen Hühnerstall.
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120 Hühner und vier Hähne tummeln sich derzeit in und rund um den nagelneuen Hühnerstall.

Hühner mager und zerrupft

Legehennen vor der Schlachtbank retten: Projekt „Unser glückliches Huhn“ wächst

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Das Projekt „Unser glückliches Huhn“ von Natalie und Josef Hasenauer gibt es seit Februar 2018. Seitdem wächst es Schritt für Schritt. Nun musste ein neuer mobiler Hühnerstall her – das alte Hühnermobil war zu klein geworden.

Giesel - 120 Hühner und vier Hähne tummeln sich derzeit in und rund um den nagelneuen Hühnerstall. Mittendrin: Josef Hasenauer. Der 66-Jährige kümmert sich mit Herzblut um die Tiere, welche ihre besten Zeiten als Legehennen hinter sich haben und damit eigentlich reif für die Schlachtbank wären. Um das zu verhindern, nehmen Vater und Tochter die Tiere bei sich auf.

Bis zu 150 Hühner haben in dem neuen mobilen Hühnerstall Platz, erklärt Josef Hasenauer.

Josef und Natalie Hasenauer retten Legehennen vor dem Schlachter

Erst vor wenigen Wochen bekamen die beiden wieder 25 neue Hühner. Normalerweise, so erzählt Josef Hasenauer, unterscheiden sich die Neuankömmlinge aus der Industrie deutlich von den Hühnern, die schon länger bei den Hasenauers leben. Oft kommen sie mager und zerrupft dort an. Nicht so der jüngste Zuwachs. „Die Neuen kommen aus einem Bio-Betrieb, das hat man richtig gesehen. Die waren nicht verpickt und hatten ihre Federn noch.“

Paten

Für einen Betrag von 15 Euro pro Monat können Interessierte die Patenschaft für ein Huhn übernehmen. Mit den Kosten wird die Grundversorgung der Tiere gedeckt. Alle gelegten Eier werden anteilig auf die Paten verteilt und können im Edeka Schwan in Fulda oder in Giesel abgeholt werden.

Damit das so bleibt, haben sich die Hasenauers kürzlich den neuen mobilen Hühnerstall angeschafft. „Neue Hühner riechen anders als die, die wir schon hier haben. Im alten Hühnermobil hatten sie zu wenig Platz und sind dann häufig aneinander geraten“, erzählt Josef Hasenauer. Der neue, etwa sieben Meter lange und rund vier Tonnen schwere mobile Hühnerstall ist doppelt so groß wie sein Vorgänger und bietet den Hühnern nun ausreichend Fläche auf zwei Ebenen. So viel Komfort hat seinen Preis: 42.000 Euro haben die Hasenauers für das Vehikel bezahlt.

Legehennen kommen oft mager und zerrupft bei den Hausenauers an

Doch die Neuanschaffung löst nicht nur das Platzproblem: „Die Technik ist moderner“, sagt der 66-Jährige und erklärt die verschiedenen Automatiken, die abhängig von der Tageszeit bestimmte Bereiche des Stalls für die Hühner freigeben und Fenster je nach Temperatur öffnen und schließen. Und wie gefällt es den Neuankömmlingen? „Die neuen Hühner fühlen sich hier pudelwohl“, sagt Josef Hasenauer zufrieden.

Die Lebensbedingungen unterscheiden sich deutlich von denen in der durchgetakteten Industrie. So werden die Hühner mit Salat, Biofutter und Vitaminen gefüttert und können sich entweder im Stall oder draußen auf einer weitläufigen Wiese aufhalten. Zum Schutz vor Raubvögeln haben die Hasenauers ein Netz aufgespannt.

Hühner werden sieben bis acht Jahre alt - stand nur eins in der Industrie

„In der Industrie werden die Hühner normalerweise nach einem Jahr geschlachtet, weil die Legeleistung dann schnell abnimmt. Bei uns werden Hühner etwa sieben bis acht Jahre alt“, weiß Josef Hasenauer.

Um das Projekt zu unterstützen, haben Tierfreundinnen und Tierfreunde die Möglichkeit, eine Patenschaft für Hühner eingehen. „Wir haben derzeit knapp 50 Paten. Das können ruhig noch mehr werden.“

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