„Der Spiegel“-Redakteur Michael Wulzinger (links) mit seinem Kollegen Rafael Buschmann. / Foto: Der Spiegel

Die mafiösen Strukturen des Fußballs: „Football Leaks“-Autor Michael Wulzinger im Interview

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Frankfurt/Fulda - Mit ihren Büchern haben die „Football Leaks“-Autoren Rafael Buschmann und Michael Wulzinger für viel Aufsehen gesorgt, denn die zunehmend mafiösen Strukturen im Spitzenfußball wurden aufgedeckt. Im Interview mit unserer Zeitung äußert sich Michael Wulzinger auf der Buchmesse über die Hintergründe, den Inhalt sowie den Mann, der die Bücher überhaupt erst ermöglichte.

Von unserem Redaktionsmitglied Tobias Konrad

Frage: Herr Wulzinger, was wollen Sie grundsätzlich mit den Büchern erreichen?

Antwort: Wir wollen aufklären. Das ist unser stärkster Antrieb. Im ersten Buch beschäftigen wir uns ausführlich mit Steuervergehen, im Zentrum stehen unsere Enthüllungen über Cristiano Ronaldo, der knapp 150 Millionen Euro am spanischen Fiskus vorbeigeschleust hat. Das ist das gravierendste Beispiel, Ronaldo wurde deshalb zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt und muss rund 19 Millionen Euro zurückzahlen.

Zudem beschreiben wir krasse finanzielle Exzesse, für die am Ende die Fans die Zeche zahlen müssen. Es ist obszön, dass ein Spielerberater wie Mino Raiola 49 Millionen Euro für den Transfer des Spielers Paul Pogba zu Manchester United kassierte. Solche Deals haben wir offengelegt, und damit möchten wir den Leuten, die für ihre Klubs und Spieler brennen, die Augen öffnen.

Sie sprechen den Fall Cristiano Ronaldo an, dem bereits der Prozess gemacht wurde. Wollten Sie genau das erreichen?

Welche strafrechtlichen oder sportrechtlichen Konsequenzen unsere Berichterstattung hat, liegt nicht in unserer Hand. Wir beschreiben, was wir finden und was wir sehen, nur das ist unser Job.

Als wir die Dokumente erhielten, wussten wir von Ronaldos Steuerhinterziehung noch gar nichts, wir haben Monate gebraucht, um in die ganze Materie einzusteigen. Über 70 Millionen Dokumente liegen auf unseren Servern, mit einem solch immensen Datenpaket haben wir nie zuvor gearbeitet. Bei Ronaldo konnten wir unsere Recherchen veröffentlichen, er ist ein Superstar, der Fall ist von überragendem öffentlichen Interesse. Wir sind in unseren Daten aber auch auf fragwürdige Vorgänge gestoßen, die wir nicht publiziert haben, weil wir sonst die Intim- oder Privatsphäre sehr prominenter Menschen verletzt hätten.

Rui Pinto, in den Büchern nur als „John“ betitelt, hat Ihnen die ganzen Daten zugespielt. Es heißt, dass Sie nicht wissen, woher er diese hat?

Das ist so. Unser Informant hat uns niemals gesagt, woher die Daten stammen. Seine Aussage war immer, dass er kein Hacker sei und auch nicht mit Hackern zusammenarbeite. Eine seiner Standardantworten lautete, er habe eben „gute Quellen“. Aus presserechtlicher Sicht gilt für uns, dass wir als Journalisten selbst Dokumente, die von Dritten womöglich widerrechtlich erlangt worden sein könnten, entgegennehmen und verwenden dürfen. Die Hürden für uns sind, dass das Material authentisch und von überragendem öffentlichen Interesse sein muss. Dies zu überprüfen, war extrem aufwendig.

Wie ist Ihr aktueller Stand in Sachen Rui Pinto?

Nach seiner Verhaftung Anfang des Jahres in Ungarn hat „John“ seine Identität preisgegeben. Derzeit sitzt er in Portugal in Untersuchungshaft, kürzlich hat ein Gericht einer Verlängerung der U-Haft bis kurz vor Weihnachten zugestimmt. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile Anklage gegen ihn erhoben. Der Hauptvorwurf lautet, er sei ein Hacker. Pinto und seine Anwälte weisen das zurück.

Haben Sie manchmal ein mulmiges Gefühl, dass Rui Pinto aufgrund Ihrer Enthüllungen in Untersuchungshaft sitzt?

Es hat absolut nichts mit unseren „Football-Leaks“-Veröffentlichungen zu tun, dass Rui Pinto in Haft ist. Wir kennen Pinto erst seit Anfang 2016. Auslöser für das Ermittlungsverfahren gegen ihn und seine Inhaftierung waren zwei Vorwürfe aus dem Jahr 2015. Zum einen soll Pinto damals einen Sportrechtevermarkter mit seinem Insiderwissen zu erpressen versucht haben. Nachdem Pinto festgenommen worden war, erklärte sein Anwalt, dass Pinto im Oktober 2015 tatsächlich eine Mail geschrieben habe, in der es um eine mögliche Geldzahlung gegangen sei. Dazu sei es aber niemals gekommen, dies sei ein Fehler von Pinto gewesen, eine Art Dumme-Jungen-Streich.

Der andere Vorwurf, der zu Pintos Verhaftung führte, lautete, dass er „Datendiebstahl“ bei einem portugiesischen Klub begangen habe. Das weist Pinto zurück.

Das ausführliche Interview mit Michael Wulzinger lesen Sie in der Samstagausgabe der Fuldaer und Hünfelder Zeitung, der Kinzigtal Nachrichten und des Schlitzer Boten sowie im E-Paper.

Das könnte Sie auch interessieren