Auf sechs Hektar Fläche baut die Forstbetriebsgemeinschaft Fulda um Geschäftsführer Jochen Rümann Weihnachtsbäume an.
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Auf sechs Hektar Fläche baut die Forstbetriebsgemeinschaft Fulda um Geschäftsführer Jochen Rümann Weihnachtsbäume an.

Verkaufsschlager ist Nordmanntanne

„Frische, Handarbeit und keine Chemie“: Nachfrage nach regionalen Tannenbäumen wächst

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Er gehört zu Weihnachten wie die Geschenke oder das Festessen: der Weihnachtsbaum. Während der Trend nach Regionalität steigt, haben hiesige Waldbauern vermehrt mit der Trockenheit der vergangenen Jahre zu kämpfen. 

Lüdermünd - „O Tannenbaum, o Tannenbaum! Du kannst mir sehr gefallen!“ Eine Tatsache, die nur auf 50 Prozent der in der Region heranwachsenden Bäume zutrifft, wie der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Fulda, Jochen Rümann, erklärt. „Wir bauen auf sechs Hektar Weihnachtsbäume an, nur die Hälfte von ihnen ist verkaufsfähig“. Auf einem Hektar finden circa 6000 Exemplare Platz. Je nach Größe wachsen und gedeihen Nordmanntannen, Blaufichten und Edeltannen acht bis zwölf Jahre auf den Plantagen. „Beim Setzen sind die kleinen Pflanzen zwischen zwei und vier Jahre alt“, ergänzt der Steinauer.

Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) kommt der „Weihnachtsbaum mit dem reinsten Gewissen“ direkt aus dem Wald oder von Plantagen aus der Region. Zu oft werde auf Weihnachtsbaumplantagen – gerade im Norden Europas – noch mit Dünge-, Unkrautvernichtungs- und Schädlingsbekämpfungsmitteln gearbeitet. Nicht aber bei der Forstbetriebsgemeinschaft Fulda. „Wir legen Wert auf Regionalität, Frische, Handarbeit und keine Chemie“, betont Rümann.

Nachfrage nach regionalen Tannenbäumen wächst: Frisch und ohne Chemie

Eine bewusste Entscheidung mit sichtbaren Folgen: „Natürlich haben die Bäume nicht die prachtvolle, grüne Farbe und das perfekte Aussehen – es sind schließlich Wildbäume“, betont der Geschäftsführer. Ein Kompromiss, den der Konsument für das Zertifikat „Regionalität“ in Kauf nehmen muss. „Und sind wir ehrlich – geschmückt sieht jeder Baum schön aus“, ergänzt der 74-Jährige. Eine Tatsache, die viele Käufer teilen. Rund 30 Prozent der verkauften Bäume in Deutschland werden bei regionalen Betreibern gekauft – Tendenz steigend. Ein Vorteil sei die frische, da die Weihnachtsbäume laut Rümann erst Anfang oder Mitte Dezember geschlagen werden. Importierte Bäume aus skandinavischen Ländern dagegen bereits Anfang November.

Bis es aber so weit ist, vergeht viel Zeit. „Der Baum ist eigenwillig und macht selten das, was wir wollen“, verdeutlicht er mit einem Schmunzeln. Durch Wachstumsschnitte wird zum Beispiel dafür gesorgt, dass der Baum eher in die Breite statt in die Höhe wächst. „Und so vergehen pro Baum ungefähr 40 Minuten Arbeitszeit, bis er nach etwa zehn Jahren geschlagen wird“, gibt der Geschäftsführer an. (Lesen Sie hier: Die Bahnhofstraße in Fulda strahlt weihnachtlich - RhönEnergie verrät Details zur Beleuchtung)

Jochen Rümann (Forstbetriebsgemeinschaft): „Geschmückt sieht jeder Baum schön aus“

Die Setzlinge werden von Baumschulen aus Norddeutschland gekauft und kosten 1,10 Euro. Zudem muss der Waldbauer einen Euro für die Anpflanzung kalkulieren. Insgesamt fielen bis zur Ernte Unkosten von rund acht Euro an, rechnet Rümann vor. Laut SDW müssen Kunden für Nordmanntannen in diesem Jahr zwischen 20 und 25 Euro je laufendem Meter zahlen. Der Preis für Blaufichten liegt bei 10 bis 16 Euro, Fichten kosten 6 bis 10 Euro je Meter.

Verkaufsschlager ist nach wie vor die Nordmanntanne. Von den circa 28 Millionen Bäumen, die jedes Jahr in deutschen Wohnzimmern stehen, sind 75 Prozent Nordmanntannen. Auch die Forstbetriebsgemeinschaft Fulda setzt auf das beliebte Objekt und pflanzt zu 90 Prozent Nordmanntannen an. Ein weiteres Objekt – der künstliche Baum – wurde hingegen in Zeiten des Klimawandels zur Grundsatzfrage. „Ein Kunststoffexemplar müsste 17 bis 20 Jahren durchhalten, bevor er sich ökologisch rechnet“, erklärt Kathrin Klinkusch, Sprecherin beim Naturschutzbund Deutschland. Die Anbieter würden allerdings damit werben, dass die künstlichen Bäume im Schnitt nur acht bis zehn Jahre genutzt werden könnten.

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