Eine Statue der Justitia
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Im Tötungsdelikt von Bad Salzschlirf förderten Polizei und Gericht weitere Details zutage.

Tötungsdelikt in Bad Salzschlirf

Liebesschwüre in den Wochen vor der Tat

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Chatauswertungen, Geokoordinaten und Hintergründe zu einer Hotelbuchung: Im Prozess gegen einen 27-Jährigen, dem vorgeworfen wird, seine Ehefrau in einer Wohnung in Bad Salzschlirf erwürgt zu haben, wurde es am Montag am Landgericht Fulda kleinteilig.

  • Polizeibeamte haben Geokoordinaten, Chatverläufe und Anrufe des Paares aufgeschlüsselt
  • Angeklagter vermutete eine Affäre seiner Frau
  • Opfer wollte sich wohl trennen

Bad Salzschlirf - Zeugen, die zur Tatzeit am 9. August 2019 in der Wohnung in Bad Salzschlirf waren, sind bereits vernommen worden. Die Familie des 27-jährigen Opfers wurde befragt, ebenso wie die Beamten, die den Angeklagten kurz nach der Tat verhört haben. Vor Gericht schweigt der Iraker zu den Vorwürfen.

Man könnte meinen, es gibt kaum noch etwas zum Sachverhalt hinzuzufügen. Und trotzdem: Die Beamten haben noch viel mehr herausgefunden. Denn nur wenn die Ermittlungsarbeit lückenlos ist, kann die Kammer unter Vorsitz von Richter Josef Richter ein Urteil fällen, das nicht anfechtbar ist.

Aufforderung zum Videoaufruf

Geokoordinaten, Chatverläufe, Anrufe – das alles wurde von Polizeibeamten aufgeschlüsselt und am Montag dem Gericht vorgetragen. Eine Kriminalkommissarin erklärte, dass der Angeklagte am 8. August, dem Tag vor der Tat, 40-mal versucht habe, seine Ehefrau anzurufen. In einer Textnachricht habe er geschrieben: „Wo bist du? Warum ist dein Handy aus? Ich will nur kurz ,Hallo‘ sagen.“ Die 27-Jährige, die mit dem Beschuldigten und zwei kleinen Kindern seit ihrer Flucht aus dem Irak in Lebach im Saarland lebte, war zu dem Zeitpunkt schon seit einigen Tagen nicht mehr bei ihrem Mann. Sie übernachtete zunächst bei der Schwester in Regensburg und wollte am 8. August zu einer Bekannten nach Bad Salzschlirf fahren – legte aber offenbar in Frankfurt einen Stopp ein und verbrachte die Nacht dort in einem Hotel. Ihrem Ehemann schrieb sie, dass sie in Bad Salzschlirf angekommen sei.

Der Angeklagte schien geahnt zu haben, dass das nicht stimmt und forderte sie auf, einen Videoanruf entgegenzunehmen. „Ich möchte dich sehen. Ich bin dein Mann. Du lügst. Du bist doch zu einem anderen gegangen.“

Liebesbekenntnisse reichen nicht

Dass es diesen anderen gegeben haben könnte, darauf weisen einige Textnachrichten und auch eine Hotelbuchung für den 8. August hin. Ein Iraker, der in Großbritannien lebt, soll in Frankfurt ein Doppelzimmer für sich und die 27-Jährige gebucht haben.

Die Polizei hat den Chatverlauf zwischen Angeklagtem und Opfer über mehrere Wochen untersucht. Auf die Frage des Staatsanwalts Andreas Hellmich, ob daraus generell eine Rollenverteilung in deren Beziehung erkennbar sei, antwortete die Polizistin: „Er liebte sie, und es schien, als sei sie die Liebe seines Lebens. Er hat viele Liebesbekenntnisse geschrieben. Doch sie ist da nicht drauf eingegangen. In einem Chat deutete sie auch an, dass sie für ihn eher Gefühle wie für einen Bruder habe. Schlussfolgernd könnte man annehmen, dass sie sich trennen wollte.“

Medikamente und abgelehnter Asylantrag

Darüber hinaus habe der Angeklagte sich bei Facebook – übersetzt – „Tränen von Liebe“ genannt. Auch „das gebrochene Herz“ sei ein Begriff, den er verwendet habe.

Ebenfalls ausgesagt hat ein Polizist aus Lebach, der die Ein-Zimmer-Wohnung der Familie durchsucht hat. Bis auf einen abgelehnten Asylantrag, gegen den Klage eingereicht wurde, und einige Medikamente sei nichts Nennenswertes gefunden worden.

Die Verhandlung wird am Freitag, 22. Mai, um 9.30 Uhr am Landgericht fortgesetzt.

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