Ein Auszubildender demonstriert in einer Werkstatt des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer das Gasschweißen.
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Trotz der Corona-Pandemie gibt es genügend Lehrstellen in Osthessen. Noch sind 700 Ausbildungsplätze offen.

Gute Nachrichten

Trotz Corona-Pandemie gibt es genügend Lehrstellen in Osthessen – noch 700 Ausbildungsplätze offen

„Trotz der Corona-Problematik ist der Ausbildungsstellenmarkt im Vergleich zum vergangenen Jahr relativ stabil geblieben“, erklärte Waldemar Dombrowski, Leiter der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, auf Anfrage der Fuldaer Zeitung. Momentan seien noch rund 700 Lehrstellen offen.

Fulda - Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda und die Kreishandwerkerschaft Fulda haben gute Nachrichten. Das Angebot an Ausbildungsstellen ist zwar etwas zurückgegangen, jedoch überwiegt in unserer Region die Zahl der noch offenen Lehrstellen die der weiterhin unversorgten Bewerberinnen und Bewerber sehr deutlich“, betonte Dombrowski.

Trotz Corona-Pandemie genügend Lehrstellen in Osthessen

„Leider mussten die Bildungsmesse, die Trendmesse und ähnliche Veranstaltungen – wie zum Beispiel die regelmäßigen Lehrstellenbörsen in unserer Arbeitsagentur – ausfallen“, bedauert er. Diese Veranstaltungen seien „ein wichtiger Baustein im Berufswahlprozess“. Auch Praktika in Betrieben hätten aufgrund von Corona in der Regel nicht stattgefunden.

„Darüber hinaus konnten unsere Berufsberaterinnen und -berater durch die Schließung der Schulen und der Arbeitsagenturen nicht persönlich mit den Schülerinnen und Schülern in Kontakt treten. Jedoch nutzen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen die telefonischen Beratungsgespräche und die Online-Angebote unserer Agentur gern“, lobt der Arbeitsagentur-Chef.

Die beliebtesten Berufe haben sich seit vielen Jahren kaum geändert. Während sich beide Geschlechter gleichermaßen für Berufe im kaufmännischen Bereich und im Verkauf interessieren, befinden sich unter den Top Ten der Wünsche bei den Männern beispielsweise der Kfz-Mechatroniker und der Fachinformatiker Systemintegration.

Junge Frauen streben häufiger eine Ausbildung in der Verwaltung an oder wollen Tier- beziehungsweise Zahnmedizinische Fachangestellte werden. Das Angebot an Dualen Studiengängen ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Aktuell sind noch einige Angebote vorhanden, etwa in den Bereichen Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen.

Warum Unternehmen keine Azubis finden

Die Einschätzung der Kreishandwerkerschaft Fulda einer weitgehend unveränderten Ausbildungsmarktsituation 2020 hat sich unterdessen im Laufe der letzten Wochen bestätigt. „Soweit wir das zum gegenwärtigen Zeitpunkt beurteilen können, gab es keinen merklichen Rückgang an Ausbildungsplatzangeboten für handwerkliche Berufe“, erklärte die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda, Gabriele Leipold (60).

„Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk war schon immer groß – daran hat auch der Corona-Virus nichts geändert“, bekräftigte sie. „Ich denke, wir müssen damit rechnen, dass sich die Ausbildungssituation 2021 und eventuell auch in den Folgejahren verändern wird. In welchem Umfang auch das Handwerk davon betroffen sein wird, lässt sich derzeit nur schwer absehen“, ergänzt Leipold.

Engagiert für den Ausbildungsmarkt: Gabriele Leipold (von links), Armin Gerbeth und Waldemar Dombrowski.

Da sich das Handwerk bisher als relativ krisensicherer Wirtschaftsbereich bewiesen habe, gehe sie davon aus, dass die Ausbildungsbereitschaft einheimischer Betriebe auch künftig hoch sein werde. „Vielleicht wird die handwerkliche Ausbildung sogar aufgrund vergleichsweise sicherer Arbeitsplätze künftig sogar für junge Menschen attraktiver.“

Der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda sind indes zum Ausbildungsstart 2020 wieder über 900 Ausbildungsverträge vorgelegt worden – ein Beleg dafür, dass die Themen Fachkräftequalifizierung und Mitarbeiterbindung in der heimischen Wirtschaft eine hohe Bedeutung haben.

„Allerdings bleibt das Ergebnis hinter den Zahlen des Vorjahres zurück. Und bereits heute zeichnet sich ab, dass auch im nächsten Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden können. Deshalb müssen sich die Ausbildungsmarktakteure der Region anstrengen, Angebot und Nachfrage noch engagierter und angemessener zusammenzuführen“, verdeutlicht Armin Gerbeth, Leiter der Abteilung Aus- und Weiterbildung bei der IHK Fulda.

Neue Sonderbeilage „Ausbildungsstart 2020“ erscheint am 10. Septemer

Die 32-seitige Sonderbeilage „Ausbildungsstart 2020“ erscheint am Donnerstag (10. September) in der Fuldaer Zeitung, in der Hünfelder Zeitung, im Schlitzen Boten sowie in den Kinzigtal Nachrichten. Sie können auch eine E-Paper-Ausgabe der Beilage „Ausbildungsstart 2020“ kaufen – und zwar über unsere Fuldaer-Zeitung-App: Für Android-Geräte im Google-Play-Store oder für iOS-Geräte im App-Store. Weitere Fragen beantwortet gern unser Kundenservice: 0661-280310.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die IHK den Ausbildungsbetrieben, ihre Kontakte zu den Schulen zu systematisieren und Schülerinnen und Schüler auf diesem Weg für eine duale Ausbildung zu begeistern. „Das ist schon deshalb wichtig, weil sich Erfolge nicht von heute auf morgen einstellen werden. Hier bedarf es einer gewissen Beharrlichkeit und Überzeugungskraft“, weiß Gerbeth. 

Erfolgsversprechend sei ebenfalls die Einbindung der eigenen Azubis, um eine Kommunikation mit den Schülerinnen und Schüler auf Augenhöhe zu ermöglichen. „Und auch hier sind wir auf einem guten Weg“, betont Gerbeth. Nicht wenige Unternehmen hätten ihr Interesse signalisiert, sich Jahr 2021 auf einer Ausbildungsmesse zu präsentieren. (Mirko Luis)

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