Das Konterfei von Walter Lübcke (CDU) ist hinter einem Bundeswehrsoldaten am Sarg bei einem Trauergottesdienst in der Martinskirche zu sehen. Lübcke wurde mit einem Kopfschuss auf der Terrasse seines Wohnhauses getötet.
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Das Konterfei von Walter Lübcke (CDU) ist hinter einem Bundeswehrsoldaten am Sarg bei einem Trauergottesdienst in der Martinskirche zu sehen. In Fulda soll eine Straße nach ihm benannt werden.

Regierungspräsident wurde vor einem Jahr erschossen

Brand: „Walter Lübcke ist für unsere Werte gestorben“

Vor einem Jahr wurde Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke erschossen. Am 2. Juni j��hrt sich der Todestag des CDU-Politikers. Eine offizielle Gedenkveranstaltung ist wegen der Corona-Pandemie in Hessen nicht geplant. Allerdings haben zwei Initiativen zu Aktionen aufgerufen. Der Bundestagsabgeordnete Michael Brand (CDU) würdigt Lübcke als Vorbild.

  • An seinem Todestag wird an den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erinnert
  • Der Bundestagsabgeordnete Michael Brand bezeichnet Lübcke als Vorbild
  • Brand: Lübcke ist „für dieses Land, für unsere Werte“ gestorben

Fulda/Kassel - Das „Kasseler Bündnis gegen Rechts“ lädt dazu ein, vor dem Regierungspräsidium Blumen niederzulegen. Die nordhessische Initiative „Offen für Vielfalt“ hat Plakate mit der Aufschrift „Demokratische Werte sind unsterblich“ verteilt und dazu aufgerufen, diese sichtbar aufzuhängen.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte bereits am Montag das Grab Lübckes in Wolfhagen-Istha besucht und einen Kranz niedergelegt. In einem Interview bezeichnete Bouffier Lübcke als verklässlichen Freund. Lübckes Tod habe das Land erschüttert. Das Regierungspräsidium Kassel erinnert mit einer große angelegten Plakatkampagne an Lübcke.

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Vor einem Jahr, am 2. Juni 2019, wurde unser Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke mutmaßlich von einem vorbestraften Gewalttäter und bekannten Neonazi erschossen. Das Regierungspräsidium Kassel und die nordhessische Initiative „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ erinnern jetzt mit einer groß angelegten Plakat- und Anzeigenkampagne an die Ermordung Walter Lübckes und an dessen Engagement für eine offene, tolerante und demokratische Gesellschaft und gegen rechte Hetze und Gewalt. Zum Auftakt der Kampagne ist heute unübersehbar ein rund 200 Quadratmeter großes Banner am Regierungspräsidium in Kassel angebracht worden. Die Botschaft darauf ist ebenso bewegend wie klar: „Demokratische Werte sind unsterblich.“ Mit der Aktion setzen das Regierungspräsidium und die Initiative gemeinsam ein deutliches Zeichen dafür, dass in Kassel und der Region kein Platz für rechte Gewalt und Intoleranz ist. #regierungspräsidiumkassel #rpkassel #offenfuervielfalt #demokratie

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Der langjährige Regierungspräsident war im Juni 2019 nachts auf seiner Terrasse im Landkreis Kassel erschossen worden. Wegen des Mordes angeklagt ist Stephan E., der 46-Jährige soll Lübcke getötet haben, weil dieser sich für die Aufnahme von Flüchtlingen einsetzte.

Mord an Lübcke: Michael Brand würdigt Kasseler Regierungspräsidenten

In einem Beitrag für die Fuldaer Zeitung würdigt der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand Lübcke als „Vorbild, an dem man Maß nahmen“ könne. „Mir hat immer, das tut es umso mehr heute, seine Haltung imponiert. Er war ein christlicher Patriot, einer, der für die Werte unseres Landes eingetreten ist, der sie praktisch gelebt, sie politisch umgesetzt hat.��

Brand ist überzeugt: „Die Hetze der vergangenen Jahre, dieser Großangriff gegen Menschlichkeit, Anstand und Patriotismus, hat den Mord an Walter Lübcke erst möglich gemacht. Die anderen Morde von Rechtsextremisten, Islamisten und Linksextremisten, die alle eines eint, nämlich der blanke Hass, die vergessen wir nicht.“

Brand: Gezielter Hass und dessen Verbreitung können zur tödlichen Waffe werden

Der osthessische CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand.

Der Mord an Walter Lübcke habe das Land verändert. „Hoffentlich sind nach dem Mord an ihm manche aufgewacht. Immer ist Kritik an den Regierenden wichtig, sie ist Lebenselixier der Demokratie, das unterscheidet uns von der Diktatur. Aber diejenigen, die mit blankem Rassismus und Hass unterwegs sind, die Demokratie als „Regime“ denunzieren, unseren demokratischen Staat abschaffen wollen, die müssen auf unseren Widerstand treffen.“ Es würden nicht nur „dumme Sprüche“ gemacht, sondern oft gezielt Lügen verbreitet.

„Der Mord an Walter Lübcke hat gezeigt: Gezielter Hass und dessen Verbreitung können zur tödlichen Waffe werden. Die beiden Angeklagten im Mordprozess waren Monate vor der Tat gemeinsam auf einer AfD-Kundgebung, zusammen mit Reichsbürgern, Neonazis, Hooligans. Es ist bitter, aber wahr: Ohne die jahrelange systematische Hasspropaganda wäre Walter Lübcke wohl noch am Leben“, schreibt Brand.

„Am 2. Juni werden viele, auch ich, ganz besonders an Walter Lübcke und seine Familie denken. Es ist wichtig, dass wir ihn nicht durch die Art seines Todes, sondern durch seine Haltung und sein Wirken aus Lebzeiten hoch halten. Das sind wir ihm, seiner Familie, auch unserem Land schuldig. Denn er ist für dieses Land, für unsere Werte gestorben. Das können wir am besten dadurch würdigen, dass wir in unserem eigenen Alltag seine Haltung als offener, freundlicher und energischer Demokrat und vor allem Mensch beherzigen.“

In Fulda soll eine Straße nach dem ermordeten osthessischen Regierungspräsidenten benannt werden.

dpa/zen

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