Nadine Schneider (links) und Olivia Wenzel (rechts) sind die Gewinnerinnen des zweiten Fuldaer Literaturpreises in diesem Jahr. / Fotos: Laurin Gutwin und Juliane Werner, Stadt Fulda

Literaturpreis der Stadt Fulda 2020 geht an zwei Berlinerinnen

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Fulda - Den in diesem Jahr zum zweiten Mal vergebenen Literaturpreis der Stadt Fulda, der das beste deutschsprachige Debüt würdigt, erhalten diesmal gleich zwei Autorinnen: Olivia Wenzel wird für ihren Erstlingsroman „1000 Serpentinen Angst“ (S. Fischer) ausgezeichnet und Nadine Schneider für ihr Romandebüt „Drei Kilometer“ (Jung u. Jung) geehrt.

Eine fünfköpfige, hochkarätig besetzte Jury hatte aus den aktuellen literarischen Erstlingswerken in den Bereichen Lyrik und Prosa das beste deutschsprachige Debüt ausgewählt und dabei die Titel beider Autorinnen als gleichermaßen preiswürdig empfunden. Mit der Ehrung ist ein Preisgeld von 10.000 Euro verbunden, das sich beide Schriftstellerinnen teilen.

25 Erstlingswerke schafften es auf die „Long-List“

Zur Jury in diesem Jahr zählten die renommierten Autoren Jan Brandt und Frank Witzel, Literaturkritikerin Insa Wilke und Literaturkritiker Christoph Schröder sowie Autorin Johanna Maxl, die im vergangenen Jahr für ihren Debütroman „Unser großes Album elektrischer Tage“ (Matthes & Seitz) mit dem 2019 erstmals vergebenen Literaturpreis der Stadt Fulda ausgezeichnet worden war. Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld dankte den Jury-Mitgliedern für ihr Engagement im Dienst zur Förderung junger Talente.

Die Jury hatte in den Textgattungen Lyrik und Prosa aus den Erstlingswerken der Büchersaison zunächst eine Vorauswahl getroffen und zu einer Long-List mit 25 Titeln zusammengestellt. Diese verdichtete sich später zu einer Short-List der sieben favorisierten Titel. Bei der abschließenden Entscheidungsfindung der Jury-Mitglieder im Fuldaer Stadtschloss wurde schnell deutlich, dass es in diesem Jahr zwingend zwei Preisträgerinnen geben müsse.

Debüt-Romane voller gesellschaftlicher Relevanz

In der Begründung der Jury heißt es: „Mit dem Literaturpreis Fulda werden 2020 Nadine Schneider und Olivia Wenzel ausgezeichnet. Die Jury hat sich in diesem Jahr bewusst entscheiden, zwei konträre Erzählweisen auszuzeichnen. Beide Debüts verbindet die gesellschaftliche Relevanz ihrer Thematik, für die sie jeweils einen eigenen formalästhetischen Ansatz wählen.“ Der Roman „Drei Kilometer“ erzählt von der Zeit in einem rumänischen Dorf vor dem Sturz der Diktatur. Besonders bemerkenswert sei „die ruhige poetische Sprache, in der Nadine Schneider von Beziehungen erzählt und durch Auslassungen große Imaginationsräume schafft“.

Olivia Wenzels Buch „1000 Serpentinen Angst“ handele von den Konsequenzen anhaltender Diskriminierung in einer Weise, die es in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur so noch nicht gegeben habe, urteilt die Jury. Sie betont: „Olivia Wenzel arbeitet mit dialogischen Formen, Kommunikations- und Diskursfragmenten und stellt historische und persönliche Erfahrungen neu zur Diskussion.“

Preisträgerinnen kommen im Mai persönlich nach Fulda

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) war vom Votum der Jury überrascht, für das Jahr 2020 gleich zwei Preisträgerinnen zu benennen. Nachdem die Entscheidung gefallen war, informierte das Fuldaer Stadtoberhaupt die Autorinnen telefonisch. Nadine Schneider und Olivia Wenzel hätten sich über die Nachricht gefreut und werden den Literaturpreis der Stadt Fulda 2020 im Mai in Fulda persönlich entgegennehmen, sagte Dr. Wingenfeld in einer Pressemitteilung.

Nadine Schneider, geboren 1990 in Nürnberg, studierte Musikwissenschaft und Germanistik in Regensburg, Cremona und Berlin. Sie hat bereits Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht, war mehrfach Stipendiatin der Bayerischen Akademie des Schreibens und erhielt für „Drei Kilometer” den Bloggerpreis für Literatur „Das Debüt 2019“. Sie lebt in Berlin und arbeitet dort am Theater.

Beide Autorinnen leben in Berlin

Olivia Wenzel, geboren 1985 in Weimar, studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität in Hildesheim. Sie schreibt Theatertexte, Prosa und macht Musik als Otis Foulie. Wenzels Stücke wurden unter anderem an den Münchner Kammerspielen, am Hamburger Thalia Theater, am Deutschen Theater Berlin und am Ballhaus Naunynstraße aufgeführt. Neben dem Schreiben leitet sie Textwerkstätten mit Kindern und Jugendlichen an. „1000 Serpentinen Angst“ ist der erste Roman von Olivia Wenzel, die in Berlin lebt und arbeitet.

Die Verleihung des Literaturpreises der Stadt Fulda 2020 erfolgt zum diesjährigen Abschluss der renommierten Lesereihe „Literatur im Stadtschloss“ am Dienstag, 26. Mai 2020, um 20 Uhr im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses. Die Laudatio auf die Preisträgerinnen hält Jury-Mitglied und Autor Jan Brandt. Nadine Schneider und Olivia Wenzel werden dann auch Passagen aus ihren Romanen präsentieren. Hauptsponsor des Literaturpreises ist die Jubiläumsstiftung der Sparkasse Fulda. / akh

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