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17. März 1945: Zwölf Menschen sterben bei Bombenangriff auf Engelhelms und Edelzell

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Engelhelms/Edelzell - Zwölf Tote, viele zerstörte Gebäude: Der Bombenangriff am 17. März 1945 auf Engelhelms und Edelzell war ein dramatisches Ereignis für die Bürger. Drei Zeitzeugen berichten.

Von unserem Redaktionsmitglied Alina Hoßfeld

Ein heute 91-Jähriger aus Engelhelms, der nicht genannt werden möchte, erinnert sich: „Ich war mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause gefahren. Da kam ein Mädchen zu mir und sagte ‚Bei euch ist alles tot‘.“ Zu Hause angekommen zeigte sich dem damals 16-Jährigen ein schreckliches Bild.

Eine Scheune war von einer Bombe getroffen worden, und es gab zwölf Todesopfer. „Wir mussten alle Toten aus dem Keller der Scheune bergen. Ich bin in den Keller reingekrochen und habe Seile um die Körper gebunden, um sie aus den Trümmern zu ziehen“, erinnert sich der 91-Jährige.

Menschen im Keller begraben

Unter den insgesamt zwölf Toten waren fünf Kinder und sieben Erwachsene. „Die Bombe ist durch das Hausdach hinein und den Giebel wieder herausgeflogen und hat sich direkt an der Scheune in die Erde gebohrt. Die Mauer ist dann eingestürzt und hat die Menschen im Keller unter sich begraben“, erzählt er.

Auch Berthold Wingenfeld hat den Tag als Achtjähriger miterlebt. „Es herrschte keine Ordnung und keine Ruhe. 1944 und 1945 gab es während des Schulunterrichts oft Fliegeralarm. Auch die Bombardierungen in Fulda haben wir immer lautstark wahrgenommmen. Wir Schüler haben dann immer alle unsere Sachen in den Schulranzen gepackt und sind schnell in den Schutzkeller gerannt. Das sind Erlebnisse, die man nie vergessen wird“, erzählt Wingenfeld.

Ein Gefühl, als ob es nie enden würden

Am 17. März 1945 habe es bereits vormittags Alarm gegeben. Der Achtjährige war in der Schule, packte seine Sachen, machte sich auf den Weg zu seiner Mutter und ging mit ihr schließlich in den Keller des „Hauses Birkenbach“. Der Keller in diesem Haus diente ihm und seiner Mutter als Schutz. Es war das Elternhaus seiner Mutter.

„Wenn es nur einzelne Abwürfe gab, war es immer bald vorüber. Waren es aber Bombenteppiche wie in Fulda, oder wie am 17. März in Engelhelms, dann war alles anders, und man hatte das Gefühl, dass es nicht enden wird“, erzählt Wingengeld.

400 Bomben fielen

Nicht nur die Scheune wurde an diesem Tag getroffen, auch andere Gebäude wurden von den 400 Bomben zerstört. Neben dem Schutzraum, in dem sich der Junge mit seiner Mutter befand, schlug eine Bombe ein und explodierte.

„Als die Bomben fielen hatte ich das Gefühl, dass sich die Kellerwand neigte und wieder zurückging. Die Bombe ist ungefähr acht Meter neben der Hauswand explodiert. Nachdem die Bomber weg waren herrschte unheimliche Stille.“

Auch habe es ein Explosionsgeruch gegeben, der im Keller Panik auslöste. Ungefähr eine halbe Stunde später habe es Entwarnung gegeben und der als Schutzraum dienende Keller konnte verlassen werden.

„Den Anblick der Toten werde ich niemals vergessen“

„Wir sind zu unserem Wohnhaus gelaufen und haben gesehen, dass die Hälfte des Hauses fehlte. Auf der einen Seite stand die Treppe noch, doch der Rest des Hauses war zerstört. Wir haben alle Möbel wegen der Einsturzgefahr entfernt und sie umgelagert“, erzählt der heute 83-Jährige.

Kurze Zeit später habe er erfahren, dass die Scheune getroffen wurde und es mehrere Tote gab. „Zwei Tage nach dem Bombenangriff bin ich zu der Scheune gegangen. Dort lagen die Toten in einer Reihe. Sie waren mit Tüchern abgedeckt, die mit Blutflecken gezeichnet waren und auf Verletzungen deuteten. Diesen Anblick werde ich niemals vergessen“, berichtet Wingenfeld.

Die Schule wurde zur Ruine

Eine zerstörte Schule, kaputte Gebäude und dicke Gesteinsbrocken auf der Straße – auch in Edelzell hat der Bombenangriff am 17. März 1945 Spuren hinterlassen. Reinhold Nüchter hat ihn miterlebt.

„Der 17. März 1945 ist ein Tag, den ich nie vergessen werde“, sagt Reinhold Nüchter (83). „Es war ein eigenartiger Tag und ein schulfreier Samstag. Bereits morgens um 11 Uhr hat es einen Vollalarm gegeben und wir mussten alle in den Schutzbunker am Schindrain“, erzählt Nüchter.

Heimlich nach Hause gelaufen

Die Bomben fielen auf Fulda. „Da hat es kurz gerappelt. Danach sind die Bomber Richtung Osten geflogen. Weil es noch keine Entwarnung gegeben hat, bin ich dann heimlich aus dem Bunker nach Hause gelaufen“, erinnert sich der 83-Jährige. Dort hat er auf die Entwarnung gewartet. Sein Vater schickte ihn wieder in den Bunker, da es auch nach längerem Warten noch keine Entwarnung gegeben hatte.

Auf dem Weg zurück zum Bunker hörte Nüchter jedoch verdächtige Geräusche. „Aus Richtung Florenberg/Engelhelms waren Flieger im Anflug und es gab wieder einen Vollalarm. Da dachte ich nur ‚da kommt was auf uns zu‘“, berichtet er. Da der Weg in den Schutzbunker weiter gewesen wäre, als zurück nach Hause, entschied sich der damals 8-Jährige, nach Hause zu rennen.

„Jetzt sind wir getroffen“

Dort angekommen ging er in den Heimbunker, den Kartoffelkeller. „Ich hab mich dann auf einen Stuhl gesetzt und gewartet. Die Kellertür flog auf, Staub und Brocken kamen mir entgegen. Dann kam es zu ohrenbetäubenden Geräuschen ganz in der Nähe unseres Hauses“, erzählt er.

Sein einziger Gedanke: „Jetzt sind wir getroffen.“ Sein Vater versuchte ihn zu beruhigen und ging nach draußen, um sich die Lage anzusehen. Nüchter selbst ist im Schutzraum geblieben, bis eine Entwarnung von seinem Vater kam.

Die Schule, die „einen Steinwurf entfernt“ war, war durch eine Bombe getroffen worden und zu einer Ruine geworden. Eine Scheune wurde durch den Luftdruck abgedeckt und dicke Gesteinsbrocken flogen umher.

„Unser Haus ist zum Glück verschont geblieben, und es gab keine Toten im Dorf. Die Schule war leer, denn das Lehrerehepaar hat sich während der Bombardierung im Schutzbunker aufgehalten. In Engelhelms war das anders“, erinnert sich Reinhold Nüchter.

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